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Das Buch
Geschichten


Der Träumler 1
von Tiras Rapkeve
1. Roy und das verbotene Tor
Roy war ein kleiner schüchterner Junge mit blonden strubbeligen
Haaren und einer seltsamen schwarzen Strähne darin, die jeden Morgen
nach dem Aufstehen dermaßen zerzaust war, dass er immer länger als
alle anderen Jungen im Badezimmer brauchte. Doch so sehr er sich
auch anstrengte, so oft er auch hindurchkämmte, er konnte diese
Strähne nicht bändigen. Sie stand von seinen Haaren ab wie ein
störrisches Eselsohr, das nicht hören will. Alle anderen Kinder –
besonders Greg, der größte Junge im Waisenhaus St. Jones – lachten
ihn aus deswegen. Und gerade heute war die Strähne noch
widerspenstiger als sonst. So sehr er sich auch mühte, so oft er
auch versuchte, sie flach an seinen Kopf anzuschmiegen, immer wieder
stellte sie sich auf und trotzte jeder Anstrengung seines Kammes,
so, als ob sie sich heute ganz besonders hervortun wollte, als ob es
heute einen ganz besonderen Grund dafür gäbe.
Von außen pochte bereits Greg an die Tür. »He, Rapperpotz! Roy
Rapperpotz! Wenn du nicht gleich rauskommst, dann kannst du für
immer drinbleiben.« Um seine Worte zu betonen, stieß er noch einmal
kräftig mit dem Fuß gegen die Tür. »Hast du mich verstanden,
Rapperpotz?«
Roy packte hastig seine Sachen zusammen. Er hasste es, Rapperpotz
genannt zu werden. Immer wieder hänselten ihn die Kinder wegen
seines Namens. Rapperpotz – Roy Rapperpotz. Dies war wirklich ein
sehr seltsamer Name. Roy Rapperpotz. Doch solange er denken konnte,
hieß er schon so. Und ebenso lange lebte er schon in diesem
Waisenhaus, weit außerhalb der Stadt, zusammen mit vielen anderen
Kindern, die kein Zuhause mehr hatten. Er wusste weder wer seine
Eltern waren, noch wo er hingehörte. Keiner hier konnte ihm dies
sagen, und keiner wusste, wie er eigentlich hierher gekommen war,
nicht einmal Direktor Finlox.
Roy öffnete die Tür und schaute vorsichtig hinaus. Von der Seite
packte ihn Greg und zog ihn aus dem Bad.
»Rapperpotz, du siehst aus wie ein Struwwelpeter. Was hast du
eigentlich die ganze Zeit da drin getrieben? Wegen dir werden wir
noch alle zu spät zum Frühstück kommen!«
Grob schob er Roy zur Seite und ging lauthals brüllend ins Bad.
Im Frühstücksraum waren bereits alle Kinder in Reih und Glied
versammelt. Der Direktor, Herr Finlox, ein finster dreinblickender
knorriger Mann, schritt an den Kindern vorüber. An jedem hatte er
etwas auszusetzen.
»Steck dein Hemd richtig rein, Peter. Kopf hoch, Martin. Michael,
putz deine Schuhe.«
Kurz vor Roy stoppte er seinen langsamen und schleppenden Gang und
schüttelte den Kopf.
»Rapperpotz, Rapperpotz. Du wirst es wohl nie lernen. Schau dich an.
Weißt du, wie du aussiehst? Wie ein Kind von der Straße. Was soll
nur aus dir werden?«
»Aber …«, versuchte Roy sich zu verteidigen.
»Kein Aber«, unterbrach ihn Finlox. »Jeden Morgen hast du die
gleiche Ausrede. Du gehst sofort in den Keller zu Morella und lässt
dir deine Haare schneiden. Ist das klar?«
Die Kinder im Saal verstummten. Jeder fürchtete sich vor Morella.
Sie war eine seltsame alte Frau, die im Keller von St. Jones hauste
und nur selten ins Haus, geschweige denn in den Garten kam. Einige
behaupteten sogar, sie wäre eine Hexe und hätte schon etliche kleine
Kinder verschlungen. Alle Waisenkinder, sogar Greg, hatten Angst vor
ihr, und jeder im Saal war froh, nicht an Roys Stelle zu sein.
Finlox stand wartend vor Roy und musterte ihn scharf. Roy drehte
sich um und verließ den Frühstückssaal. Was sollte er tun? Was
sollte er sagen? So hungrig er auch war, er musste sich fügen. Und
da er zwar klein und schüchtern, doch keinesfalls feige war, schritt
er die kalten Stufen hinunter in den Keller zu Morella. Aber
eigenartig – je tiefer er kam, desto weniger Angst hatte er. Obwohl
er im Halbdunkel nicht viel sah, kam ihm die Umgebung sogar
irgendwie vertraut vor. Nur ein- oder zweimal war er in diesem
Keller gewesen und so richtig konnte er sich gar nicht mehr daran
erinnern, auch nicht an Morella, doch er spürte das eigenartige
Gefühl, schon sehr oft hier gewesen zu sein. Er konnte es sich nicht
erklären.
Roy kam in einen Raum, der durch ein Kaminfeuer hell erleuchtet war,
so dass er an den Wänden Regale mit seltsam anmutenden Gläsern sehen
konnte. In der Mitte stand ein großer Holztisch mit vier Stühlen,
und als Roy zu dem Kamin blickte, sah er dort eine gebückte Frau mit
grauem, wallendem Haar Holz hineinwerfen.
»Komm ruhig näher, Roy Rapperpotz«, sagte die Frau ohne sich
umzublicken. »Ich habe schon auf dich gewartet. Du solltest
eigentlich schon längst hier unten sein, schon seit Wochen. Was hat
dich aufgehalten?«
Roy wusste nicht so recht, was er erwidern sollte.
»Direktor Finlox hat mich eben erst heruntergeschickt. Sie sollen
mir die Haare schneiden«, sagte er schüchtern.
»Finlox, dieser Trottel«, erwiderte Morella empört. »Haare
schneiden. Ist das sein einziges Problem? Haare schneiden? Der hat
keine Ahnung von dem, was hier wirklich vor sich geht. Setz dich.«
Neugierig schaute sich Roy im Raum um. Als er sich langsam setzte
und wieder zum Kamin blickte, war Morella plötzlich verschwunden.
Wie vom Erdboden verschluckt. Er sah in jede Ecke, doch er konnte
sie nicht mehr sehen. Er war jetzt ganz allein.
Da saß er nun und wartete und wusste nicht, was er tun sollte. Die
Stunden vergingen, doch es geschah nichts. Morella war verschwunden
und kam nicht wieder zurück. Da Direktor Finlox ihm eingeschärft
hatte, sich nicht ohne einen neuen Haarschnitt aus dem Keller zu
wagen, wartete Roy den ganzen Tag, bis es schon fast dunkel war. Zum
Glück fand er in einem Regal ein paar Äpfel und einen Kanten Brot.
Damit stillte er seinen Hunger, gegen seinen Durst half ein Krug
Wasser, der auf dem Tisch stand.
Als in Roy allmählich die Sorge wuchs, dass Morella gar nicht mehr
zurückkommen würde, erklang plötzlich eine leise, schnurrende
Stimme.
»Königliche Hoheit! Ein Glück, dass ich Euch gefunden habe.«
Erstaunt sah sich Roy um. Da war aber niemand. In der Ecke saß nur
ein kleiner schwarzer Kater mit einigen weißen Haaren an der Kehle.
Sonst war niemand da. Aber woher kam dann diese Stimme, die ihn mit
»Königlicher Hoheit« ansprach?
»Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie lange ich Euch gesucht habe,
Königliche Hoheit. Endlich habe ich Euch gefunden! Miau.«
Tatsächlich – es war dieser Kater, der zu ihm sprach. Roy konnte
seinen Ohren und Augen kaum trauen. War dies hier etwa eine
Hexenküche mit sprechenden Tieren?
»Ihr müsst mir helfen. Ihr seid meine letzte Hoffnung. Ihr seid
unsere letzte Hoffnung«, sprach der Kater weiter aus der Ecke.
»Bist du das, der zu mir spricht?«, fragte Roy ungläubig.
»Ja, natürlich bin ich es«, erwiderte der Kater und stellte sich
dabei auf die Hinterpfoten. »Erkennt Ihr mich denn nicht?«
»Nein. Wer bist du denn?«, fragte Roy neugierig.
»Ich bin’s, Racket. Euer treuer Freund Racket. Ach ja, das hätte ich
mir denken können. Ihr erkennt mich ja nicht in dieser Tiergestalt.
Ich vergesse immer wieder, dass ich ein Kater bin«, sprach Racket
und sprang über einen Stuhl auf den Tisch.
»Sollte ich dich kennen?«, fragte Roy immer erstaunter.
»Oh ja. Natürlich. Wir sind die besten Freunde. Erinnert Ihr Euch
nicht? Ihr müsst Euch doch erinnern. Wir waren jeden Tag zusammen.
Ihr wisst schon, damals in Traumania. Bis dieser Regen kam und
unsere Welt zu zerfallen begann.«
»Wovon sprichst du? Ich kann mich an keinen Regen erinnern.«
»Ihr wisst wirklich nichts davon? Ihr habt alles vergessen! Oh, wir
müssen uns beeilen. Wir müssen zurück in unsere Welt, bevor es zu
spät ist, wenn es nicht jetzt schon zu spät ist.«
Nun wurde Roy furchtbar aufgeregt. »In unsere Welt? Du weißt, woher
ich komme?«
»Ja, natürlich weiß ich es«, schnurrte Racket und griff mit seiner
Pfote nach einem Apfel, der achtlos auf dem Tisch lag, und biss
genussvoll hinein. »Ihr seid Roy Rapperpotz, der jüngste Spross der
königlichen Familie Rapperpotz aus dem Land Traumania.«
Racket, auf den Hinterbeinen stehend, verneigte sich tief, lief dann
mit dem Rest des Apfels in der einen Pfote zu Roy und zeigte mit der
anderen auf die strubbeligen Haare des Jungen.
»Und seit dem Regen habt Ihr auch diese schwarze Strähne, die Euch
übrigens sehr gut steht – meint zumindest Romi. Naja. Darüber kann
man wohl geteilter Meinung sein.«
»Romi?«, fragte Roy sehr aufgeregt, denn nun schien er sich doch an
etwas zu erinnern.
»Sagt bloß, Ihr habt auch Romi vergessen? Oh, wir müssen uns
wirklich
beeilen. Folgt mir!«
Racket ließ den Apfelrest auf den Tisch fallen und lief zu einer
Seitentür in der hintersten und dunkelsten Ecke des Raumes. Roy
hatte sie vorher gar nicht bemerkt, doch als sie nun hindurchtraten,
standen sie plötzlich mitten im Garten hinter dem Waisenhaus. Racket
lief bis zu einer Hecke aus buschigen Hainbuchen am anderen Ende des
Gartens. Als er unter ihr hindurchschlüpfen wollte, zögerte Roy.
»Wir dürfen nicht hinter die Hecke. Direktor Finlox hat es uns
streng verboten.«
»Vergesst Direktor Finlox, Roy. Wir werden bald zu Hause sein. Kommt
schon!«
Aus irgendeinem Grunde – auch, wenn sie sonst überall durch das
Gelände stromerten – hielten sich doch alle Kinder aus dem
Waisenhaus fern von dieser Hecke. Es kam ihnen nie in den Sinn,
dieses Verbot zu missachten. Auch jetzt beschlich Roy ein
unangenehmes Gefühl, das er nicht so recht deuten konnte. Doch mutig
folgte er dem Kater, der sich Racket nannte, und das seltsame Gefühl
wich schnell einem neuen, wunderbaren, einem, das er noch nie zuvor
erlebt hatte. Doch er meinte es aus Büchern zu kennen, die er
gelesen hatte. Es war das Gefühl der Geborgenheit, das Gefühl, nach
Hause zu kommen. Mit pochendem Herzen lief er deshalb Racket nach
und zwängte sich durch die Hecke.
Dahinter, neben großen Haselnuss-Sträuchern verborgen, lag ein
kleiner runder Pavillon, der zur Hälfte aus einer vergilbten Mauer
und zur anderen Hälfte aus Säulen bestand, von denen bereits der
Putz bröckelte. Roy sah, wie der Kater in dem Pavillon verschwand
und folgte ihm vorsichtig, aber ebenso neugierig zwischen den Säulen
hindurch. Dort angekommen sah er Racket direkt vor der Mauer
ungeduldig auf ihn warten. Der Kater konnte vor Aufregung kaum still
halten, und sobald Roy neben ihm stand, tippte er auch schon mit der
Pfote gegen einen Stein in der Wand, auf dem ein Symbol mit zwei
sich kreuzenden Strichen eingeritzt war. Im selben Augenblick
erstrahlte von diesem Stein ein seltsames Licht und erhellte den
gesamten Pavillon, und direkt vor ihnen erklang eine tiefe Stimme.
»Wer stört die Ruhe des Wächters des verbotenen Tores?«
»Miau. Ich bin es, Racket«, hauchte der Kater sanft und ehrerbietig.
»Ach, du bist es schon wieder. Du wirst es wohl nie aufgeben. Hast
du das Rätsel gelöst?«
»Nein«, antwortete Racket etwas verlegen. »Aber ich habe einen
Freund mitgebracht, ein Mitglied der königlichen Familie, siehst du?
Es ist Roy Rapperpotz.«
»Hm. Ja. Ich sehe. Es ist wirklich Roy Rapperpotz. Er trägt die
schwarze Strähne im goldenen Haar. Hm. Dennoch muss auch er das
Rätsel lösen, um durch das Tor zu gelangen.«
»Jaja«, erwiderte Racket eifrig. »Stell ihm die Frage. Er wird sie
beantworten. Er wird es wissen. Ganz bestimmt.«
»Also gut«, ertönte die Stimme, jetzt sogar noch tiefer als vorher.
»Höre mir aufmerksam zu, mein junger Freund:
Es ist ein Ort, den alle Menschen kennen.
Ob gut, ob böse, sie alle ihn ihr Eigen nennen.
Es ist ein Ort, an dem sich jeder Wunsch erfüllt,
ein Mantel, in den man sich des nächtens hüllt,
dort wo Erwachs’ne wie die Kinder tollen,
und nie mehr von dort gehen wollen.
Ein Ort, an dem es keine Grenzen gibt,
an dem nur eins, der eigne Wille siegt,
zu dem man geht mit Freuden fort.
Sag mir, was ist das für ein Ort?
Kennst du die Antwort, Roy Rapperpotz? Sag sie schnell, und ich
öffne dir mein Tor.«
Roy dachte angestrengt nach. Ein Ort, den alle Menschen kennen? Ein
Mantel, in den man sich nachts hüllt und wo sich jeder Wunsch
erfüllt? Was könnte das nur sein?
Ungeduldig störte ihn Racket beim Nachdenken. »Wisst Ihr es, Roy?
Ihr wisst es doch, nicht wahr? Sagt es dem Wächter. Ihr müsst es
doch wi …«
Doch plötzlich erlosch das Licht des Wächters, und Racket sprang
blitzartig aus dem Pavillon heraus, gerade noch rechtzeitig, bevor
Direktor Finlox von der anderen Seite hereingepoltert kam.
»Rapperpotz, Roy Rapperpotz. Was machst du hier? Du solltest dir
doch deine Haare schneiden lassen, du Lümmel. Wo hast du den ganzen
Tag gesteckt?«
Er packte Roy am rechten Ohr und zerrte ihn aus dem Pavillon. »Ihr
werdet es wohl nie lernen. Ihr solltet doch nicht hinter diese Hecke
gehen. Habe ich euch das nicht tausendmal gesagt? He?«
Finlox hielt Roy so fest am Ohr, dass der arme Junge vor Schmerz das
Gesicht verzog, und zerrte ihn zurück ins Haus.
»Wir werden morgen weiter darüber reden. Jetzt aber ab ins Bett!
Los!«
Im Waisenhaus angekommen, schubste er Roy in sein Zimmer, wo Greg
schon hemmungslos schnarchte, und schloss sachte die Tür hinter ihm.
Roy stieg leise in sein Bett. Immer wieder musste er an Racket und
an diese geheimnisvolle Welt denken, von der ihm der Kater erzählte
hatte. Und an das Rätsel, dessen Lösung ihnen das verbotene Tor zu
dieser Welt öffnen sollte, zu einer Welt, die angeblich seine eigene
war. Und plötzlich wusste Roy die Lösung des Rätsels. Todmüde, aber
zufrieden und voller Erwartungen an den nächsten Tag schlief Roy
unter seiner warmen und kuscheligen Decke ein.
2. Roy und das Orakel Guckifix
Am nächsten Morgen gab sich Roy weniger Mühe, seine Strähne glatt zu
kämmen. Er wusste nun, dass es eine Ursache dafür gab, und er wusste
nun auch, dass er ein Mitglied einer königlichen Familie war. Nun
ja. Aber welcher königlichen Familie eigentlich, und was für ein
Königreich sollte das sein? Voller Ungeduld wartete er den ganzen
Tag darauf, dass Racket sich bei ihm melden würde, doch dieser ließ
sich nicht blicken. Als ob gestern nichts geschehen wäre, verlief
der Tag wie alle anderen. Selbst Direktor Finlox erwähnte mit keinem
Wort den gestrigen Abend im Pavillon, auch Roys zerzauste Haare
kümmerten ihn nicht. Roy wunderte sich sehr darüber, und langsam
begann er schon daran zu zweifeln, den gestrigen Tag überhaupt
erlebt zu haben.
Doch als es zu dämmern begann und alle Kinder aus dem Garten ins
Haus zurückkehrten, hörte er von der Seite ein leises Miauen, und er
meinte zu hören, wie jemand seinen Namen rief. Erwartungsvoll blieb
er stehen und drehte sich um. Außer ihm schien niemand diese Stimme
gehört zu haben, denn alle anderen Kinder liefen weiter und
verschwanden bald im Haus. Roy stand ganz alleine im Garten.
»Racket? Bist du das?«, fragte er vorsichtig ins Dunkel.
Wie aus dem Nichts kam der Kater auf Roy zugesprungen. »Roy! Eure
königliche Hoheit! Wir müssen uns beeilen.« Dann schaute er den
Jungen mit großen Augen an. »Wisst Ihr die Lösung des Rätsels?«
»Ja, ich denke schon.«
»Jaja, bestimmt. Ihr werdet es schon wissen. Schließlich seid Ihr
ein Mitglied der königlichen Familie. Ihr seid Roy Rapperpotz«,
antwortete Racket, seiner Sache völlig sicher.
»Was ist das für eine Familie?«, fragte Roy wissbegierig. »Sind
es meine Eltern? Leben meine Eltern noch?«
»Hm. Naja. Das ist so eine Sache«, antwortete Racket verlegen.
Doch Roy wollte nun endlich mehr wissen. »Was ist das für ein
Königreich? Du musst das doch wissen.«
»Naja. Das ist so eine Sache. Ich weiß es nicht.«
»Wie meinst du das, du weißt es nicht? Du weißt doch auch, dass ich
ein Mitglied dieser königlichen Familie bin.«
»Ja, das schon. Aber in dieser Welt hier ist alles anders. Ich weiß
nur, was ich wissen muss, nicht mehr.«
»Das verstehe ich nicht.«
»Kommt mit durch das Tor und Ihr werdet alles verstehen.«
Racket verschwand wieder hinter der Hecke, und Roy beeilte sich, ihm
zu den Haselnuss-Sträuchern zu folgen. Im Pavillon legte der Kater
wieder seine Pfote auf den Stein mit dem Kreuz und schaute Roy mit
erwartungsvollen Augen an. »Seid Ihr bereit, Königliche Hoheit?«
»Ja«, erwiderte Roy, fest entschlossen, durch das Tor in diese
geheimnisvolle Welt zu gehen.
Wie am Tag zuvor ertönte die tiefe Stimme des Wächters. »Wer stört
die Ruhe des Wächters des verbotenen Tores?«
»Wir sind es, Racket und Roy Rapperpotz.«
»Ach, ihr seid es schon wieder«, antwortete der Wächter sichtlich
verärgert, erneut in seiner Ruhe gestört zu sein. »Habt ihr das
Rätsel gelöst?«
»Ich denke schon«, erwiderte Roy, nun doch etwas unsicher.
»Nun gut«, erhob der Wächter seine Stimme:
»Nenn mir den Ort, zu dem die Menschen täglich ziehn.
Nenn mir das Land, in das sie jede Nacht entfliehn,
in dem sich jeder Wunsch erfüllt,
in dem man sich mit Phantasie umhüllt.
Es bringt in alle Kinderaugen Sand.
Sag mir, was ist das für ein Land?«
Mit fester Stimme antwortete Roy dem Wächter des verbotenen Tores:
»Ich weiß, welches Land es ist. Es ist das Land der Träume.«
»Potz Blitz!«, ertönte die Stimme des Wächters. »Ja, das ist es!
Genau! Das Land der Träume.«
Racket schaute mit großen Augen zum Wächter. »Wie? Ist es so
einfach? Das Land der Träume? Das hätte ich auch gewusst.«
»Ich habe nie gesagt, dass es schwierig ist. Doch nun hinweg mit
euch. Ich habe noch andere Dinge zu tun. Aber denkt stets daran:
Wer das Land der Träume hier betrat,
wird brauchen einst des Wächters Rat …«
Die Stimme des Wächters wurde immer leiser, Roy konnte ihn kaum noch
verstehen. Auch begannen die Fugen der Mauer vor ihnen allmählich zu
verschwimmen.
»… denk gut an des Rätsels Lösung hier,
die stets in Not wird Hilfe bringen dir …«
Dann hörte Roy nichts mehr. Die Mauer vor ihm verschwand, und wie
durch einen Schleier hindurch sah er die Umrisse eines Weges, auf
den Racket bereits gesprungen war. Schnell folgte er dem Kater in
diese neue phantastische Welt, die er schon so oft in seinen Träumen
gesehen, aber nie zuvor verstanden hatte.
Kaum waren sie durch das Tor gegangen, da verwandelte sich Racket in
einen Jungen, etwas kleiner noch als Roy, mit schwarzen Haaren und
lustigen runden braunen Augen, die vor Freude strahlten, endlich
wieder zu Hause zu sein. Er sprang lauthals singend in die Luft und
ruderte mit seinen Armen, als ob er gleich abheben und in die
Wolken fliegen wollte.
Neugierig schaute sich Roy um. Sie standen auf einem steinernen Weg
mit herrlich blühenden Ebereschen zu beiden Seiten. Die Luft duftete
nach Frühling und Sonne. Weite Wiesen mit wunderschönen Blumen, die
lustig in einer sanften Brise hin- und herschwankten und miteinander
spielten, erstreckten sich bis zum Horizont.
Racket ruderte noch immer mit den Armen, doch sprang er jetzt immer
höher in die Luft, so, als ob er die kleinen tanzenden Wolken über
ihm einfangen wollte. Roy konnte es kaum glauben – eine der Wolken
kam tatsächlich zu ihm herunter, so dass Racket sie sogar berühren
konnte. Sobald diese kleine Wolke seine Finger spürte, kam sie ganz
zu ihm herab und begann sich zu strecken und zu recken und verformte
sich schließlich in eine wunderschöne Kutsche, mit Rädern aus
plauschigen Wolken und wohlig weich aussehenden breiten Sitzen.
Diese Kutsche – nun ja, diese verwandelte Wolke in Gestalt einer
Kutsche – schwebte vor ihnen auf dem Weg und wartete nur darauf, sie
durch dieses Meer der Phantasie, durch diese wunderbare Traumwelt zu
tragen. Es war ein wunderschöner Tag, und Roy konnte gar nicht genug
von dieser neuen Welt sehen.
Nur hinten, weit weg in der Ferne, war eine Wolke, die anders als
all die anderen war, die dunkel und finster erschien, jedoch so weit
weg war, dass keiner der beiden Jungen sie beachtete.
Racket war noch immer völlig außer sich. »Roy, wir haben es
geschafft! Wir sind wieder zu Hause. Jetzt wird alles gut.«
»Wo sind wir hier?«, fragte Roy verwirrt. »Irgendwie kommt es mir
bekannt vor. Doch ich kann mich nicht erinnern.«
»Wie? Ihr wisst immer noch nicht, wo wir sind?«, fragte Racket
erstaunt.
»Nein.«
»Wie kann das sein? Wir sind doch zu Hause. Roy, das ist unser Land,
das ist Traumania. Erkennt Ihr es denn nicht?«
Roy schüttelte traurig den Kopf. »Ich weiß es nicht mehr.«
Racket fasste Roy am Ärmel und zog ihn zu der Kutsche. »Es ist
noch schlimmer geworden als zuvor. Selbst jetzt erinnert Ihr Euch
nicht. Wir müssen sofort zu Guckifix.«
»Guckifix?«
»Ja, Guckifix, unser Orakel. Den kennt Ihr auch nicht?«
»Nein«, antwortete Roy traurig.
»Aber den kennt doch jeder hier. Er ist unser Orakel. Ihr müsst ihn
doch kennen!«
Racket konnte nicht glauben, dass Roy alles vergessen haben sollte.
»Tut mir Leid, Racket. Ich kenne ihn nicht.«
Nachdenklich schüttelte Racket seinen Kopf. »Also gut. Kommt mit!«
Er machte sich nun ernsthaft Sorgen. Roy hatte wirklich alles
vergessen. Er konnte sich an nichts mehr erinnern. Schnell stiegen
sie in die Kutsche, der Racket befahl, sie zu Guckifix zu bringen.
Sie flogen den steinigen Weg entlang, vorbei an den zahlreichen
Ebereschen, über riesige wunderschöne Wiesen, mit Blumen, die Roy
noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte. Und die Blumen
lächelten ihnen freundlich zu und tanzten in der Sonne, die ihre
herrlichen Farben zum Leuchten brachte, und Roy meinte zu hören, wie
sie tuschelten, wenn ihre Kutsche ab und zu in ihre Nähe kam.
»Sieh nur, das ist Roy Rapperpotz. Siehst du diese schwarze
Strähne?«
»Ja, er ist es.«
»Wirklich?«
»Ja, er ist es wirklich.«
»Ah. Roy Rapperpotz.«
»Er wird den Regen besiegen.«
»Meinst du? Ob er es schaffen wird?«
»Ja, er wird es schaffen, ganz sicher.«
Roy verstand nicht, was die Blumen meinten, noch nicht, und so sah
er gebannt nach unten, als die Kutsche nun auf ein riesiges Meer
hinausflog und vor ihnen plötzlich eine Insel auftauchte. Auf dieser
Insel spie ein einsamer Drachen Feuer, obwohl weit und breit niemand
zu sehen war.
»Ah, da ist ja Dragon, unser guter alter Dragon«, rief Racket
erfreut, den Drachen zu sehen. »Was ist denn mit ihm?«, fragte er
dann mehr sich selbst als Roy. »Er ist ja ganz aufgeregt. Was hat er
denn nur? Sonst ist er ganz friedlich, glaubt mir, Eure Königliche
Hoheit.«
Roy nickte, und sie flogen weiter über das Wasser, bis sie ein
großes Segelschiff, einen Dreimaster, erblickten. Auf dem Bug stand
ein Mann, der nachdenklich in die Ferne schaute.
»Wer ist das?«, wollte Roy wissen.
»Das ist Kolumbus«, antwortete ihm Racket bereitwillig.
Obwohl sich Roy ganz genau an die Geschichtsstunden in St. Jones und
auch an den Namen Christopher Kolumbus erinnern konnte, fi el ihm
doch jetzt einfach nichts weiter dazu ein.
»Wer ist Kolumbus?«, fragte er deshalb Racket.
»Kolumbus ist ein Mann mit großen, wunderbaren Träumen. Er fährt
über das weite Meer, um einen neuen Seeweg nach Indien zu finden.
Nur die besten Schüler dürfen ihm seine Träume bringen.«
Fasziniert blickte Roy dem Schiff und dem Mann hinterher, bis sie
langsam am Horizont verschwanden. »Aber wie kommt er denn hierher,
auf dieses Meer? Führt dieser Weg denn nach Indien?«, fragte er dann
sehr verwundert.
»Nein«, schmunzelte Racket. »Er träumt es nur. In der richtigen Welt
dort draußen schläft er gerade, so dass er in unserer Welt träumen
kann.«
»Aha«, sagte Roy beeindruckt. »Dann ist das nur ein Traum.«
Und schon flogen sie weiter über die Küste dieses riesigen Meeres
ins Landesinnere, zu einem weiten Wald mit mächtigen Buchen und
Eichen, und Roy konnte zwischen all diesen majestätischen Bäumen
sogar einige besonders große Haselnuss-Sträucher erkennen, solche,
wie er sie auch hinter der Hecke des Waisenhauses St. Jones gesehen
hatte. Die Blätter der alten Buchen und Eichen waren eben noch grün,
im nächsten Augenblick erstrahlten sie jedoch in den prächtigsten
Farben des Herbstes, bis schließlich die Bäume alle ihre Blätter
abwarfen, um wenige Augenblicke später erneut zu grünen.
Roy beobachtete fasziniert, wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter
sich in atemberaubender Weise binnen Sekunden ablösten, als durch
die kahlen Bäume direkt vor ihnen plötzlich ein mächtiger
Kopf emporragte und in die Ferne schaute.
»Der Riese Arba!«, rief Racket bestürzt, und Roy konnte sich kaum
noch festhalten, als die Kutsche auch schon in die Höhe schoss, um
nicht mit dem Riesen zusammenzustoßen. Schnell erholten sich die
Jungen aber wieder von dem Schreck und schwebten nun langsam über
dem Kopf des Riesen Arba, so dass sie ihn aus sicherer Entfernung
beobachten konnten.
»Da haben wir ja noch mal Glück gehabt, Eure Königliche Hoheit«,
sagte Racket stöhnend. »Der Riese Arba ist ein ziemlich
schrecklicher Geselle, wisst Ihr. Schaut nur diese Narbe auf seiner
Wange, wie entsetzlich sie aussieht. Er hat uns Gott sei Dank nicht
bemerkt«, fügte er erleichtert hinzu. »Wisst Ihr, er ist der größte
Riese aller Anakiter.«
In der Tat sah dieser Riese namens Arba sehr furchteinflößend und
kriegerisch aus. Seine starken Arme schienen all die Bäume um ihn
herum mit Leichtigkeit ausreißen zu können, und auf seinem kräftigen
Hals saß ein riesenhafter Kopf mit zerzausten, tiefschwarzen Haaren
und einem Mund, in dem Racket und Roy ganz sicher hineingepasst
hätten. Wenn alle Riesen, die Racket Anakiter nannte, so aussahen,
dann hatte Roy nicht die geringste Lust, auch nur einen von ihnen
näher kennen zu lernen. Doch Arba war jetzt ganz und gar nicht böse.
Er stand einfach nur so da, mit müden und traurigen Augen, und
beachtete die Wolkenkutsche über sich eigentlich gar nicht.
»Die anderen sind ja auch alle da!«, rief Racket bestürzt, nachdem
die Kutsche langsam an dem Riesen Arba vorbeiflog. »Da sind ja auch
Arbas Sohn Anak und all die anderen Riesen.«
Nur mühsam konnte Roy seinen Blick von dem gewaltigen Arba losreißen
und sah nun vor sich noch weitere riesenhafte Geschöpfe auf dem
Waldboden sitzen, die wie Arba irgendwo ins Nichts starrten.
»Normalerweise sitzen die Riesen nicht so ruhig und friedlich da«,
grübelte Racket. »Normalerweise darf man ihnen kein Stück zu nahe
kommen. Irgendetwas scheint nicht ganz in Ordnung zu sein mit diesen
Anakiten. Hm … oh, mein Gott. Ich sehe es. Das gibt’s doch nicht.
Jetzt hat es auch schon die Riesen erwischt.«
»Was?«, fragte Roy sofort. »Was hat die Riesen erwischt?«
»Oh mein Gott! Er ist es wirklich.«
»Wer ist es?«, fragte Roy noch einmal ungeduldig.
»Der schwarze Regen!«, rief Racket entsetzt. »Schaut nur. Ihre
Kleider sind ganz schwarz, und auch die Haare sind wie mit Pech
beschmiert.«
»Der schwarze Regen? Was für ein schwarzer Regen?«, fragte Roy
aufgeregt und betrachtete die Riesen noch genauer. Und tatsächlich.
All ihre Körperteile waren mit einer eigenartigen schwarzen Masse
benetzt. An einigen Stellen hatte dieser schwarze Regen sogar tiefe
Löcher eingebrannt, und auch die Haare der Riesen waren völlig durch
ihn verklebt.
»Was ist das für ein Regen?«, fragte Roy entsetzt.
Racket blickte ihm nun direkt in die Augen. »Er ist schrecklich,
Eure Hoheit. Er kommt blitzschnell und bringt nur Unheil. Und
nachdem er ebenso schnell wieder verschwunden ist, bleibt nur noch
Chaos, nichts Gutes lässt er übrig.«
Traurig schaute Racket wieder aus der Kutsche zu den Riesen hinunter
und schüttelte nachdenklich den Kopf, so dass er Roys nächste Worte
gar nicht richtig wahrnahm.
»Was meint Ihr?«, fragte er deshalb nach.
»Woher kommt denn dieser Regen, Racket? Bist du ihm schon einmal
begegnet?«, wiederholte Roy seine Frage.
»Ehhh«, begann Racket zu stottern. »Eigentlich nicht so richtig. Ich
habe nur meine Eltern davon reden hören. Er war auch nicht so häufig
bisher, wisst Ihr. Er ist erst vor ein paar Jahren ganz am Rande
unseres Landes erschienen. Aber jetzt scheint er ja überall zu sein.
Ich verstehe das nicht.« Wieder schüttelte er seinen Kopf und
schaute nach unten.
»Weißt du denn, woher dieser Regen kommt?«, fragte Roy weiter.
»Eh. Nein. Niemand weiß es. Vielleicht weiß es ja unser Orakel Guuu
…«
Doch noch bevor Racket zu Ende reden konnte, flog die Kutsche mitten
auf einen Berg zu, und Roy und Racket fingen vor Schreck sofort an
laut zu schreien. Jeder von ihnen glaubte bereits an der Felsenwand
zu zerschellen, als sich im letzten Moment der Fels öffnete und ein
langer Tunnel sichtbar wurde. Sobald sie in ihn hineinflogen, wurde
es stockfinster, und Roy spürte die Kälte des Felsens um sich herum.
Er konnte nichts mehr sehen. Die beiden rasten durch den Felsen und
schrien dabei immer noch lauthals ins Dunkle. Genauso plötzlich
erschien jedoch ein gleißendes Licht am Ende des Tunnels, und die
Kutsche schoss wieder aus dem Berg heraus, mitten auf eine Lichtung.
Dort, zwischen all den Gipfeln, war es ruhig und friedlich. Die
Kutsche hielt auf einem Weg, der zu einem seltsamen Gebilde führte,
und begann sich wieder in lauter kleine Wölkchen aufzulösen. Roy und
Racket mussten schnell hinausspringen, um nicht auf den Hosenboden
zu fallen.
Racket schien nun genau zu wissen, wo es hinging und lief munter den
Weg entlang. »Kommt schon, Roy! Wir müssen dort hinauf.«
Roy folgte ihm schnell, und zusammen gingen sie mit vielen kleinen
Wolken zwischen ihren Füßen zu jenem eigenartigen Gebilde, das, je
näher sie kamen, einer riesigen Uhr immer ähnlicher wurde. Doch
konnte Roy keine Zeit ablesen, denn seltsamerweise war nirgendwo ein
Zeiger zu entdecken.
»Was ist das für eine seltsame Uhr, an der man keine Zeit ablesen
kann?«, fragte er deshalb Racket.
»Das ist die Uhr des Guckifix«, lautete die Antwort. »Die einzige
Uhr im ganzen Land der Träume. Sie zeigt keine Zeit an, weil für
jeden in seinen Träumen die Zeit anders verläuft. Für den einen
schneller, für den anderen langsamer. Hattet Ihr noch nie dieses
Gefühl beim Träumen?«
»Doch, irgendwie schon«, musste Roy zugeben. »Aber wozu nützt eine
Uhr, wenn man keine Zeit darauf ablesen kann?«
»Nur Guckifix kann an dieser Uhr die Zeit lesen. Er ist unser
Orakel. Nur er kann es«, antwortete Racket ernst.
Sie waren schon fast an der großen Uhr angekommen, als plötzlich
eine leise, quiekende Stimme ertönte. »Au! Du Tollpatsch! Pass doch
auf, wo du hintrittst!«
Roy sprang erschrocken zur Seite.
»Könnt ihr denn nicht aufpassen, wo ihr langgeht mit euren großen
Latschen!«
Es war eine dieser kleinen Wolken, durch die Roy nichts ahnend
hindurchgetreten war, so wie vorher auch durch all die anderen, in
die sich ihre Kutsche aufgelöst hatte. Aber dieses kleine Wölkchen
hier war anders.
»Entschuldige bitte, ich wusste nicht, dass ich dir wehtue«, bat Roy
um Verzeihung.
»Papperlapapp, Entschuldigung«, entrüstete sich das Wölkchen. »Ist
das vielleicht eine Art, durchs Leben zu gehen? Mach doch deine
Augen auf! Was wollt ihr eigentlich hier?«
»Wir suchen Guckifix. Weißt du, wo er ist?«
»Was wollt ihr denn von ihm? Ihr Dreikäsehochs.«
»Das geht dich gar nichts an«, antwortete Racket dem seltsamen
Wölkchen nun auch frech.
»Oh, ihr wollt mir nicht sagen, was ihr von ihm wollt? Bitte sehr.
Ihr Geheimniskrämer. Dann könnt ihr lange suchen. Von mir jedenfalls
werdet ihr nichts erfahren.«
Aus dem Inneren der Uhr ertönte eine freundliche, jedoch auch
strenge Stimme.
»Schluss jetzt, Schössel. Lass die Jungen rein.«
Widerwillig öffnete das Wölkchen mit dem Namen Schössel die Tür zur
Uhr und babbelte dabei missgelaunt vor sich hin.
»Diese Lümmel wollen mir nicht sagen, was sie wollen. Diese
Dreikäsehochs. Denen werde ich’s noch zeigen.«
Als Roy die Uhr betrat, wurde der Innenraum größer und größer, und
bald standen sie in einem gemütlichen und geräumigen Zimmer. Von
jeder Seite kamen Geräusche tickender Instrumente und sich drehender
Zahnräder. Ganz hinten in dem Zimmer stand eine große Waage, an der
ein alter schlanker Mann eifrig bemüht war, glitzernde Sterne von
einer Schale auf die andere zu schütten. Er stand mit dem Rücken zu
den beiden Jungs, und dennoch konnten sie seinen langen weißen Bart
sehen, der fast bis zum Boden reichte.
»Komm herein, Roy Rapperpotz«, befahl er, ohne sich dabei
umzudrehen. »Ich habe schon auf dich gewartet. Morella sagte mir,
dass du bald kommen würdest.«
»Sie kennen Morella?«, fragte Roy erstaunt.
»Oh ja, natürlich kenne ich sie. Und du wirst sie auch bald wieder
sehen. Aber setz dich doch. Dein Freund Racket soll sich auch
hinsetzen. Ich komme gleich zu euch.«
Racket und Roy setzten sich auf eine Bank, doch Racket blieb nicht
ruhig sitzen, sondern rutschte verlegen hin und her. Schließlich
konnte er nicht länger an sich halten.
»Meister Guckifix, ich habe Roy Rapperpotz hierher geholt, zurück
nach Traumania, so wie Ihr es mir aufgetragen habt. Aber wir haben
ein Problem. Er kann sich an nichts erinnern.«
Ohne von seiner Arbeit abzulassen, beruhigte ihn Guckifix wieder.
»Ich weiß, mein junger Freund. Es ist nicht deine Schuld, dass er
sich an nichts erinnern kann. Es ist dieser Regen.«
Guckifix hatte nun wohl genug Sterne auf die Waage gelegt, denn sie
bewegte sich nicht mehr. Zufrieden drehte er sich zu den beiden
Jungen um und kniete vor Roy nieder.
»Weißt du, wer du bist?«, fragte er mit sanfter Stimme.
Roy antwortete traurig. »Nein. Ich wohne im Waisenhaus St. Jones,
weil meine Eltern tot sind. Ich weiß nicht, wer sie waren. Ich weiß
nicht, wer ich bin.«
»Weißt du, wo du bist?«, fragte Guckifix weiter.
»Im Land der Träume?«, meinte Roy vorsichtig.
»Ja, im großen Land der Träume, in Traumania«, erwiderte Guckifix.
»In unserem Land, das viele Königreiche und unzählige Landteile
besitzt. Und eines davon, ein ganz besonderes Königreich, ist dein
Zuhause, ist das Königreich der Familie Rapperpotz, deiner Familie.«
»Aber warum weiß ich dann nichts davon? Nichts von meiner Familie,
nichts von meinen Eltern«, fragte Roy sehr aufgeregt.
»Es begann vor einiger Zeit, mein Junge. Im Grunde ist es noch gar
nicht so lange her, da kam ein fürchterlicher schwarzer Regen über
die Grenzen unseres Landes. Seit jener Zeit zerstört er die Träume,
die wir den Menschen schicken. Niemand weiß, woher er kommt, und
niemand weiß warum.«
Guckifix sah Roy mit ernsten Augen an.
»Auch dein Vater schickte seine besten Männer gegen diesen Regen,
doch alle, die ihn erreichten, vergaßen, was sie tun sollten,
vergaßen alles um sich herum und vergaßen schließlich sogar sich
selbst. Der Regen kommt blitzschnell und geht auch genauso schnell
wieder. Eines Tages kam dieser schreckliche Regen auch in dein
Königreich, in das Königreich Rapperpotz. Er kam über die Mauern in
den königlichen Garten, und du, mein Junge, bist hineingeraten, und
alle deine Erinnerungen begannen zu schwinden. Fast wärst du
verloren gewesen wie all die anderen. Weißt du Roy …«
Guckifix berührte sanft das Haar des Jungen.
»… diese Strähne in deinem Haar hast du seit jenem Tag. Der Regen
hat die Farbe und alle Erinnerungen herausgewaschen. Doch deine
Eltern haben dich gefunden, bevor es zu spät war und brachten dich
in jene Welt dort draußen. Sie wollten dich vor dem schwarzen Regen
verstecken, bis die Zeit gekommen ist, sich ihm entgegenzustellen.
Und diese Zeit ist jetzt gekommen, mein Junge.«
»Wo sind meine Eltern jetzt? Leben sie noch?«, fragte Roy, begierig,
mehr über seine Familie zu erfahren.
Guckifix nickte mit seinem weißen Haupt. »Ja, sie leben.«
Roys Augen begannen zu strahlen vor Glück. »Wo sind sie?«, fragte er
begierig nach.
»Sie sind noch immer in der anderen Welt. Doch je länger sie weg
sind aus unserem Land, umso mehr vergessen sie, und umso leichter
hat es der Regen, alle verbleibenden Erinnerungen zu verwischen. Du
musst dich beeilen, um sie zu retten.«
»Aber wie soll ich das tun?«
»Du musst den heiligen Somnel finden. Nur dann kannst du den Regen
besiegen. Nur dann kannst du deine Eltern retten.«
»Was ist denn der heilige Somnel?«
Roy hatte noch nie etwas davon gehört und Racket anscheinend auch
nicht, denn er zuckte nur mit den Schultern, als Roy ihn anschaute.
Gespannt hörten sie Guckifix weiter zu.
»Der heilige Somnel ist der glitzerndste und schillerndste Traum,
den es in unserem Land gibt. Er ist es, wonach sich alle Menschen
sehnen. Seine Macht kann alles und jeden besiegen.«
»Aber wo fi nde ich denn diesen Somnel?«, fragte Roy aufgeregt.
»Ich weiß es nicht, mein Junge. Satolex ist der Hüter des heiligen
Somnel. Zu ihm musst du in deinen Träumen finden, ihn wirst du
sehen, wenn dein Herz rein ist und dein Geist klar, wenn du den
Menschen ihre Träume wieder zurückbringen kannst. Nur so wirst du
Satolex und den heiligen Somnel finden.«
»Aber wie soll ich den Menschen ihre Träume zurückbringen? Ich weiß
nicht, wie das geht.«
Guckifix schüttelte nachdenklich sein weißes Haupt. »Dann musst du
es lernen. Und du musst dich beeilen, Roy.«
»Aber wie soll ich es lernen und wo? Ich verstehe doch nichts
davon.«
»Es gibt noch eine einzige Schule. Nur sie wurde verschont. Bis zu
ihr konnte der schwarze Regen noch nicht vordringen. Es ist eine
ganz besondere Schule. Es ist die Schule Rapperpotz.«
»Aber das ist ja …«, fi el Roy dem Alten ins Wort.
»Ja, Roy. Du trägst den gleichen Namen wie diese Schule. Dort musst
du hin und lernen. Du musst dich beeilen. Du hast nicht mehr viel
Zeit.«
»Wie soll ich dorthin finden? Ich weiß doch nicht, wo diese Schule
ist.«
»Schössel wird euch begleiten. Sie wird euch zeigen, wo sie ist, und
sie wird euch helfen, den Somnel zu finden.«
»Was, ich? Wieso ich?«, empörte sich Schössel von der Seite. »Wieso
muss ich denn mit, mit diesen zwei halben Portionen?«
»Sie werden deine Hilfe brauchen, Schössel. Also benimm dich.«
»Die werden es doch nie schaffen. Ich will nicht mit. Ich will
lieber hier bleiben.«
»Du gehst mit. Keine Widerrede.« Guckifix wandte sich an Roy und
Racket. »Jetzt legt euch hin und schlaft. Ihr habt morgen einen
weiten Weg vor euch.«
Widerwillig flog Schössel hinter eines der großen Zahnräder und
schloss die Augen. »Immer muss ich den Karren aus dem Dreck ziehen.
Warum nur immer ich?«
Doch Roy hörte sie schon gar nicht mehr. Zu aufregend war dieser
Tag, und zu müde war er jetzt. Doch nun hatte er endlich etwas über
seine Eltern und über sich selbst erfahren. Und voller Erwartungen
an den nächsten Tag schlief Roy neben Racket in dem großen
Himmelbett ein, das Guckifix auf dem Boden der Uhr für sie
aufgestellt hatte.
Himmlische Fehler
von Bittersweet
Eines Tages, als der kleine Engel Michael wieder einmal laut
rufend von Wolke zu Wolke flog um eine Sternschnuppe zu fangen und
dabei etliche andere Himmelsbewohner aus dem Weg stieß, eilte
plötzlich Petrus mit einem solchen Tempo herbei, dass die Schlüssel
an seinem Gewand nur so klirrten.
"Michael!," donnerte er. "Wann wirst du es endlich verstehen? Du
musst Rücksicht auf die anderen nehmen! Schließlich arbeitet jeder
hier. Die Weihnachtsengel backen Lebkuchen, die Heilengel helfen den
Kranken die Schutzengel achten auf die ihnen anbefohlenen Menschen
und die anderen, die wie du erst Engelanwärter sind, lernen für ihre
Prüfungen. Nur du treibst deinen Schabernack und verärgerst die
anderen. So wirst du deinen Heiligenschein nie bekommen!"
Sichtlich eingeschüchtert trat der kleine Engel von einem Fuß auf
den anderen und sah schuldbewusst zu Boden.
"Es tut mir leid!," murmelte er verlegen.
"Nun, ich weiß nicht, ob das genügt," erwiderte Petrus ernst. "Ich
werde wohl mit den Oberengeln über diese Sache beraten müssen."
Mit diesen Worten flog Petrus davon und lies einen kleinlauten
Michael zurück.
Am Abend schließlich kam einer der kleineren Engelanwärter zu
Michael geflogen und rief ganz außer Atem : "Endlich habe ich dich
gefunden. Du sollst zu Petrus kommen. Wolke 23. Und beeil dich!"
Mit einem mulmigen Gefühl folgte der kleine Engel dem Befehl und
stand so schließlich Petrus und den Oberengeln gegenüber.
"Michael," begann Petrus ernst, "Wir haben uns beraten und sind zu
dem Beschluss gekommen, dass du den Heiligenschein erst dann
erhalten wirst, wenn du dich als würdig erwiesen hast, ein Engel zu
sein.
XYZ, der oberste Weihnachtsengel wird dich als erstes mit in die
Lebkuchenbäckerei nehmen, wo du dann deine Fähigkeiten beweisen
kannst."
Freudig überrascht über die unerwartete weitere Chance nickte der
kleine Engel strahlend und flog XYZ hinterher.
Bestrebt, alles richtig zu machen, eilte Michael geschäftig den
ganzen Morgen herum, holte dies und brachte jenes.
Gegen Mittag rief ein Engel, der kaum älter war als Michael selbst
und den Heiligenschein also auch noch nicht lange besaß nach Michael
und bat ihn, ihm den Zucker für die Mandelprinten zu bringen.
Schnell entdeckte der kleine Engel einen Behälter mit weißem Inhalt
und gab ihn an den Engel weiter.
Doch schon kurze Zeit später hörte er empörtes Geschrei und flog
sofort zum Ort des Geschehens.
XYZ, der Oberengel der Weihnachtengel hatte gerade eine der
Mandelprinten probiert und starrte Michael jetzt wütend an.
Der vermeintliche Zucker war kein Zucker, sondern Salz gewesen und
hatte die ganzen Mandelprinten verdorben.
Entsetzt schlug der kleine Engel die Hände vor die Augen, denn XYZ
kam drohend auf ihn zu.
"Wenn du nicht besser aufpassen kannst, können wir dich hier nicht
brauchen," sagte er wütend. "Geh! Vielleicht können die Heilengel
dich brauchen."
Mit hängenden Schultern flog der kleine Engel weiter.
Schwester Sonne, Bruder Mond
von Doktor Cookto
Als die Erde und der Himmel noch selbst sehr jung waren. Als noch
kein anderes Lebewesen hier zu verzeichnen war. Verliebten sich der
Himmel und
die Erde ineinander.
Die Erde liebte das strahlende Blau des Himmels und die ruhig dahin
ziehenden Wolken, die sie immer wieder zum träumen verleitete. Der
Himmel
genoss das Bild der Wiesen, Wälder und Berge der Erde und war
fasszieniert von den grossen Ozeanen mit den hohen Wellen. Er liebte
die schneebedeckten
Berge und und die Flüsse die sich von Ihnen aus durch die grünen
Wiesen und Täler zum Meer hin zogen.
Die Schwester des Himmels, die Nacht, mit ihren Sternenkindern und
Wolken des Himmels, freute sich über das gut zusammenpassende Paar
und lies einige
ihrer Kinder, wenn sie alt genug waren, auf die Erde springen um
dort als neue Lebewesen zu entstehen. Einige wurden zu Vögeln,
andere zu Tieren.
Einige stürzten ins Meer und wurden zu Fischen oder Walen. So füllte
sich die Erde und der Himmel mehr und mehr mit Leben. Die Liebe
zwischen Himmel
und Erde festigte sich, je mehr Leben sich auf ihnen tummelte.
Aus dieser Liebe entstanden nach Gezeiten zwei Kinder, die Sonne und
der Mond. Beide so verschieden, liebten einander doch so innig wie
es ihre
Eltern taten. Sie spielten in den Auen und Wäldern mit den Tieren
der Erde oder flogen mit den Vögeln und den Wolken am Himmel und
manches mal stoben
sie durch die Schatten der Nacht und jagten die Sternenkinder durch
die Wolken. Abends legten sie sich Müde vom Toben in den Bergen zum
schlafen
nieder.
Dann geschah es, das zwei Sternenkinder gleichzeitig zur Erde
sprangen. Es entstanden Mensch und Engel. Nach einiger Zeit, waren
weite Teile der Erde
mit Gruppen von Menschen besiedelt und auch die Zahl der Engel war
grösser geworden. Die Menschen erfreuten sich an den warmen
Sonnenstrahlen und waren
belustigt über die Spielchen des Mondes, wenn er zu- und abnahm. Die
Engel jedoch mochten die Sonne nicht und versteckten sich in den
kühlen Wolken. Zu
oft hatten sie sich ihre empfindlichen Flügel schon an den strahlen
der Sonne verbrannt.
So kamen sie nur ganz selten bei Nacht heraus und dann auch nur
für sehr kurze Zeit. So gerieten sie mehr und mehr in Vergessenheit,
bis nicht einmal
Himmel und Erde noch von Ihnen wussten. Die Nacht, jedoch fühlte
sich Einsamer denn je. Wenn sie kam, schien das Leben zum Stillstand
zu kommen schien. Ihre eigenen Kinder, die einst Sterne waren,
legten sich schlafen und auch die Blumen schlossen ihre
Farbenprächtigen Kelche. Und sie neidete Himmel und Erde das Glück
über das Leben, das sie hervorriefen. Eher selten kamen Schwester
Sonne und Bruder Mond die Nacht besuchen, blieben nur kurz, da die
strahlende Sonne das glitzern der Sternenkinder nicht mochte und der
Mantel der Nacht zu kalt und schwarz war. Sie liebte die vollen
Farben der Wälder, Wiesen und Meere und
das tummelnde Leben das in ihnen wohnte und mit ihrem Bruder Mond
herum zu toben.
Himmel und Erde merkten den Neid der Nacht und verboten ihren
Kindern aus Angst, es könnte etwas schlimmes passieren, Beiden, je
wieder die Nacht zu
besuchen.Die Nacht fühlte sich verraten und verbot ihren
Sternenkindern fortan auf die Erde zu fallen und so gerieten Erde,
Himmel und Nacht mehr
und mehr in Streit. Auch die Sternenkinder und Schwester Sonne
mischten mit. Die Menschen, Tiere, Fische und Vögel verkrochen sich
tief in ihren
Behausungen und ängstigten sich zusehends. Lange ging der Streit hin
und her und wurde heftiger und erbitterter. Einzig der Mond, traurig
über die
Unstimmigkeiten wegen ihm und seiner Schwester, setzte sich auf eine
Bergspitze und hörte nur zu und dachte nach.
Nach Zeiten langen Streitens, herrschte plötzlich Stille. Himmel,
Sterne, Sonne, Nacht und Erde redeten nicht mehr miteinander und
untereinander. Aber
auch die Menschen, Tiere und Fische blieben in ihren Verstecken, aus
Angst, all das könne von vorne losgehen, wenn sie wieder
hervorkamen. So vergingen
ein Jahre der Stille.
Eines Nachts jedoch, in einem unbeobachteten Augenblick, kletterte
der älteste Engel aus seiner Wolke, breitete seine mächtigen Flügel
aus und
stieg empor zum hellsten der Sternenkinder. Leise flüsterte er ihm
etwas ins Ohr und das Sternenkind lies sich ins feuchte Gras der
Erde fallen. An der
Stelle, wo sein Licht erloschen war, vernahm man ein Geräusch, das
bis dahin noch nie vernommen wurde. Ein leises Zirpen, die erste
Grille war geboren.
Als der Mond wieder auf seine Bergspitze setzte und darüber
grübelte, wie er es wieder schaffen könne, das alles so wurde wie
früher. Ruhig und
friedlich, voller Harmonie und Leben, merkte er nicht einmal wie es
Abend wurde und die Nacht kam. Er vernahm plötzlich das leise
zirpende Geräusch.
Neugierig hielt er ausschau, welches Tier den wohl dieses Geräusch
von sich geben könne. Doch er konnte in der Dunkelheit der Nacht
nichts erkennen. Als
er aufblickte, sah er den tiefschwarzen Mantel der Nacht, mit ihren
Millionen von Sternenkindern und er begann, empor zu steigen, um mit
ihnen
zu reden. Zum ersten Mal in seinem Leben, war er ohne das helle
Licht seiner Schwester hier. Doch auch sein silbernes Licht reichte,
um das Land etwas zu
erhellen und einen leichten kaum wahrnehmbaren Schatten zu werfen.
Er war fast bei der Nacht, als er aus den Wolken etwas kommen sah.
Überall
kletterten sie heraus und reckten ihre Arme, Beine und Flügel vom
langen Schlaf. Die Engel waren erwacht. Ein solches Licht hatten sie
noch nie
gesehen. Und so erhoben sie sich in die Lüfte und umringten
neugierig den Mond. Und auch der Mond blickte ihnen interessiert
entgegen. Solche
Geschöpfe hatte er noch nie gesehen. Er war so fassziniert, das er
stehen blieb und ihnen eine Weile sein Licht spendete.
Die Engel flogen über die Auen und Wälder und erfreuten sich,
endlich gefahrlos die Natur geniessen zu können. Angelockt von dem
silbernen Licht,
kamen auch die Tiere und Fische wieder hervor. Auch einige Vögel
erhoben sich aus den Nestern um mit den Geflügelten ihre Bahnen zu
ziehen. Und
langsam, eher zaghaft, lugten die Menschen aus ihren Hütten.
Erstaunt bewunderten sie, die neue Schönheit der Nacht und den
Engeln, die anmutig
durch die Wolken schwebten. Und der Mond beschloss bei der Nacht zu
bleiben und den Engeln, die er so liebte, Licht zu spenden. Und auch
die Sterne freuten sich über den neuen Begleiter und begannen zum
ersten Mal im Leben zu funkeln.
Aber hin und wieder, besucht der Mond auch heute noch Schwester
Sonne, Vater Himmel und Mutter Erde.
für Wunderblume
und alle die nicht an sich selbst glauben
Vom Sandmännchen vergessen
von Schreibehexe
Jeden Abend streute das Sandmännchen den Kindern Sand in die
Augen, damit sie so richtig müde wurden.
Allen, das hieß nicht nur den Kindern, sondern auch den Tieren, den
Blumen und gegen Morgen sogar den Sternen, damit sie nun auch
einschlafen konnten.
Damit war das Sandmännchen sehr beschäftigt.
Und so konnte es dann auch einmal vorkommen, daß er mal jemanden
vergaß.
Der kleine Florian wurde heute Abend gar nicht müde. Die Mutter war
schon ganz verzweifelt. Es war bereits 21.00 Uhr und Florian sprang
immer noch durch die Wohnung. Normaler weise geht er um 18.00 Uhr
nach dem Sandmännchen ins Bett und schläft auch gleich ein. Aber
heute wollte und wollte er nicht ins Bett.
Er sprach:" Da kommt gleich noch ein schöner Film im Fernsehen, den
will ich gucken."
Als der Vater von der Spätschicht nach Hause kam, lief ihm Florian
direkt in die Arme und rief:" Guck mal Papa, ich bin immer noch auf
und müde bin ich auch nicht.!"
Die Mutter kam ganz erschöpft aus dem Wohnzimmer und sagte:" Ich
weiß nicht Schatz, aber irgendwie hat das Sandmännchen unseren
Florian heute Abend vergessen. Er will einfach nicht ins Bett und
auch müde ist er nicht. Ich bin schon total übermüdet."
Der Vater nahm sich seinen Sohn Florian auf den Schoß und versprach
ihm, das er ihm gleich nach dem Essen noch eine tolle Geschichte zu
erzählen. Ihm auch ein Schlaflied vorzusingen.
Florian sprang auf und rief:" Au, ja, da freue ich mich schon
drauf."
Er lief in sein Zimmer und legte sich in sein Bettchen.
Der Vater kam auch wirklich wie versprochen in sein Zimmer. Er nahm
sich einen Stuhl und setzte sich neben das Bettchen. "Was für eine
Geschichte soll ich dir denn vorlesen?" frage er.
"Lese mir doch bitte die Geschichte von dem nimmermüden Wichtel
vor." Sagte er freudestrahlend.
Der Vater nahm das Buch und fing an zu lesen:" Es war einmal ein
kleiner Wichtel. Er wohnte in einem kleinen Dorf im Wald. Der kleine
Wichtel hieß Lurchie und wohnte in einem kleinen Fliegenpilz mit
seinen Eltern und noch 9 Geschwistern. Er ging in den
Wichtelkindergarten und kam bald in die Schule. Eines Tages kam
Lurchie aus dem Kindergarten und fing an zu erzählen was er den
ganzen Morgen im Kindergarten gemacht hatte. Die Erzählung dauerte
bis Nachmittags und hörte auch Abends noch nicht auf. Sogar beim
Essen redete er ohne einmal Luft zu holen. (Er holte natürlich Luft,
denn ohne Luft zu holen kann man nicht reden) Aber es hatte den
Anschein, das er ohne Luft zu holen sprach. Als Es
Schlafengehenszeit war. Sagte er:" Ich bin aber gar nicht müde." Und
er sprach noch weiter als seine Eltern und Geschwistern schon längst
schliefen. Das hatte er gar nicht gemerkt."
"Na, schläfst du denn schon Florian?" frage der Vater.
Aber Florian guckte ihn mit großen wachen Augen an, und rief:"
Weiterlesen, ich bin auch noch nicht müde."
Also fuhr der Vater fort:" Als der Mond sah, das der kleine Wichtel
immer noch nicht schlief, schlich er sich in sein Zimmer und setzte
sich neben sein Bettchen und sang ihm ein Schlafliedchen vor. Der
kleine Wichtel konnte seine Augen nicht mehr länger aufhalten und
schlief friedlich und lieb bis zum nächsten Morgen durch."
Der Vater fragte wieder:" Na mein Sohn bist du denn jetzt müde und
gehst lieb schlafen?"
"Nein, nein!" rief Florian, " du wolltest mir doch auch noch ein
Schlaflied vorsingen."
Der Vater stimmte ein Schlaflied an und sang was das Zeug hielt ein
Lied nach dem anderen. Aber Florian wurde und wurde nicht müde.
Dem Vater fielen schon die Augen zu und er gähnte übers ganze
Gesicht.
Die Uhr zeigte Mitternacht. Der Mond stand ganz oben am Himmel und
machte ein grimmiges Gesicht.
Der Vater sagte:" Tut mir leid Florian, aber ich gehe jetzt
schlafen. Ich bin sehr müde. Ich glaube der Sandmann hat dich heute
Abend beim verstreuen des Schlafsandes an dir vorbei geworfen,
anders kann ich mir das nicht vorstellen, das du nicht müde wirst."
Mit diesen Worten verließ der Vater das Zimmer und ging ins
Schlafzimmer, wo schon seine Frau auf ihn wartete.
Er legte sich ins Bett und schlief sofort ein.
Florian aber lag noch wach in seinem Bett. Da klopfte es an seinem
Fenster. Florian erschrak, öffnete aber das Fenster und herein kam
der große dicke Mond. Er fragte:" Na Florian, kannst du nicht
schlafen. Das passiert mir auch schon mal und dann gucke ich in die
Fenster der Leute und gucke was sie dagegen machen. Da gibt es
einige die lesen, andere hören Musik und wieder andere gucken fern.
Aber das ist alles nicht gut für die kleinem Mann. Pass mal auf ich
erzähle dir mal eine Geschichte, aus meiner Jugend. Möchtest du
das?"
Florian rief erfreut:" Oh ja gerne."
"Psst, nicht so laut," sagte der Mond leise und hielt sich dabei
den Zeigefinger vor den Mund, " sonst werden deine Eltern doch wach.
Also los geht es. Als ich noch ein kleiner unscheinbarer Mond war,
ging ich jeden Tag in den Mondkindergarten. Es war sehr schön dort
und wenn ich nach Hause kam hatte ich immer sehr viel zu erzählen,
was ich den ganzen lieben langen Morgen im Mondkindergarten so
gemacht hatte. Meine Mutter hörte mir bereitwillig zu und ich
erzählte und erzählte. Aber wenn es Essen gab mußte ich den Mund
halten und nach dem Essen durfte ich weiter erzählen. Wenn es Zeit
zum Schlafen war, sang mir mein Vater immer ein sehr schönes Lied
vor. Soll ich die das Lied auch einmal vorsingen, dabei schläfst
auch du bestimmt ein. Der Mond ist aufgegangen, die Sternlein stehen
am Himmel und glitzern so hell und klar. Die Äugelein der Kinder
sind so müd´ und schläfrig zugleich. Alos mein Kindlein schlafe ein
schlafe ein. Der liebe Gott wird über dich wachen bist du auch noch
so klein, schlafe ein, schlafe ein."
Der Mond hatte das letzte Wort des Liedchens noch nicht ganz aus
gesungen und unsder Florian schlief tief und fest in den schönsten
Träumen.
Der Mond beugte sich über ihn und gab ihm noch einen Abschiedskuß,
dann verschwand er wieder durch das Fenster an seinen Platz am
Himmel.
Autorin Claudia Jatzlau
Menschlichkeit
von JaTi
Er erhob sich aus seinem Bett, die Müdigkeit steckte noch in
seinen Gliedern aber in das unbequeme Bett wollte er auch nicht mehr
zurück. Die Morgensonne blinzelte schwach durch die von Motten
zerfressenen Gardinen. Kalter Wind pfiff zwischen das Mauerwerk. Er
fror und der leere Magen machte das dasein auch nicht schöner. Seit
Tagen grübelte er über den Sinn des Lebens. Es fiel ihm auch heut
keiner ein. Also ging er zum Wasserhahn über den ein kleiner Spiegel
angebracht war und begrüßte sich wie jeden Morgen mit dem schönsten
Lächeln und machte sich fertig für seinen Tag. Seine schwarzen mit
Silberfäden durchwirkten Haar war in Form gebracht. In seinem Anzug
ein feiner Nadelstreifen wirkte er fast seriös. Wie jeden Morgen in
der der U-Bahn laß er die aktuelle Tageszeitung notierte sich
allerlei in sein von Flecken über- sätes, mit Eselsohren drapiertes
Buch und stieg zehn Minuten später an der Endstation aus. Mit
zitternden Knien betrat er Minuten später eine mit Marmor gefliesste
Halle. Riesige Kronleuchter ragten von der Decke in dessen Kristall
sich die Sonne spiegelte die von oben durch das verglaste Dach
neugierig dem buntem treiben zusah. Ein kurzer Blick in die Türen
der Fahrstühle die so blank waren das man meinte es seien Spiegel
und mit langsamen aber festen Schritten ging er in das Treppenhaus.
Langsam erkletterte er sich Stufe für Stufe und erreichte nach
endlos erscheinenden Minuten die Etage des ersten Stockwerkes. Ein
kräftiges ziehen an der Feuerschutztür und er stand in einem mit
dicken sandfarbenen Teppich ausgelegtem Flur. In der Hoffnung
unbemerkt in das Zimmer am Ende des Flures zu kommen schlich er
leise den Gang entlang. Dort angekommen drückte er die schwere
Messingklinke herunter mit einem Fuß schon im Büro hörte er hinter
sich ein lautes, schadenfrohes "Guten Morgen, schon gefrühstückt
Herr Direktor !
Der kleine Geschichten-Frosch
von Sven forever
Es war ein kalter Abend im November. Draußen schneite es. Der
Ofen wärmte und schützte uns vor der eisigen Kälte. Wir waren von
dem langen Fußmarsch sehr müde geworden. Daher lohnte es sich nicht,
noch eine Fuhre Holz aufzulegen. Die letzten Flammen erloschen und
somit waren wir auch schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurden wir von einem Wagen geweckt, der draußen
vor unserer Hütte hielt. Der Fahrer klopfte kurz darauf heftig an
der Tür. Was würde er von uns wollen? Wir öffneten die Tür und da
stand ein großer Mann mit hell leuchtenden Augen, einem lächeln auf
den Lippen und in der Hand trug er einen in schwarze Seide
verpackten Gegenstand. "Bitte, für sie!" sagte er. Ich nahm das
Geschenk dankend an und bat ihn hinein. Er lehnte es jedoch ab, mit
der Begründung er müsse noch weiter ziehen. Er verabschiedete sich
von uns und fuhr wieder davon. Wir gingen hinein um das
geheimnisvolle verpackte Gebilde zu enthüllen. Wie sehr freuten wir
uns über das Resultat. Es war wirklich ein schönes Geschenk gewesen
- ein kleiner "Geschichten-Frosch" aus Keramik mit einem gerollten
Zettel im Maul. Was da wohl für eine Geschichte drauf stehen würde?
Wir nahmen den Zettel vorsichtig heraus und rollten Ihn auf. Ich
begann zu lesen: "Der Tag verging schnell und der Abend begann. In
der kleinen Waldhütte schien dämmeriges Licht aus den Fensterluken.
Gemütlich sah es innen aus, der Kamin brannte behaglich und draußen
schneite es. So brach die Nacht herein und der kleine Mann vom Mond
klopfte sachte an der Tür um seinen Sack Schlafsand hereinzustreuen.
Freundlich wurde ihm aufgemacht und als sie ihn baten, doch noch
eine Weile zu bleiben, bedankte er sich höflich, aber zog dann doch
weiter um auch in den anderen Waldhütten die Nacht einzuläuten."
Die Angst um Carlos
von Rothe, Inga
Fröhlich machte sich Susi auf dem Heimweg. Endlich Ferien! Ihr
Zeugnis konnte sich sehen lassen, denn es waren nur Einser und
Zweier darin. Mama hatte ihr versprochen, dass sie in den Ferien
mehr Zeit haben wollte für sie. Papa hat nächste Woche Urlaub und
dann wollten sie auch einige Tagesausflüge machen. In Urlaub fahren
war nicht drin, denn sie hatten viele Hühner, Gänse und Enten zu
Hause, die versorgt werden mußten. Susi fand es herrlich, auf einem
Hof zu wohnen, mit all dem Federvieh. Natürlich hatte Mama viel
Arbeit, aber jetzt konnte sie mithelfen und alle hatten mehr Zeit.
Freunde hatte sie kaum, denn sie wohnte ziemlich außerhalb und
keiner von denen verstand, wie man so leben konnte. Die Eltern
kauften sich lieber die Eier, während Susi fast jeden Morgen ihre
aus den Nestern holte.Gemüse, Kartoffeln, alles aus eigenem Garten.
Klar, da gab es dann auch schon mal Hähnchen, Enten oder
Gänsebraten, das war nun mal so. Meistens wurden die Tiere verkauft
und so lange sie die Tiere ohne Kopf sah, also so, wie sie auch im
Geschäft gekauft werden, machte ihr das nicht viel aus. Einfach
nicht daran denken, dachte sie.
Ihr gehörte Carlos, ein wunderschöner Hahn. Sie hatte miterlebt, als
er aus seinem Ei schlüpfte und seit dem gehört er einfach zu Susi.
Wenn sie in die Schule geht, muß er eingesperrt werden, sonst läuft
er ihr auch dahin nach. Papa sagte schon immer zu ihr, sie sei die
Hühnersusi, aber das meinte er scherzhaft. In der Schule wurde sie
nur Ökosusi genannt, aber das machte ihr nichts aus.Endlich sah sie
ihren Hof. Es war ein heißer Tag, so wie er im Juli sein sollte,
durch die Bäume war sie etwas vor der Sonne geschützt. Die meiste
Strecke führte an einem Wald vorbei und wenn man die Anhöhe erreicht
hatte, lag vor einem ein Tal, mit grünen Wiesen und Weiden. Susi
begrüßte zuerst die Pferde, von Bauer Brune, dann die Kühe vom Bauer
Lennert. Es war, als würde die Tiere schon auf sie warten.Gerne
hätte sie auch Kühe und Pferde gehabt, aber das wäre zu viel Arbeit
für Mama gewesen, denn alleine von Ackerbau und Viehzucht zu leben,
lohnt nicht mehr, meinte der Papa.Früher gehörte das ganze Land
ihren Opa. aber auch der hatte es sehr schwer. Nach seinem Tod zogen
sie hier ein. Die Weiden wurden verpachtet und es blieb nur noch das
Federvieh übrig.Das ist nun schon fünf Jahre her, Susi erinnerte
sich, sie feierte hier ihren 6. Geburtstag.Am Wegesrand standen
Mohnblumen, Susi band einen Strauß und lief schnell noch die paar
Meter bis zum Haus."Da bist du ja, meine Große." begrüßte sie die
Mutter.Susi hielt ihr den Blumenstrauß und ihr Zeugnis entgegen.
Stolz umarmte Frau Franz ihre Tochter. Ja, wie groß sie doch schon
geworden ist, ihr kleiner Wirbelwind von einst. Kaum hatte Susi ihre
Schultasche abgelegt, hörte sie auch schon Carlos krähen.Schnell
befreite sie den Hahn aus seinem Stall, der nun glücklich um sie
herum gackerte."Ich weiß auch nicht, was der heute hat, den ganzen
Tag kräht er schon. Das wird immer schlimmer. Langsam könnte er sich
ja auch einmal um seine Hühnerdamen kümmern, aber die scheinen ihm
nicht zu interessieren." lachte die Mama, als sie das sah.Nach dem
Mittagessen wurde schnell wieder alles abgespült und Susi machte mit
ihrer Mutter einen Spaziergang. Carlos folgte den Beiden brav wie
ein Hund."Ach Mama", sagte plötzlich Susi, "wir haben es doch
wirklich schön. Schau nur diese tolle Gegend, es riecht nach
Natur.""Ja mein Kind, du bist genauso naturverbunden wie ich.
Niemals könnte ich in der Stadt wohnen und dein Vater auch
nicht."Susi nahm Mamas Hand und sie schlenderten langsam
zurück.Irgend etwas stimmte heute nicht, denn man hörte die Hühner
gar nicht gackern, wie sonst, wenn man den Hof betritt.Carlos flog
auf einem Zaunpfahl und krähte, als wolle er auch sagen, hier ist
etwas nicht in Ordnung.In diesem Augenblick kam auch schon
Susis Vater von der Arbeit."Oh je,"sagte die Mutter, wir haben uns
richtig verplaudert. Ich muß Papa schnell das Essen wärmen. Schaut
ihr doch gleich mal nach den Hühnern, vielleicht ist es aber auch
nur die Hitze."Susi brauchte dem Vater nichts zu sagen, denn dem
fiel sofort auf, das es stiller war als sonst.Als sie auf der
Hühnerwiese ankamen, sahen sie einige Hühner in einer Ecke gekauert.
Es schien, als bekämen sie keine Luft.Entsetzt sah Susi ihren Vater
an. "Heute Morgen ging es ihnen noch gut, was kann das denn
sein?""Ich weiß es nicht, aber ich werde sofort den Tierarzt
verständigen." meinte er und ging schnell ins Haus.Ängstlich folgte
Susi ihm. Carlos flog von dem Pfahl herunter und setzte sich vor die
Haustür.Mama schaute sorgenvoll auf Susi und es schien, als würde
sie beten."Der Tierarzt kommt sofort und ich hoffe, es ist nicht die
Hühnerpest." sagte der Vater und setzte sich erst einmal hin."Oh
Gott, ich habe es heute Morgen erst wieder im Radio gehört, in
Kevelar soll es auch einen Fall geben." antwortete die Mutter."Mama,
was ist das? Was ist los?" wollte nun Susi wissen und sie hatte
plötzlich wahnsinnige Angst. Hühnerpest, Carlos ist doch auch ein
Huhn. Schon klingelte es und die Tierarzt war da.Die Mutter meinte,
Susi solle hier im Haus auf sie warten, aber sie schlich etwas
später leise hinterher und versteckte sich."Nein", schrie ihre
Mutter, "das darf doch nicht sein. Alle unsere Hühner?" Der Vater
legte seinen Arm um sie und auch er hatte Tränen in den Augen."Ja,
Frau Franz, es handelt sich um H7N7, dieses Killervirus sorgt bei
Hühnern für Fieber, Atemnot und Durchfall. Sie legen keine Eier
mehr, sterben in nur wenigen Tagen.""Stimmt, heute habe ich keine
Eier gefunden." murmelte die Mutter."Es tut mir sehr leid für sie,
aber wir müssen hier alles absperren. Alle Hühner müssen getötet
werden und..." Den Rest hörte Susi nicht mehr, denn das was sie
gehört hatte, reichte. Sie mußte so schnell es geht mit Carlos
fliehen, sonst würde auch er getötet werden.Schnell lief sie ins
Haus, holte den großen Vogelkäfig, packte ganz schnell ein paar
Sachen zusammen und lief zum Hinterausgang. Aber da stand plötzlich
ein Polizeiauto. Zum Glück gab es noch einen Seitenausgang und es
war inzwischen dunkel geworden.Beinahe wäre sie noch über Carlos
gestolpert, der vor der Tür stand, als ob er es geahnt hätte. Susi
steckte ihn in den großen Käfig und hoffte, er würde ruhig sein.Bald
erreichten sie den Wald und um so mehr sie darin verschwanden, um so
sicherer fühlte Susi sich.Zeit zum Ausruhen nahm sie sich kaum, denn
sie wußte aus Filmen, man würde alles absuchen, um jemanden zu
finden. Nur gut, das sie an die Taschenlampe gedacht hatte, denn es
wurde stockfinster.Erst als die Sonne aufging, setze sie sich völlig
erschöpft auf einen Baumstamm. Sie hatte keine Ahnung wo sie war,
hatte einige Straßen überquert und sich immer weit von einer Straße
gehalten. Carlos verhielt sich ruhig, er spürte wohl die Gefahr, in
der er sich befand.Susi ließ ihn erst einmal aus seinem Käfig und
teilte mit ihm eine Scheibe Brot.Nun sah sie sich erst einmal
genauer um. Vor ihr lag das Wiehengebirge, da mußte sie hin, da
würde man sie nicht so leicht finden. Zum Glück regnete es nicht,
sondern es begann wieder ein schöner Sommertag.Carlos setzte sich
wieder in den Käfig, als wollte er sagen, weiter.Susi packte schnell
alles ein und setzte ihren Weg fort. Nach ungefähr 15 Kilometer,
durch Wald und Wiesen, erreichte sie das Gebirge. Sie passte immer
ganz genau auf, das sie niemand sah.Als sie endlich oben war und
auch einen Unterschlupf fand, ließ sie sich nieder. Hunger hatte sie
gar nicht, da war nur diese Angst.Schnell noch ein paar Zweige über
die Mulde und endlich konnte sie ausruhen. Sie fiel sofort in einem
tiefen Schlaf. Am nächsten Mittag wurde sie wieder wach und bemerkte
nun ihre Blasen an den Füßen.Carlos, den sie abends aus dem Käfig
gelassen hatte, lag friedlich in einer Ecke.Er hatte seit der Flucht
nicht mehr gekräht und darüber war Susi sehr froh, denn sonst hätte
er sie verraten.Nachdem sie nun erst einmal etwas gegessen hatte,
erkundete sie die Umgebung, gefolgt von Carlos, dem es hier
anscheinend gut gefiel.Sie fand eine Quelle und auch eine Höhle.In
der Schule hatte sie gelernt, daß unter dem Wiehengebirge früher ein
Bergwerk war und viele Höhlen zu finden sind, ja sogar ganze
Stollen, die aber zu gefährlich geworden und mit Gittern
verschlossen wurden.So eine Höhle fand sie. Genug Platz um geschützt
zu sein. Die Quelle war ganz in der Nähe, was wollte sie also
mehr.Sie holte ihre Sachen und versuchte es sich so gemütlich wie
möglich zu machen. Wenn nur nicht dieses Heimweh wäre. Was Mama und
Papa wohl machen. Die Tränen kullerten über ihr Gesicht. Carlos
drückte sich an sie, als wolle er sie trösten.Irgendwann schlief sie
ein und wurde durch ein gewaltiges Donnern in der Nacht geweckt.Sie
hatte Glück, denn die Höhle blieb trocken. Früher hatte sie immer
Angst vor Gewitter, aber jetzt gar nicht mehr. Sie fühlte sich
geborgen, trotz allem.Am Morgen machte sie sich auf, um Waldbeeren
zu pflücken, denn sie mußte ja etwas essen und sparsam mit dem
wenigen Brot sein, was sie sich mitgenommen hatte.Auf ihren
Streifzügen fand sie eine Kuhwiese unten im Tal und sicher hatte der
Bauer nichts dagegen, wenn sie den Kühen etwas Milch abnahm.
Gemolken hatte sie noch nie, aber es bei Bauer Lennert gesehen.
Tatsächlich, es dauerte zwar, aber es klappte. Somit war also auch
für Milch gesorgt.Susi lebte nun schon über eine Woche in der Höhle.
Überall waren ihre Bilder in den Zeitungen und man warnte auch vor
dem Hahn, da sich auf dem Hof die Hühnerpest breit gemacht hatte.
Alle Tiere konnten getötet werden, bis auf dem Hahn.Die Medien
berichteten täglich, aber Susi blieb verschwunden.Herr und Frau
Franz hatten die schlimmsten Befürchtungen, denn es gab auch
Meldungen von entführten Kindern. Dieses nutzten einige
Trittbrettfahrer und forderten Lösegeld. Susi bekam davon nichts
mit. Es wurden Suchmanschaften aufgestellt, aber nichts, keine Spur
von ihr.Leider verschlechterte sich das Wetter und es wurde immer
schwieriger ins Tal zu kommen, denn Susi hatte sich keine Jacke
mitgenommen und neue Anziehsachen schon gar nicht.Sie konnte ihr
Kleidung jetzt auch nicht mehr waschen, da sie ja nicht
trocknete.Dennoch, obwohl es beinahe vier Wochen waren, sie hielt
durch. Carlos fand kaum noch eßbares, aber auch er war körperlich
fit.An einem Nachmittag fühlte Susi sich richtig schlecht, sie
konnte gar nicht aufstehen, alles tat ihr weh. Der Hals besonders.
Sie schien Fieber zu haben, denn sie fror, obwohl die Sonne wieder
schien.Trotzdem mußte sie aufstehen und ins Tal hinunter, denn sie
brauchte Milch. Sie schleppte sich hinunter, mußte mehrere Pausen
einlegen und kam endlich unten an. Zitternd versuchte sie
eine Kuh zu melken, aber heute klappte es nicht.Carlos suchte sich
mittlerweile etwas zu fressen, blieb aber immer in der
Nähe.Plötzlich wurde es schwarz vor Susis Augen und sie wurde
ohnmächtig.Als sie erwachte, befand sie sich auf einem Sofa. Eine
alte Frau saß über sie gebeugt und kühlte ihr Gesicht.
"Hallo, kleine Dame, geht es dir wieder besser?"Susi fühlte sich
sehr schwach und fror entsetzlich.
"Gleich kommt Doktor Wiesner, der hilft dir schon wieder auf die
Beine." sagte die Frau sanft und drückte Susi leicht wieder in die
Kissen.
Sofort schlief sie wieder ein und wurde erst wach, als ein älterer
Herr sie abhörte.
"Na, da hat sie aber Glück gehabt, es ist nur eine Grippe, keine
Lungenentzündung."
In diesem Moment krähte Carlos vor dem Fenster und Susi erschrak
beinahe zu Tode. Jetzt fiel ihr wieder alles ein und sie fing an zu
weinen.
Der Doktor gab ihr eine Spritze, damit ihr Fieber runter ging und
nun erzählte die alte Bäuerin, dass sie Susi mitten auf der Kuhweide
gefunden hätte. Um sie herum lief ein Hahn, der sich wie wild
gebärdete, als sie näher kam.
"So etwas habe ich noch nie erlebt, Doktor Wiesner! Ich habe das
Kind auf den Heuwagen geladen und der Hahn sprang mit hinauf. Nun
kräht er wie ein Besessener und will ins Haus."
Kopfschüttelnd schaute dieser nach draussen. Aber da war doch vor
Wochen eine Geschichte, wo ein Mädchen verschwand mit einem Hahn,
fiel ihm ein.
"Sag mal, wie heißt du denn, Kleine?" fragte er Susi.
"Ich sehe schon, du fürchtest dich, aber wir tun dir nichts. Du bist
das Mädchen, das weggelaufen ist, wegen der Hühnerpest, oder?"
Susi nickte schwach.
Doktor Wiesner ließ sich den Kuchen schmecken, den ihm die Bäuerin
reichte. Nachdem er den Kaffe getrunken hatte, fragte er sich, wie
es nun weiter gehen sollte.
"Na, deine Eltern werden sich freuen, das es ihrem Kind so weit ganz
gut geht. Ich denke, wir sollten sie anrufen. Hast du die
Telefonnummer im Kopf?" fragte er Susi.
"Aber was wird aus Carlos? Wird er getötet?"
"Nein, er ist doch gesund. Du hast ihm das Leben gerettet."
Nachdem Susi ihm die Telefonnummer gab, rief der Doktor die Eltern
an. Diese waren überglücklich und machten sich sofort auf dem Weg,
um Susi zu holen.
Der Doktor blieb noch und erklärte Susi, wie gefährlich es war, so
zu handeln.
"Strenge Hygienevorschriften herrschen in den betroffenen Gebieten.
Alles muß desinfiziert werden, alle Hühner müssen getötet werden,
der Kot kann überall kleben, an Autoreifen und an Stiefeln kann er
von Hof zu Hof getragen werden. Der Mensch kann aber nicht nur
Überträger sein, er ist auch selbst gefährdet.
In dem Kot gibt es ganz viel Virus, und wenn man das einatmet, so
diese kleinen Partikel vom Kot, dann kann man sich infizieren oder
wenn es in die Augen kommt. Folge kann eine Bindehautentzündung
sein, dazu können Fieber und Husten kommen. Zum Glück aber hast du
nur eine normale Sommergrippe, denn deinem Hahn fehlt nichts. Wo
hast du dich denn aufgehalten die ganzen Wochen?"
Nun erzählte Susi alles ganz genau. Es ging ihr plötzlich wieder
besser, ob das nur die Freude war, endlich wieder nach Hause zu
können?
Als ihre Eltern kamen, nutze Carlos die Gelegenheit, sofort durch
den Türspalt zu Susi zu kommen. Er flog wie ein zu groß gewordener
Wellensittich direkt auf ihrer Schulter.
Doktor Wiesner und die alte Bäuerin konnten sich kaum halten vor
lachen.Es wurde spät, als Susi mit den Eltern den Hof betraten.
Traurig schaute Susi zum Hühnerstall.
Papa nahm sie in die Arme und sagte:
"Wenn dieser Virus erst einmal vorbei ist und nicht mehr in
Deutschland grassiert, dann kaufen wir uns wieder Hühner. Vorerst
aber muß Carlos alleine bleiben, aber den interessiert ja sowieso
nur seine Susi."
"Also wenn ich mich so recht erinnere, hatte ich mir die Ferien auch
anders vorgestellt." meinte Mama, "wenn du wieder gesund bist, dann
mußt du uns dein Versteck zeigen."Am nächsten Tag meldeten sich die
Medien und auch die Zeitungen um über Susis Abenteuer zu berichten.
Carlos krähte mal wieder mehr als sonst, denn schließlich war er
doch die Hauptperson!
Als die Schule wieder begann, war Susi richtig berühmt und jeder
wollte mit ihr befreundet sein, denn für sie war sie eine Heldin!
Trolli ein kleiner Bär
von Wendi
Trolli ein kleiner brauner Bär. Er lebte mit seinen Eltern in
einen Wald. Er hatte keine Gewischter und auch kleine Freunde die
mit ihm spielten. So spielte Trolli wieder mal alleine vor seinem
Zuhause. Trolli überlegt, ob er nicht in den Wald laufen sollte um
dort Freunde zu finden. Und schon machte er sich auf den Weg. Trolli
kam nach einer Weile, an einen See. Dort schwammen Fische. Trolli
setzte sich an den Rand vom See. Aber die Fische schwammen weg. He,
wo wollt ihr hin? Er bekam keine Antwort von den Fischen. Trolli war
traurig und ging weiter. Auf einer Lichtung waren Rehe. Trolli lief
auf sie zu. Hallo, ich bin Trolli und möchte spielen. Aber auch die
Rehe liefen davon. Trolli wurde immer trauriger, weil keiner mit ihm
spielen wollte. Es wurde immer dunkler. Seine Eltern hatten ihn
schon gesucht, und hatten die Tiere im Wald gefragt, ob sie nicht
einen kleinen braunen Bären gesehen hätten. Trolli war soweit in den
Wald gelaufen, das er nicht den Weg zurück fand. Er setzte sich ins
Gras und weinte. Ich möchte wieder nach Hause, jammerte er laut.
Eine Eule, die auf einen Baum schlief, wurde wach. Warum weinst du
fragte die Eule. Keiner möchte mit mir spielen, und ich kenne den
Weg nicht mehr nach Hause. Und jetzt bin ich wieder alleine. Ich
werde dich zu deinen Eltern bringen, meint die Eule. Wenn du
möchtest, können wir ja Freunde werden! Wie bringst du mich denn zu
meinen Eltern Eule, fragte Trolli? Ich werde Vorausfliegen, laufe
mir nach. Die Eule flog von einem Baum zum anderen, und Trolli lief
ihr nach. Nach einer Weile waren sie an der Höhle der Eltern
angekommen. Trolli`s Eltern waren vor der Höhle und nahmen Trolli in
den Arm. Sie waren glücklich ihren Sohn gesund wieder zu bekommen.
Sie fragten ihn, wo er war? Trolli erzählte seine Geschichte, und
seine Eltern bedankten sich bei der Eule, dass sie ihn nach Hause
gebracht hatte. Trolli musste seine Eltern versprechen, nie mehr
allein in den Wald zu laufen. Und immer zu sagen wo, er hin geht.
Trolli versprach es, denn jetzt hatte er einen Freund mit dem er
durch den Wald streifen konnte.
Der Teddybär
von Wendi
Jedes Kind hat ein Lieblingsspielzeug.So war es auch bei Lena.
Sie hatte einen Teddy, der so alt war wie sie. Beide waren 9 Jahre
alt. Lena bekam ihren Teddy zur Geburt Bärchen, so nannte sie ihn
liebevoll, war nicht mehr schön anzuschauen,und sollte in den Müll.
Das Ohr war ab, und ein braunes Auge fehlte und auch sein Fell war
abgegriffen. Lena weigerte sich: " Mutti nein, nicht Bärchen! " Frau
Petersen war fest entschlossen, der Bär kommt in den Müll! Der Bär
ist nicht mehr schön Lena, du bekommst einen neuen meinte Lenas
Mutter. Nein, ich will diesen Bären, und keinen anderen. Lena riss
ihrer Mutter den Teddy aus der Hand, und lief weg. Lena war zur
ihrer Großmutter gelaufen Oma rief Lena unter Tränen: "Mama will
mein Bärchen in den Müll werfen." Lena weine nicht, meinte ihre Oma
ruhig. Wir bekommen das schon wieder hin.Lenas Oma nahm ihre Enkelin
bei der Hand, und ging mit ihr ins Nähzimmer. Dort hatte Oma ihre
Nähsachen, Stoffe und Knöpfe. So Lena, jetzt bekommt Bärchen erst
mal neue Augen. Oma holte zwei braune Knöpfe aus einer Kiste, und
nähte sie an. So Lena jetzt kann Bärchen wieder schauen. Nun wollen
wir mal weiter sehen was wir mit seinem Fell machen? Lena war
begeistert, wie ihre Oma das gemacht hatte, mit den Augen. So Lena,
hole mir mal bitte den braunen Waschlappen aus dem Bad rief Oma. Mit
dem Waschlappen in der Hand,was sie aus dem Bad geholt hatte meinte
Lena " Omi, was willst du damit machen?" Schau Lena, ich schneide
jetzt drei Löcher in den Waschlappen. Eins für den Kopf und die
anderen beiden für die Arme. Gesagt getan, schon hatte Lena´s Teddy
ein neues Fell. Nun sah Bärchen fast wieder wie neu aus. Oma, was
machen wir denn mit dem Ohr? Warte Lena ich werde auch ihn ein neues
Ohr annähen. Sie nahm ein Stück Stoff und formte ein Ohr daraus, und
nähte es gleich an. So fertig Lena sagte Oma, fast wie neu. Lena
nahm ihre Oma in den Arm und sagte " danke Oma, du hast Bärchen
gerettet." Zu Hause hatte die Mutter von Lena schon weiter das
Zimmer ihrer Tochter aufgeräumt. Als Lena rein kam, rief Frau
Petersen: " Lena, wo ist der Bär?" Hier ist Bärchen. Lena zeigte ihn
ihrer Mutter,den Bären. Frau Petersen musste lachen, was habt ihren
denn gemacht meinte sie? Oma hat ihn wieder heile gemacht. Darf er
jetzt bleiben? Frau Petersen lachte, und meinte, jetzt darfst du ihn
behalten. Jetzt weiß ich, dass du deinen Bären lieb hast.
Diese Geschichte soll sagen, das Kinder ihre alten Spielsachen am
liebsten
haben. Und das man mit wenig Geschick Aus alt auch neu machen kann.
Mein armes Deutschland
von Grygierek, Hildegard
Deutschland aus Dir komme ich. Und so runtergekommen wie Du bist,
(die paar Meter osteinwärts machen da auch nichts wett) möchte ich
abhauen. Dir hab ich mal mein Ja-Wort gegeben und nun würde ich mich
am Liebsten scheiden lassen. Eine Scheidung kostet viel Geld....und
Nerven. Leider besitze ich weder noch. Freilich bezeichnest Du Dich
als wohlhabendes Land, Du hast ja auch Nerven!
Das ist nicht mehr mein Deutschland. Das ist nicht das Land in dem
ich mich bis zu meinem 21. Lebensjahr vom Staat beschützt fühlte -
als der Staat noch
mein Vater war. Mein Vater ist gestorben. Richtig fürsorglich haben
zwar die Staatsmänner noch zu keiner Zeit regiert, aber so schroff
wie es heute zugeht.....
Ich gebe gerne zu, wenig Ahnung von der Politik zu haben, aber eins
weiß ich, nichts- aber auch nichts geht hier mit rechten Dingen zu
und nichts
geht mehr. Ins Leben schickte mich Oma damals mit ihrem Leitspruch:
"Mädel, das einzigste was du über Politik wissen solltest - wähle
nie die SPD. Die können mit Geld nicht umgehen." Oma wird schon
gewusst haben was sie damit meinte, sonst hätte sie nicht bis zu
ihrem Tode stur an ihrer Meinung festgehalten. Im Grabe würde sie
sich umdrehen, wüsste sie von einer Mondlandung.
Keine Arbeit - kein Geld. Daran hat sich bis heute nichts geändert,
das scheint der Lauf des Lebens zu sein. Nur, wer kann da noch
Schritt halten, wenn unentwegt Maß gehalten werden muss. Die Kunst
zu Leben, sollte es passender heißen, denn ein großer Teil sind
mittlerweile denkfeste Lebenskünstler. Keine Arbeit, in einer Zeit
wo man alles kaufen kann?! Und das tun sie auch, die ungeschützten
und mediengeschädigten Jugendlichen. Auf geizgeil werden sie
getrimmt - und glauben "in" an den Schwachsinn. Aber sind die Alten
besser? Wenigstens werden sie noch Herr ihrer Schulden, oder haben
was auf die hohe Kante legen können.
Was werde ich später mal auf der hohen Kante haben? Gerne würde ich
auch Rückhalt beiseite legen - von was? Keine Arbeit - kein Geld.
Einen Tritt von
hinten gibt es allerhöchstens. Dann diese Ängste, ob ich mir -wenn
der Zahn der Zeit nagt und das tut er- die "Dritten" leisten kann.
Was wenn ich ganz und gar den Durchblick verliere und eine Brille
zum unerschwinglichen Luxusartikel wird. Das ist sie längst, ich
weiß, aber immerhin gibt es noch Fielmann und den viel zu geringen
Krankenkassenanteil. Und auf Sicht? Wir werden sehen.
Der Blick in die Zukunft sieht jedenfalls nicht rosig aus. Alt
werden dürfen wir nicht, krank werden erst recht nicht und zum
Sozialfall auf gar keinen
Fall. Was denn dann? Arbeitslos! Ist das alles? Dürfen wir überhaupt
noch was in unserem angeblich demokratischen Land.. Von Demokratie
kann hier, in Deutschen Landen kaum die Rede sein, was erklärt,
warum nur noch hinter vorgehaltener Hand Äußerungen fallen - oder
durch die Blume. Dann diese "Vorschriften" - wo sie absolut
überzählig sind! Aber wie will Vater Staat sein verwirtschaftetes
Staatssäckel voll kriegen, wenn er nicht das Taschengeld seiner
Kinder einteilt. Schön, dass Papa Staat wenigstens ein Auge auf die
Hinzuverdiener wirft und auf "Aller" Sparbuch. Glücklich, der, der
einen kontrollierten Job hat -sei er noch so mini. Meine Güte,
herrschen hier besteuerte Zustände!
Als ein Muster von Land stellt sich Deutschland bestimmt nicht dar,
bzw. will es sich offerieren - wer aber genau hinschaut, erkennt
dass sich die
BRD nur noch durch ein Exempel auszeichnet - durch ein
Rechenexempel: Vollgestopft mit reichen Machthabern - geteilt durch
Arm und Reich- ergibt
mittellos (m)ein armes Deutschland!
Das Puppen-Theater
von Grygierek, Hildegard
Immer das gleiche Theater mit Trinchens Puppen. Jedesmal wenn sie
vergessen hat ihr Zimmer aufzuräumen, spielen ihre Puppen verrückt.
Susanne, die uralte Babypuppe dringt mit ihrem Lutschdaumen ins
Glasauge Auge der langhaarigen Trude, während es Trude fast vom
Korb-Stuhl haut. Geknickt und ziemlich danebenhängend, droht sie
herunterzufallen. Trinchen scheint es überhaupt nicht zu stören was
ihre Kinder da so unaufgeräumt treiben. Viel zu beschäftigt ist sie
mit Barbie, die schon wieder heiraten muss. Zum zehntenmal zieht sie
ihr das mittlerweile zerfledderter Hochzeitskleid an und den
Brautschuh. Den anderen hat Ken verschwinden lassen, erinnert sie
sich, weshalb sollte er sonst so schrecklich unauffindbar sein.
Gemeint ist der Schuh natürlich, Ken würde doch nie und nimmer
ausrücken, seine geliebte Barbie zum x-ten Mal zu heiraten.
„Wenn ihr der Schuh fehlt“, sagt Trina, „ist es auch nicht so
schlimm wenn Ken die Fliege abhanden gekommen ist“. Fest drückt sie
die beiden aneinander, verpasst ihnen das Ja-Wort und schmeißt sie,
wie könnte es auch anders sein, in die Kinderzimmer-Ecke. Wenn Mama
schimpft, wegen der teuren Kleider und der Unordnung, wird sie
einfach die beiden aus der Ecke herauskramen und ihr Ja-Wort mit
einem Kuss besiegeln. Außerdem hat Mama immer noch nicht begriffen,
dass der obere Teil des Kinderzimmers zum festen Wohnsitz von Ken
und Barbie geworden ist.
„Überhaupt, wenn man so viele Puppen hat, müssen sie ja überall
herumliegen“, verteidigt Trina ihr ewiges Durcheinander. Ihrer
Meinung schließen sich voll und ganz die unzähligen Stofftiere an,
zumindest der einäugige Brummbär. Sobald sie ihn aufhebt aufs Regal
zu setzen, brummt dieser jämmerlich. Was sagt ihr das, bzw. was
brummelt der Bär? „Ich will nicht aufs Regal zu dem blöden
Plastikpferd“. Wenn Mama das nur mal kapieren würde. Sie legt doch
auf nicht auf ihr Küchenregal neben den großen Henkeltassen ihre
Lockenwickler. „Wie verdreht die Erwachsenen doch denken“, versteht
Trina nun überhaupt nicht und versucht ihren schlappen, einstigen
Kuschel-Bär in die überfüllte Spielzeug-Kiste zu zwängen. Dem armen
Kerl haut sie dabei so fest den Deckel auf den Kopf, dass ihm sein
letztes Auge herausfällt. „Ist ja gut“, tröstet sie ihn und steckt
es wieder hinein, in den weichen Kopf.
„Wenn dieses Theater nicht aufhört, hier im Zimmer“, fährt sie
ihr Spielzeug einschließlich der Puzzles, Malbücher, Stifte und so
weiter an, „und ihr euch nicht sortieren könnt, dann kümmere ich
mich einfach nicht mehr um euch. Dann müsst ihr eben herumliegen und
werdet nicht mal mehr beachtet.“
Das haben sie nun davon, die Spielsachen. Anerkennung finden sie
noch von Trinchens Mama, die, wenn sich zwischenzeitlich nichts
durchgreifendes geändert hat, immer noch die Spielsachen aufräumt.
Naomis Abenteuer 4
von Rothe, Inga
Naomi kehrt zurück
Das Flugzeug startete pünktlich. Frau und Herr Schlüter sind
schön öfters geflogen, aber Naomi nicht. Zuerst hatte sie
ziemlich Angst, als sie das
große Flugzeug sah, aber die Sehnsucht nach ihrem Land war dann doch
stärker. Es war ein langer Flug, sie bekam aber kein Auge zu. Kurz
vor der Landungmusste Frau Schlüter sie wecken, denn irgend wann
schlief sie dann doch ein. Sofort war sie wieder hellwach und voller
Erwartung. Mit zitternden Knien betrat Naomi ihren Heimatboden.
Obwohl sie ja nicht lange in dieser Stadt gewohnt hat, erkannte sie
doch einige Häuser wieder, als sie mit einer Taxe dann in ein Hotel,
Nähe des Hafens fuhren. Am Liebsten wäre Naomi gleich hingelaufen,
aber Frau Schlüter meinte, sie hätten doch noch soviel Zeit. Nachdem
sie sich alle frisch gemacht hatten und umgezogen, wurde erst einmal
gegessen. Naomi bekam kaum einen Bissen herunter. Herr Schlüter
konnte es nicht mehr mit ansehen, wie sich Naomi zusammen nehmen
musste, obwohl sie doch so aufgeregt war. Seine Frau musste sich
danach erst einmal etwas hinlegen, darum nahm er Naomi an der Hand
und sie marschierte in Richtung Hafen. Nach dem Vorfall vor über
einem Jahr, war dieser aber noch mehr gesichert, man kam kaum noch
heran. Überall standen Wachposten. Naomi sprach gleich den ersten
Mann an, den sie begegneten und vor lauter Aufregung auf Deutsch.
Der schüttelte nur mit dem Kopf. "Du musst schon deine Sprache
sprechen," lachte Herr Schlüter. Dieser Mann kannte aber ihren Vater
auch nicht. "Was meinst du denn, wenn wir mal nachsehen, ob er zu
Hause ist" meinte Herr Schlüter. "Weißt du denn noch, wo eure
Wohnung war?" Das sie aber auch darauf nicht gekommen ist. Jetzt war
Naomi nicht mehr zu
halten, sie zog Herrn Schlüter am Arm und meinte, er möchte doch
schneller gehen. Da standen sie nun vor ihrer damaligen Wohnung.
Naomis Herz klopfte bis zum Hals. Bevor Herr Schlüter sie noch
halten konnte, hatte sie auch schon die Tür aufgerissen und rannte
hinein. Entsetzt blickte sie in das Gesicht einer erschrockenen,
unbekannten Frau und deren Mann. Sie konnte nichts sagen, stand nur
da und brach in Tränen aus. Herr Schlüter entschuldigte sich für ihr
Benehmen auf Englisch und wurde verstanden. Der Mann sagte ihm,
nachdem er alles erklärt und nach Naomis Vater gefragt hatte, er
wohne schon seit mehreren Monaten hier und wußte nur, dass die
Familie, die vor ihm hier gewohnt hatte, schreckliches passiert sei.
Der Lagerverwalter hatte seine Frau verloren und hätte hier mit
seiner Tochter gewohnt. Dann war vor einem Jahr der Aufstand und
dabei sei er schwer verletzt worden. Die Tochter wurde nie wieder
gefunden, man vermutete, dass sie auch umgekommen sei. "Dann bist du
das kleine Mädchen?" fragte er Naomi auf seiner Sprache. Diese
nickte und weinte nun noch mehr. "Du musst nicht weinen," sagte der
Mann, "dein Vater lebt!" Er nahm Naomi tröstend in die Arme und
seine Frau lud Herrn Schlüter zu einer Tasse Kaffee ein. Sie
überlegten noch, wo man erfahren konnte, wo der Vater geblieben sein
konnte, als Naomi sich etwas erholt hatte und meinte, da wäre doch
noch ihr Onkel Osman, den könnten sie fragen.
"Eine gute Idee, aber zuerst gehen wir wieder ins Hotel, du musst
dich jetzt auch erst einmal ausruhen." erwiderte Herr Schlüter. Sie
verabschiedeten sich herzlich von dem netten Ehepaar und
schlenderten langsam zurück. Naomi plapperte drauf los, erzählte, wo
sie überall war und welches Haus sie kannte.
Im Hotel angekommen, legte sich Naomi hin und schlief auch gleich
ein. Frau Schlüter war erschüttert, als sie hörte, was passiert war.
"Dann denkt der Vater, seine Tochter sei gestorben, das ist ja
schlimm." sagte sie, als ihr Mann fertig erzählt hatte.
Naomi wachte erst gegen 11 Uhr auf und nachdem sie gefrühstückt
hatten, nahmen sie sich eine Taxe um den Onkel zu suchen. Das war
gar nicht so
leicht, den Weg zu finden, aber nach einigen Stunden fanden sie die
Hütte wieder. Kaum hielt das Taxi, sah Naomi auch schon ihre Tante
Omti. Jubelnd lief sie
los. Plötzlich schrie die Frau entsetzlich los. Herr und Frau
Schlüter wussten nicht warum, aber der Taxifahrer übersetzte es auf
Englisch. "Frau schrein, Mädchen sei tot, sei Geist!" sagte er in
gebrochenem Deutsch. Da kam ein Mann aus der Hütte, es war wohl
Naomis Onkel, der ganz blass wurde, als er das Kind sah. Als er sich
vergewissert hatte, in dem er sie anfasste, ob sie ein Mensch sei,
also Naomi, herzte und küsste er sie. Die Tante verschwand ungläubig
in der Hütte um ihre kleine Tochter zu holen. Nun kam Naomi mit
ihrem Onkel auf die Schlüters zu, damit sie sich kennenlernten. Herr
Schlüter schickte erst einmal den Taxifahrer fort und meinte, er
solle so in etwas 2 Stunden wieder kommen. Naomi war überglücklich.
Natürlich wollte sie auch gleich wissen, wo ihr Vater sei. Onkel
Osman sagte, er wohne am anderen Ende der Stadt. Seit ein paar
Monaten sei er aus dem Krankenhaus. Im Hafen hatte man ihn
entlassen, da es denen zu lange gedauert hatte, bis er wieder da
war. Er arbeitete aber wieder und diesmal in einem großen Bürohaus.
"Dein Vater ist ein kluger Mann." endete er. Naomi hatte alles den
Schlüters übersetzt und Herr Schlüter meinte lächelnd, jetzt weiß
ich, woher du das hast, Naomi.
Die zwei Stunden vergingen schnell. Sie tauschten noch die Adressen
aus und bekamen auch die von Naomis Vater. "Wollen wir gleich zu ihm
fahren?" fragte er im Taxi Naomi. Sie konnte nicht antworten,
kuschelte sich nur an ihm. Frau Schlüter kamen die Tränen, obwohl
sie nun auch hätte froh sein sollen, fühlte sie den
Abschied von Naomi nah. Sie liebte dieses Kind über alles.
Der Taxifahrer hielt an einem kleinem Haus am Rande der Stadt.
Diesmal ging Naomi zaghaft voran. Sie klopfte und es öffnete ihr
eine Fremde
Frau. Sprachlos sah sie sie an. Schnell hatte sie sich aber gefasst
und fragte nach Herrn Ilmandu und die Frau bat sie herein. Herr und
Frau
Schlüter warteten erst einmal vor dem Eingang. Da stand er, Naomis
Vater! Naomi hatte plötzlich ganz wackelige Knie. Herr Ilmandu
musste sich erst einmal setzen und die Frau verstand gar nichts.
Wortlos lief Naomi zu ihrem Vater, nahm ihn in die Arme und wollte
ihn nicht mehr los lassen. Beide weinten vor Freude. Nun begriff die
Frau auch was los war und auch ihr kamen die Tränen. Dann bat sie
die Schlüters herein und Naomi erzählte von ihrem Abenteuer.
Komm mal her, meinte der Vater, wer hier ist. Er öffnete eine
Zimmertür und Naomi konnte es kaum glauben, da spielte der kleine
Silas, der schon tüchtig
gewachsen war. Es stellte sich heraus, dass die Frau
Krankenschwester war, ihren Vater damals gepflegt hatte. Nun wollten
sie bald heiraten und darum haben sie den kleinen Silas zu sich
geholt. Herr und Frau Schlüter waren ziemlich still geworden, denn
sie wussten, Naomi wird bei ihrer Familie bleiben und das machte sie
traurig. Es wurde ziemlich spät, als die Schlüters aufbrachen. "Was
ist mit dir, Naomi, möchtest du erst einmal hier bleiben?" fragte
Herr Schlüter, in der Hoffnung, sie würde doch wieder mit ins Hotel
kommen. "Darf ich hierbleiben?" fragte sie und übersetze es ihren
Vater. Naomi blieb bei ihrem Vater. Versprach aber, am nächsten Tag
anzurufen. Anrufen, innerlich musste sie lachen, denn vor einem Jahr
wußte sie noch nicht was das war.
Frau Schlüter konnte diese Nacht nicht schlafen, sie war sehr
unglücklich. Hatte deswegen auch ein schlechtes Gewissen, da Naomi
jetzt so glücklich war
und sie ihr das nicht zu gönnen schien. Ihr Mann ließ sich nichts
anmerken, aber ihm erging es ähnlich.
Naomi hielt ihr Versprechen und rief an. Die Schlüters meinten
schweren Herzens, sie könne ruhig noch da bleiben, schließlich
hätten sie ja Urlaub.
An manchen Tagen trafen sie sich alle gemeinsam, um die
Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bewundern und auch Ausflüge zu
machen.
Mittlerweile waren sie schon 4 Wochen in Kairo, bald mussten sie
wieder fort. Frau Schlüter litt sehr darunter. Niemand berührte
dieses Thema.
In der letzten Woche aber, fiel Herrn Schlüter auf, dass Naomi auch
stiller geworden war. Was wohl in diesem Kind vor geht, dachte er.
Heute wollten sie zum letzten Mal an dem Strand fahren. Die
Schlüters bedauerten, dass Naomis Vater kein Englisch sprach und sie
sich nur mit
Zeichensprache verständigen konnten. Sie waren sich sehr
sympathisch. Unterwegs erzählte Naomi stolz, ihr Vater würde
englisch lernen und sie
wollte das auch. Frau Schlüter lächelte, denn sie wußte, was Naomi
wollte, das tat sie auch.Es wurde ein sehr schöner Tag und alle
waren vergnügt, obwohl der Abschied bevor stand. Naomi tobte in den
Wellen herum, obwohl sie gerade erst Schwimmen gelernt hatte. Dann
plötzlich lief sie zu Frau Schlüter, kuschelte sich an sie und fing
an zu weinen. "Was hast du, meine Kleine?" fragte sie und
streichelte über Naomis Haar. Naomi sah sie an und fragte, darf ich
denn auch wieder mit nach Deutschland? Nun war es heraus. "Natürlich
darfst du das, wenn du es möchtest und dein Vater einverstanden ist"
erwiderte überrascht Frau Schlüter.
Naomi stieß ein Freudenschrei aus und rannte so schnell es ging zu
ihrem Vater. Dieser kam dann langsam und doch etwas traurig auf sie
zu. Er gab ihr die Hand und Naomi musste übersetzen. Seine Tochter
hatte sich so schnell an Deutschland, an das andere Leben gewöhnt,
dass er ihr hier nicht bieten könne. Außerdem würde sie ohne ihre
Schlüters auch nicht mehr glücklich sein. Darum sollte sie sich
entscheiden, wo sie bleiben wollte. Es ist ihr nicht leicht
gefallen, da sie alle gleich lieben würde, aber in Deutschland hätte
sie mehr Chancen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Und immer wenn
Ferien sind, könne sie kommen, er würde ihr das Reisegeld schicken.
Er hätte auch großes Vertrauen zu ihnen. Herr Schlüter war dazu
gekommen und konnte es nicht fassen. Glücklich umarmte er Naomis
Vater und versprach gut für sie zu sorgen.
Es war ein schwerer Abschied auf beiden Seiten, aber bald waren ja
wieder
Ferien.
Fortsetzung? Wer weiß...
Fritz, der alte Regenwurm
von Inga Rothe
Fritz war der Älteste aus dem Regenwurmstamm, immerhin schon über
zwei Jahre, obwohl das Mindestalter seiner Artgenossen nur zwei
Jahre sein sollte.
Er konnte nicht mehr den ganzen Tag graben, aber er paßte auf, das
alle ihre Arbeit gut machten. Den ganzen Tag graben, essen, graben,
von oben nach unten, das ist ihre Aufgabe, denn wenn sie es nicht
tun, wird der Boden nicht durchlüftet, das Wasser sickert nicht ab
und die Blumen können nicht wachsen.
Endlich hatte es mal wieder geregnet und da alle Regenwürmer gut
gegraben hatten, sickerte das Wasser tief in den Boden. Fritz kroch
an die Oberfläche, schaute sich alles an und freute sich, das alles
gut war. "Ich danke dir!" hörte er eine zarte Stimme, als er seinen
Kopf noch einmal hinaus steckte. Fritz sah eine Pflanze, die
ziemlich braun aussah. "Nicht zu danken, kleine Pflanze, das ist
doch unsere Aufgabe!" "Ja, das weiß ich, aber ist es nicht auch die
Aufgabe des Menschen uns
Wasser zu geben, wenn es nicht regnet?" hauchte die Pflanze. "Das
denke ich schon. Was ist denn mit dir passiert?" fragte er und
schlüpfte zwischen ihrer Wurzel.
Die Pflanze erzählte, das sie auf einem großen Acker stand. Viele
ihrer Geschwister standen da, eines schöner als das Andere. Dann
kamen Menschen
und nahmen sie mit. "Aber wo sind denn deine Geschwister?" fragte
Fritz erstaunt. "Sie sind alles verdurstet, nur ich bin noch da und
hätte es heute nicht
geregnet, dann...Wärt ihr nicht gewesen und hättet den Boden
gelockert, dann hätte ich kaum Luft bekommen." "Du Arme, ich schaue
morgen noch einmal zu dir, jetzt muß ich erst wieder essen." und
schnell kroch Fritz mit einem zusammengerollten Blatt wieder in
seiner Höhle, um es zu verspeisen. (Natürlich fressen Regenwürmer
auch andere Sachen, wie getrocknetes Gras, Teile, die die Pflanze
nicht mehr braucht.) Am nächsten Tag wollte er die kleine Pflanze
besuchen, aber er sah sie nicht. Erschrocken und traurig zugleich,
wollte er wieder verschwinden, als plötzlich jemand rief: "Hallo
Fritz, kennst du mich denn nicht mehr?" Fritz sah aber nur eine
schöne Blume und sagte: "Nein, dich kenne ich nicht! Gestern stand
hier noch eine braunes Pflänzchen, sicher ist sie auch gestorben,
wie ihre
Geschwister." "Nein, lieber Fritz, ist sie nicht. Schau mich an,
einige Blätter von mir sind noch etwas braun, aber sonst haben sie
sich erholt! Ich heisse übrigens
Aster" Fritz freute sich sehr, und schlängelte sich um ihre Wurzeln.
Die Beiden freundeten sich an und Fritz erzählte aus seinem langen
Regenwurmleben.
Noch vor einem Jahr hatte er selbst gegraben, aber seine Zeit ist
bald abgelaufen. Das Regenwurmleben besteht nur aus Essen und
Graben. Wenn sie viel Essen, müssen sie auch viel zur Toilette und
die ist dicht unter dem Boden. Der Kot ist wertvoller Dünger und
läßt die Umgebung gesund werden. "Oh, da habt ihr aber viel zu tun
und wann ruht ihr euch denn mal aus?" fragte die Blume. "Ausruhen
können wir, wenn es zu trocken wird und zu kalt." . antwortete
Fritz. Plötzlich wurde Aster traurig. "Wenn es kalt wird, also zum
Herbst schon, muß ich sterben. Aber vorher habe ich den Bienen zum
Honig verholfen, wenn die Menschen nicht wieder vergessen mir Wasser
zu geben." "Ach ja, manche Menschen sind ganz schlimm. Da gab es
einen Jungen, der nahm einen von uns in seiner Hosentasche mit. Der
Arme ist gestorben. Dann wurde meinem Bruder das Hinterteil
abgehackt, aber nachdem er viele Tage im Ruhekrankenbett lag, wurde
er beinahe wieder gesund, wenn er nicht eine Pilzerkrankung bekommen
hätte." "Wissen die Menschen denn nicht, das ihr die wichtigsten
Erdenbewohner seid?" fragte entsetzt die Blume. "Manche schon, aber
viele denken, es sei nicht so schlimm, wenn man uns teilt, denken
wir wachsen wieder weiter! Wie denn? Wer kann mit seinem
Hinterteil essen??"
Fritz besuchte die Blume öfters und sie erzählten wann immer er
Zeit hatte. Viel zu schnell wurde es Herbst und eines Tages war die
Blume fort.
Traurig kroch Fritz nun zu den anderen Regenwürmern, die eng
beieinander auf wärmere Tage warteten. Als es soweit war, gab es
keinen Fritz mehr, der befand sich nun im Himmel, vereint mit seiner
Freundin Aster!
Die kleinen Fehlerteufel
von Inga Rothe
Ruhig geworden war es in der Grundschule. Alle Kinder hatten
schulfrei und die letzten Lehrer verließen ebenfalls das Gebäude.
Nachdem die Putzfrauen mit ihrer Arbeit fertig waren, schloss der
Hausmeister die Türen ab.
Somit war ein Schultag zu Ende, aber nicht für die kleinen
Fehlerteufel. Die warteten nur darauf, dass alle weg waren, um mit
ihrem Werk zu beginnen.
Pauli schnappte sich gleich das erste Heft, das im Lehrerzimmer zur
Korrektur auf einem Stapel lag...
"Hihi, das war ja ein ganz schlauer Junge, ich finde keine Fehler,
na so etwas!" rief er den anderen Fehlerteufeln zu.
"Stimmt, bei mir ist auch nichts!" erwiderte Kalle.
Na, dann werden wir denen mal ganz schnell welche machen, grinste
Pauli und fing an.
Gegen Abend hatten die Beiden ihre Arbeit beendet und versteckten
sich geschwind zwischen den Büchern.
Gegen 8 Uhr betrat Lehrer Müller das Klassenzimmer, schnappte sich
den Heftstapel und machte sich daran, die Fehler zu korrigieren. Er
schüttelte nur noch mit dem Kopf.
"Wie kann das nur sein, der schlaue Carsten hat 50 Fehler? Madline,
65!
Da er in der 3. Stunde in seiner Klasse unterrichten musste,
schaffte er es gerade noch, die Hefte fertig zu bearbeiten.
Als er dann die Klasse betrat, machte er eine sehr bedenkliche
Miene.
"Kinder, was ist mit euch los? So ein schlechtes Diktatergebnis habe
ich noch nie gesehen!
Carsten, buchstabiere doch einmal das Wort Feuerwehrmann."
Carsten stand auf, wie es sich gehörte und buchstabierte:
"F-e-u-e-r-w-e-h-r-m-a-n-n"
"Richtig, aber warum schreibst du im Diktat,
V-ä-u-e-a-r-w-ä-r-m-a-n???"
Entsetzt schaute Carsten die anderen Schüler an, die sich vor Lachen
krümmten.
"Madline, wie schreibt man denn, "es brannte im ganzen Haus"?"
Diese war nun ganz durcheinander, denn was sollte diese Frage, sie
wußte doch wie das geschrieben wurde, denn sie gehörte zu den besten
Schülerinnen.
So ging das nun die ganze Stunde, Fehler, über Fehler und keiner
konnte sich erklären, wie so etwas sein konnte.
Da meldete sich Marius: "Herr Müller, ich habe gehört, wenn
Kinder nicht genug Gemüse essen, sei das nicht gut, vielleicht kommt
es daher, ich mag nämlich keine Gemüse!"
"Kinder dürfen nicht soviel Süßigkeiten essen!" rief Oliver.
"Kinder sollen gegen 10 Uhr ein 2. Frühstück einhalten, weil da der
Zuckerwert im Körper sinkt und sie sich dann nicht konzentrieren
können, sagt meine Mama. Aber das mache ich doch schon" meinte
Madline.
"Stimmt Kinder, eine ausgewogene Ernährung kann auch eine Ursache
sein, aber was ich hier sehe, das ist mehr als merkwürdig! Schlimmer
als Diktate in der ersten Klasse".
Nach dem Unterricht trafen sich alle Lehrer im Lehrerzimmer und
waren sehr ratlos.
Die kleinen Fehlerteufel hatten überall, in jeder Klasse ihre Spuren
hinterlassen.
"Das geht nicht mit rechten Dingen zu, irgendetwas stimmt hier
nicht!" sagte der Rektor, "ich habe heute Morgen Zettel verteilt und
selbst darin waren mehr als 30 Fehler!"
Nachdenklich verließen die Lehrer die Schule.
Kaum war diese wieder abgeschlossen und niemand mehr da, kamen die
kleinen Fehlerteufel aus ihrer Ecke hervor.
Wie freuten sie sich über ihre Tat, jubelten vor Stolz!
Heute hatten sie nichts zu tun, denn alle Lehrer hatten die Hefte
mit nach Hause genommen.
"Oooch, das ist aber langweilig!" maulte Pauli.
"Dann müssen wir uns eben die Bücher vornehmen!" meinte Kalle.
Am nächsten Morgen trafen sich alle Schüler auf dem Schulhof und
diskutierten, was das sein konnte, wie kann jemand soviel Fehler
machen?
Sebastian, der Schulsprecher meinte: "Da hilft nur eins, wir müssen
büffeln! In acht Wochen sind die Zeugnisse fällig, wir können uns
das nicht leisten. Jeder, der besser ist, nimmt sich einen
Schwächeren und übt mit ihm!"
So wurde es dann auch gemacht.
Lehrer Müller wunderte sich, das die Leistungen der Klasse immer
besser wurden.
Wieder schrieben sie ein Diktat. Diesmal ließ Herr Müller die Hefte
nicht liegen, sondern nahm sie mit nach Hause.
Er staunte nicht schlecht, denn drei Fehler, mehr gab es nicht.
"Ich bin ganz stolz auf euch, liebe Kinder!" Sogar Benjamin, unser
kleines Sorgenkind, hat nur drei Fehler! Da ihr so fleißig ward,
lese ich euch heute die Geschichte von der kleinen Hexe vor!"
Er holte sich das Buch aus dem Lehrerzimmer und schlug es auf. Was
ist das denn? Er erschrak furchtbar, denn es stand da: "Di klaine
Häkse"
Herr Müller musste sich erst einmal hinsetzen, der Schreck war zu
groß für so einen gelehrten Mann!
Was sollte er jetzt tun? Alle Schüler schauten ihn an! Der artige
Carsten ging zu ihm hin und fragte, ob ihm etwas fehlte.
Herr Müller konnte nicht sprechen, zeigte ihm das Buch! Entsetzt gab
Carsten es weiter.
"Habt ihr schon mal etwas von Fehlerteufeln gehört?" fragte Anne
plötzlich.
Alle sahen sie erstaunt und fragend an. Nein, davon hatten sie noch
nichts gehört.
"Das müssen die aber gewesen sein, denn solche Fehler macht kein
Autor und kein Verleger gibt solch ein Buch heraus, indem so viele
und dumme Fehler sind!"
Lehrer Müller hatte sich wieder gefasst und stimmte zu.
"Ja, liebe Kinder, das könnte es sein. Für heute machen wir erst
einmal Schluss und werden morgen darüber reden."
Im Lehrerzimmer herrschte Aufregung, was konnte man tun?
Der Rektor befahl, das alle Lehrer fortan die Hefte zu Hause
korrigieren und die Bücher auch nicht mehr in der Schule liegen
bleiben sollten.
Tatsächlich, nachdem die Fehlerteufel bis zu den Ferien nichts
mehr zu tun hatten und in den Ferien sowieso vor lauter lange Weile
verzweifelten, beschlossen sie, die Schule zu verlassen und
vielleicht wo anders ihr Unwesen zu treiben. An dieser Schule waren
sie jedenfalls nicht mehr zu sehen.
M O N D K I N D E R
von Grygierek, Hildegard
Hallo Kinder, hallo MJndkinder. Das seit Ihr doch, oder? Was
MJndkinder sind wollt Ihr wissen? Tja also, das sind Kinder, die in
ihrem Bettchen liegen und darauf warten, dass Mama, Papa, Oma oder
Opa noch eine Geschichte vorlesen. Eine Gute-Nacht-Geschichte.
Es sind aber auch die Kinder von dem Mann im MJnd. Den kennt ihr
doch. Schaut mal dem MJnd in sein großes, rundes Gesicht, dann könnt
ihr ihn sehen. Seine Kinder habt ihr deshalb noch nicht gesehen,
weil sie so klein sind. Natürlich nicht zu klein zum Spielen, und
wie sie spielen. Die liebe lange Nacht, wenn auf der Erde alle
Kinder träumen, ist da oben richtig was los. Ihr müsst wissen,
MJndkinder schlafen tagsüber wenn die Erdenkinder im Kindergarten
oder in der Schule sind. Nein, nein, ihr müsst nicht denken, dass
die es gut haben, so ist es nun ganz und gar nicht. Stellt Euch nur
mal vor, wenn ihr der Mama eine Juniortüte von Mc. Donalds
abgeschwatzt habt und anschließend noch bei „Toys are us“
rumstöbert, müssen die MJndkinder schlafen. Auch nicht so toll.
Außerdem gibt es auf dem MJnd keine Fritten, keine Cola, kein Kino
und was das Schlimmste ist, kein Handy. Aber MJndstaub gibt’s..
MJndstaub ist das Lieblingsspielzeug aller MJndkinder, mit MJndstaub
kann man nämlich zaubern. Wünsche herbeizaubern. Man braucht nur
eine Handvoll Staub in die Höhe werfen, sich was wünschen und schon
geht der Wunsch in Erfüllung. Toll was? So kam es schon mal vor,
dass sich eines der MJndkinder den Tag herbeiwünschte. Und das
mitten in der Nacht, jedoch in der Erdennacht. Da jeder Wunsch
erfüllt wird und sei er noch so außergewöhnlich oder außerirdisch,
geschah etwas sehr merkwürdiges. Auf der Erde wurde es taghell,
während sich der MJnd verdunkelte. Klitzi, das jüngste Kind des
MJndmannes war eigentlich noch viel zu klein zum Wünschen, aber es
wollte schließlich genauso gut sein wie die Großen. Na, ihr könnt
euch sicher vorstellen was es für Schelte gab, als es so mir nichts
dir nichts dunkel wurde und das mitten am MJnd- Tag. Ausgerechnet in
dem Moment als der MJndmann gerade damit beginnen wollte, seine
Arbeit in einem MJndkrater aufzunehmen wurde es stockduster. Auch
auf der Erde herrschte helle Aufregung. Alle Kinder wurden geradezu
aus ihren Träumen gerissen. Kein Wunder, wer kann schon bei
Sonnenschein schlafen?
Klitzi konnte es kaum fassen, was sein Wunsch angerichtet hatte. Auf
der Erde war es hell und auf seinem Heimatplanet dunkel. Was die
Kinder jetzt da unten wohl denken, wollte Klitzi wissen. Erneut warf
das kleine MJndkind eine Handvoll MJndstaub hoch und wünschte sich
ein Handy herbei. So geschah es . Klitzi hielt ein klitzekleines
Handy mit dem Firmennamen „Aikon“ in der Hand. Ein echt wundersames
Handy, von dem die Erdenkinder nur träumen können. Und stellt euch
vor, eine Telefonnummer wurde gleich mitgeliefert. Klitzi zitterte
vor Aufregung, dass es ihm kaum möglich war die winzigen Tasten zu
bedienen. Aber dann, endlich. Es meldete sich Tini, ein echtes
Erdenkind. Mit zittriger Stimme stellte sich Klitzi als MJndkind
vor. Tini glaubte natürlich weder an den Mann im MJnd, noch an
MJndkinder und erst recht nicht an Marsbewohner. Oder vielleicht
doch? Also, so viel wie ich weiß, sind Tini und Klitzi echte Freunde
geworden. Von wem ich das weiß? Von Tinis Papa, er hat mir die
Handyrechnung gezeigt. So wie die aussieht, besteht kein Zweifel,
dass Tini einen Freund im MJnd hat.
Kurt Knoblauch ist stinkig
von Grygierek, Hildegard
Kurt Knoblauch ist stinkig
Jeder weiß, dass man Knoblauch nicht im Kühlschrank lagert. Nur
Frau Grünhuber scheint noch nichts davon gehört zu haben.
So kam es, dass Herr Kurt Knoblauch in ihrem Kühlschrank schweren
Anschuldigungen ausgeliefert war.
Frau Grünhuber, ehrlich gesagt, nicht sehr viel Ahnung von jungem
Gemüse, legte nach ihrem Einkauf die Knolle in das Gemüsefach ihres
Kühlschranks, direkt neben der schlanken und zierlichen Rosa Möhre.
„Äh, Bäh“, zeterte sie, „wie kann man nur so stinken? Sie sollten
sich mal zwischen den Zehen waschen!“
Herr Knoblauch, zutiefst bestürzt, rollte etwas näher an das
Möhrchen heran. „Ich brauche mich nicht waschen, Sie – Sie Möhre
Sie. Ich bin nämlich in Pelle, ähm, in Schale, aber Sie, Sie
eingebildete Wurzel haben wohl vergessen wo sie herkommen?“
Verlegen zupfte das Möhrchen an ihrem Grün, „Nein, das habe ich
nicht. Meine Wurzeln liegen im Münsterland, bei einem Ökobauern mit
bestem Ruf“.
„Das ändert aber nichts an der Tatsache“, meinte Kurt Knoblauch,
„dass sie aus dem Dreck kommen. Sie haben ihn sogar noch am Kinn!“
Schamröte schoss der Wurzel ins Gesicht. „Das kann nicht sein, ich
bin gründlich gewaschen worden“, erwiderte Frau Rosa Möhre und
versuchte sich in den blanken Boden der über ihr stehenden Milchdose
zu spiegeln. Da, tatsächlich, ein Krümelchen Münsterländer Erdreich
schmückte wie ein Muttermal ihr winziges Kinn.
„Das ist ein Schönheitsfleck, sie stinkendes Ungeheuer. Oben Hui und
unten Pfui, das sind mir die richtigen“, wetterte Frau Möhre.
„Was sind sie doch für eine ungehobelte Möhre. Aber was sage ich,
sie kann man ja nicht einmal hobeln, dafür sind sie viel zu dünn und
zu klein“, regte sich die Knolle auf.
Das Geplänkel im Gemüsefach wollte einfach nicht enden, bis sich
eine Schlangengurke einmischte.
„Also, ich bin zwar noch etwas grün hinter den Ohren, aber das kann
man sich ja nicht mit anhören. Bevor Frau Grünhuber mich zu Salat
verarbeitet, werde ich ihr ganz gehörig die Meinung sagen.
Knoblauchknollen haben im Kühlschrank nichts verloren und Tomaten
erst recht nicht.“
„Ja, ja, ja,“ schnatterten die kleinen Kirschtomaten, „das ist eine
gute Idee, wir wollen hier raus. Unsere Kleinste ist schon fast
eingefroren und verduftet ist auch unser schöner Duft“.
Frau Rosa Möhre schmollte noch ein wenig über die Frechheiten von
Herrn Kurt Knoblauch, aber letztendlich gab sie sich zufrieden.
Der Gurke sagte man Verlässlichkeit nach, was die Fleischwurst im
oberen Fach bestätigte. Somit konnte sie darauf hoffen, vom
ausgehenden Dunst der Knoblauchknolle in nächster Zeit befreit zu
sein.
Bei der Annäherung des Kühlschranks sollte Frau Grünhuber ihr blaues
Wunder erleben. Noch bevor sie den Griff betätigte, schlugen ihr
Endlosbeschwerden nur so entgegen.
Aber einsichtig und gelehrig wie sie sich zeigte, war sie sofort
bereit das Gemüse korrekt zu lagern. Somit kamen die Zwiebeln
zusammen mit Herrn Knoblauch ins Körbchen, die italienischen
Kirschtomaten mit den Spaniern in eine Schüssel auf dem
Küchenschrank und die dicken Kartoffeln in den Keller. Milch,
Joghurt, Wurst und Käse räkelten sich vor Freude in ihrer kühlen
Umgebung und schienen glücklich darüber, frisch und ohne
Beigeschmack verzehrt zu werden.
Hochzeit in der Besteckschublade
von Grygierek, Hildegard
Es waren einmal zwei Gabeln, die lebten in der Besteckschublade
eines italienischen Restaurants.
Die eine hieß „Gabella“ und war eine schöne schlanke Kuchengabel,
wurde manchmal aber auch für Tiramisu vorgelegt, bei der anderen
handelte es sich um „Gabello“, einer Fleischgabel.
Beide mochten sich schon seit ewig langer Zeit, konnten aber einfach
nicht zusammenfinden.
Während die schöne Gabella Rücken an Rücken mit Gleichgesinnten das
enge Fach der Besteckschublade teilte, lag Gabello zwischen
Tortenhebern und Suppenkellen ziemlich weit von ihr entfernt.
Unüberwindbar schien die Strecke zu sein, die sie von einander
trennte. Hinzu kam, dass die anderen Kuchengabeln sie in der Mitte
hielten, was ihr jedwede Bewegungsfreiheit nahm. Regungslos schien
auch ihr Liebster unter einer kugelrunden schweren Kelle zu liegen,
die ihn fast erdrückte.
So war es ihnen leider nur möglich, sich hin wieder ein Auge
zuzuzwinkern, was ihnen aber nicht ausreichte. Schließlich waren sie
ineinander verliebt und wollten sich auch mal gerne aneinander
reiben. Die anderen Bestecke taten es ja auch, zum Beispiel das
Schmiermesser mit dem Honiglöffel. Obwohl sie überhaupt nicht
zusammen passten, das meinten übrigens auch die großen
Tranchiermesser, fand der Koch sie immer wieder zusammengeklebt in
der äußersten Ecke der Schublade.
„Wenn das noch einmal vorkommt“, meinte er, „dann werde ich dafür
sorgen, dass ihr demnächst eine ordentlichen Wäsche im
Geschirrspüler bekommt!“
„Armes Schmiermesser“, dachte Gabella und schmiss ihrer verehrten
Fleischgabel einen verliebten Blick zu.
Gabello, schon seit Tagen vom Koch vernachlässigt, hatte eine Idee.
Fest entschlossen das niedliche Kuchengäbelchen zu heiraten,
rebellierte er in der Schublade. Hin und her warf er sich, unter der
Kelle, dass es nur so schepperte.
„Mama Mia“, wunderte sich der Küchenjunge, „wasse issene los in die
Lade mit die Besteckene?“
Sein „O sole mio“ sollte ihm vergehen, denn als er die Lade aufzog,
stahl sich die Fleischgabel hervor, ihn kraftvoll zu pieksen. „Was
hast Du? In zu heiße Tomatensoße gerührtene, oder was?, regte sich
der Küchenjunge auf.
„Hör gut zu“, drohte ihm Gabello, „Du wirst nie wieder Pasta kochen,
wenn Du mir nicht hilfst ans Kuchengäbelchen zu gelangen.“
Vor Schreck ließ Peppino, der Lehrling, die Spaghetti für die Gäste
zu weich kochen. Das sollte Ärger mit dem Koch geben. Wenn sich
nämlich herausstellte, dass er auch im dritten Lehrjahr die Nudeln
immer noch nicht „al dente“ kochen konnte, war ein Wechsel der
Lehrstelle unausweichlich.
Die Schwägerin des Chefkochs brauchte nämlich für ihren Hundesalon
noch jemanden zum Gassi-Gehen. Also, entweder blitzschnell bissfeste
Nudeln herbeizaubern, oder sich in Zukunft von verwöhnten Pudeln
beißen lassen.
„Verstehst du Peppino, ich will Gabella, die süße Kuchengabel
heiraten. Aber bevor ich ihr einen Heiratsantrag mache, möchte ich
gerne ein wenig mit ihr allein sein. Wenn Du mir behilflich bist,
werde ich dir helfen die Gäste und den Koch zu überraschen.“
Gabello, der ohne Akzent sprach da er aus Solingen stammte, glänzte
edel wie Stahl aus der Besteckschublade -vor lauter Aufregung.
„Aber wie“, fragte der kleine Küchenjunge völlig verstört, „wie
kanne das funktionierene, he?“
„Das ist ganz einfach“, versuchte Gabello ihn zu überzeugen, „ich
werde das gesamte Besteck aus der Schublade an ihre Lieblingsplätze
beordern. Du brauchst den Gästen das Ganze dann nur noch auftischen.
In der Zwischenzeit kocht Luigi ein Festmahl.“
Luigi war der verliebten Fleischgabel bester Freund. Sie kannten
sich aus einem Nobelhotel an der Adria und als Luigi damals die
Stelle wegen Langfinger wechseln musste, nahm er Gabello kurzerhand
mit.
Gabello zitierte sämtliche kleine Löffel an die Puddingschälchen,
alle Gabeln, husch husch neben die Pastateller, Suppenlöffel- marsch
an die Suppentassen für Minestrone und so weiter und so weiter...
bis er und seine heißgeliebte Gabella ganz allein in der Schublade
lagen.
Endlich konnte sich die kleine Kuchengabel an ihre große Liebe, der
schön geschwungenen Fleischgabel schmiegen und beide waren glücklich
und zufrieden.
Neun Monate später brachten sie sechs kleine entzückende
Mokkalöffelchen zur Welt und wurden zur speziellen Freude Luigis zu
ihm mit nach Hause genommen.
Es war einmal ein Power
von Grygierek, Hildegard
Volter und Wattilde verschenken Strom Auf einer kleinen Insel
namens Power-Island am Ende des Atlantiks,
lebten vor gar nicht langer Zeit das gefürchtete Piratenehepaar
Volter und Wattilde. Nachdem das Piratenleben ganz aus der Mode
gekommen
war, beschlossen sie sich zur Ruhe zu setzen. Da aber beide noch so
viel Power hatten, überlegten sie den lieben langen Tag wie die
überschüssige
Energie denn nur verbraucht werden könnte. Eines morgens, Wattilde
war gerade damit beschäftigt das Frühstück aus dem Meer zu fischen,
steckte
ihr eine schnäbbelige Möwe das Neueste vom Tage. Auf der
Nachbarinsel „Millimol“, welche nur eine Kabellänge entfernt lag,
weinten aus irgend-
einem Anlass alle Kinder. Ohne lange zu zögern beauftragte Wattilde
ihren Mann, sofort das Floß aus der Garage zu holen. Mit Vollgas
jagten sie über
die Wellen, was selbst den vorbeiziehenden Delphinschwarm vor Neid
er- blassen ließ. Ein Wal, der die Hetzjagd gegen den Strom
beobachtete, prustete
vor lauter Zorn eine riesige Wasserfontäne in die Höhe. Volter blieb
völlig unbeeindruckt und trat das Gaspedal noch fester durch, so
tief, dass es fast
den Meeresboden berührte. Zwar galt auch auf den Weltmeeren eine
Geschwindigkeitsbegrenzung, aber grundsätzlich nicht in
Ausnahmesituationen.
Auf Millimol angekommen traf es Volter und Wattilde wie ein
Stromschlag. Tat- sächlich weinten alle Kinder um die Wette und auch
die Erwachsenen konnten
sich nicht länger zurückhalten. Volter ließ direkt den
Insel-Ältesten ausrufen um endlich den Grund der herzerweichenden
Traurigkeit zu erfahren. Während
Wattilde fürsorglich schon mal ein paar besonders verheulte Kinder
tröstete, berichtete der Älteste von dem unglaublichsten Diebstahl
aller Zeiten. Des Nachts klauten doch wahrhaftig skrupellose Diebe
den gesamten Strom der Insel. Zuerst bemerkte es sein kleiner Enkel,
da er sich am Morgen mit seiner elektrischen Zahnbürste die Zähne
putzen wollte. Das arme Kind wurde wegen der lahmen Zahnbürste von
Weinkrämpfen direkt geschüttelt. Aber es sollte noch viel schlimmer
kommen. Kein einziger Inselbewohner konnte vom Radiowecker aus dem
Tiefschlaf geholt werden, was unweigerlich dazu führte, dass weder
heißer Kakao noch Toast auf dem Frühstückstisch standen. Tränen
kullerten nicht nur aus den Augen betroffener Kinder; Unmengen von
Wasser triefte auch aus dem Bullauge regungsloser Waschmaschinen.
Dies hatte wiederum tränenüberflutete Gesichter von unschuldigen
Frauen zur Folge. Überaus tapfer bewiesen sich dagegen alle
Schulkinder, worüber sich der Älteste beson- ders stolz zeigte. Weil
wegen dem Stromausfall auch der Unterricht ausfiel, schafften sie es
tapfer, sich bis zur letzten Batterie mit Gameboy-Spiele die
Langeweile zu vertreiben.
Das einzigste was wirklich noch unter Strom stand, waren die Lehrer.
Und natürlich Volter und Wattilde, die in ihrer gesamten
Piratenlaufbahn einen derart gemeinen Raub noch nicht erlebt hatten.
„Wer Strom klaut ist zu allem fähig“, empörten sie sich und
versprachen Abhilfe zu schaffen, noch vor Beginn der Aufbauarbeiten
für die Kirmes. „Eine Kirmes ohne Strom, ist wie ein Ozean ohne
Wasser“, stimmten alle Inselbewohner zu einem Lied ein, wobei sie
Volter und Wattilde jubelnd auf Händen zurück zum Floß trugen. Mit
einem Affenzahn paddelten sie mit der Schnelligkeit des Stroms
zurück nach Power-Island, um von dort aus riesige Kabel zur
Nachbarinsel zu verlegen. Selbstverständlich unter Wasser und auf
gar keinen Fall in Sichtweite irgendwelcher hinterhältiger Diebe.
Auf einmal waren alle bereit mit anzufassen um der Millimoler
Bevölkerung zu helfen; die Delphine, der sonst vor Neid geplagte Wal
und eine Robben-Familie mit ihrer anhänglichen Verwandtschaft. Sogar
die Kraken ließen es sich nicht nehmen, mit angedockten Stöpseln die
Kabel zu ziehen. Für aktuelle Berichterstattung waren die Möwen
zuständig, was sie übrigens tratschend gerne taten. Dass es durch so
viel Unterstützung noch am gleichen Abend gelang, die ausgebeutete
Insel wieder mit frischem Strom zu versorgen, kann man sich wohl
denken. Ihre Dankbarkeit drückten die Millimöler mit einem
supermodernen Laserschriftzug am Himmel aus:
„K e i n L e b e n o h n e S t r o m“
Volter und Wattilde waren zutiefst gerührt, zumal sie doch bloß ihre
überschüssige Energie loswerden wollten. Und wenn sie nicht
gestorben wären, würden sie anstelle der Elektrizitätswerke den
Strom liefern.
E l f i e, die E l f e
von Grygierek, Hildegard
Immer wieder holte sie sich kalte Füße, die kleine Elfie.
Vorwitzig wie sie nun mal war, drängelte sie sich den ersten warmen
Sonnenstrahlen entgegen und flatterte, ähnlich wie Schmetterlinge,
über jedes erste herauslukende Schneeglöckchen.
Obwohl es draußen noch eisekalt war, machte sich die kleine
unsichtbare Fee über jede Blüte her und schwirrte auf deren Köpfen
herum. Ihr Kinder müsst wissen, diese zarten kleinen Wesen können
nur von ganz außergewöhnlichen Menschen gesehen werden.
Man könnte sagen, dass Elfie sich so als eine Art „Frühlingsbotin“
berufen fühlte, was sie dazu bewegte grundsätzlich als Erste das
Winterschlafbettchen zu verlassen.
Ausschau nach Blüten halten zählte nun mal zu den Aufgaben einer
Frühlingsbotin.
Wo also Klein-Elfchen auftauchte, hatte der Winter nicht mehr viel
zu melden. Fasziniert von der Schönheit der kleinen weißen
Glöckchen, hervorgeholt kraft wärmender Sonneneinstrahlung, schlug
sie vor Freude gleich mehrmals hintereinander mit den Flügeln. „Was
die Sonne an den Tag zu bringen vermag grenzt ja schon fast an
Zauberei“, johlte sie durch den Vorgarten. Womit sie Recht hatte,
denn jener von der Blütenpracht ausgehende Zauber erwärmte die
Herzen aller. Ja, und die warmen Sonnenstrahlen Elfies winzig
kleinen kaltgefrorenen Füße.
Sie gab zwar zu eigentlich lieber im Frühling über Maiglöckchen
umherzuschwirren, aber da kam es doch wahrhaftig schon mal vor, dass
die Hausbesitzerin beim Abschneiden der graziösen Pflänzchen Elfies
zarten Flügel streifte.
Frau Stulpennagel, die Hauswirtin, im Begriff ihre Kaffeetafel mit
einem Sträußchen Maiglöckchen feierlich zu schmücken, hätte sie
beinahe mit ihrer Gartenschere in den Flügel gezwickt. Zum Glück kam
Elfie noch mal mit einem blauen Flügelchen davon und einem
Riesenschreck natürlich.
Das hielt sie aber nicht davon ab, im Sommer über den dicken
Rosenstrauch mit englischen gelben Rosen wie verrückt mit den
Flügeln zu schlagen - um die Wette mit ihren gleichaltrigen
Freundinnen.
Frau Stulpennagel liebte diesen Rosenbusch ganz speziell, wegen dem
Duft und der Romantik die von ihm ausging. Genauso wie die
Elfenkinder streichelte sie Blüte für Blüte übers Köpfchen und auch
schon mal versehentlich eins der Elfenkinder. Wie sollte sie auch
wissen..... Oder vielleicht doch? Wusste sie dass die gelben Rosen
mit ihrer Leuchtkraft Elfen, insbesondere Elfenkinder anziehen? Ganz
bestimmt war sie sich dessen bewusst, was das zartfühlende
Streicheln erklärt und ihr liebevolles Lächeln.
Selbst blieben ihr eigene Kinder vergönnt, weshalb sie ihnen auch
besonders zugetan war. Am meisten aber liebte sie die winzigen
Elfenkinder. Und.. was glaubt Ihr, wovon die Winzlinge keinen
blassen Blütenschimmer hatten? Sie ahnten überhaut nicht, dass
besonders sensible Menschen derart kleine Kreaturen sehen
konnten.......aber wirklich nur ganz fühlige. So wie Frau
Stulpennagel, die sogar vom Lieblingsgetränk der Elfen wusste.
Und.... was glaubt ihr was es sein könnte?.............. Neeeeeeein,
nicht so ganz.
Saft von Kleeblumen!!! Unfassbar, nicht wahr? Kann man natürlich nur
im Sommer schlemmen, was Elfenkinder auch liebend gerne tun. Am
Stengel, der als Strohhalm dient, ziehen sie den köstlichen Saft
heraus.
Jetzt wollt ihr natürlich erfahren, woher Frau Stulpennagel das
wusste.
Das ist ganz einfach zu erklären. Sie hatte hinter ihrem alten,
wunderschönen Haus eine großflächige Wiese angelegt, vorherrschend
aus Kleeblumen. Und niemand, auch nicht Nachbars Hund durfte den
Rasen betreten. Von einer Bank aus, die sie eigens dafür aufgestellt
hatte die kleinen Feen beim Schlürfen zu beobachten, saß sie im
Sommer den lieben langen Tag bis zum Sonnenuntergang
Ein Hecht im Goldfischteich
von Grygierek, Hildegard
Um einen echten Weiberhecht handelte es sich bei Fred Hechtig.
Gerade erst im Gartenteich ausgelassen, ließ er sich an die
weiblichen Goldfischchen aus.
Das Herz von Frau Rosenrübli schlug schon immer für einen Zierhecht,
dann aber, praktisch nach ewig langem Hin und Her, fasste sie sich
ans Selbe und schlug zu. Natürlich nicht auf den Hecht. Der ihrer
Meinung nach bestechendschöne Hecht aus der Tierhandlung, stierte
sie durch die Glaswand des Aquariums derart ersuchend an, dass sie
nicht anders konnte als ihn käuflich zu erwerben.
Was sie aber nicht wusste, dass Fred -der Hecht- ein echter Jäger
war.
Ungeniert machte er sich, auch schon während seiner Aquariumszeit,
an alles ran was durch besonders schön glänzende Schuppen auffiel.
Kein Wunder, dass die Zooladenangestellte vor Freude wie verrückt
mit dem Käscher Frau Rosenrübli hinterher winkte.
„So ein aufdringlicher Fisch ist mir ja noch nie in den Teich
gekommen“, bereute Frau Rosenrübli bereits am zweiten Tag ihren
Fehlkauf.
„Hör mal zu, du schlüpfriger Hecht, wenn du nicht aufhörst den
Goldfischdamen nachzujagen, kommst du in die Pfanne,“ schimpfte sie
das Zierstück von Fisch aus.
„Alles klar, Lady“, schleimte sich Fred bei seiner Herrin ein und
prustete ihr eine Wasserfontäne zu.
Kaum hatte sie sich weit genug vom Ufer entfernt, zog Fred kreisend
um die hilflosen Goldfischchen.
„Naaaa, ihr schönen Gold-Mädels, schon mal so einen tollen Hecht wie
mich gesehen?“, gab er an wie zehn nackte Regenbogenforellen.
„Du brauchst dich gar nicht so in die Schuppen zu werfen, du Jäger,
du Räuber. Wir wissen ganz genau was du für einer bist. Auffressen
willst du uns, mit Haut und Gräten, nicht wahr?“, flüchteten die
zarten Goldfischchen vor ihm in die äußerste Teichecke.
„Ja, aber nur aus Liebe. Ihr seid ja so goldig, da kann ich gar
nicht anders“ , erwiderte der Hecht.
Verängstigt riefen die Goldfischmädchen um Hilfe: „Ist denn hier
keiner, der dem Schleimer was auf die Flosse haut?“
„Habt keine Angst Mädels“, klapperte die alte Süßwassermuschel, „das
ist ein Angeber, ich kenne ihn von früher. Der hat sich schon immer
an alles rangemacht, was Flosse und Schuppen hat. Er kann euch
nichts anhaben, glaubt mir, er ist nur ein kleiner Zierhecht.“
„Hoch, Du alte klapprige Muschel, halte bloß die Klappe,“ wütete
Fred heftig im Teichgrund, wobei er ordentlich vom Boden
aufwirbelte.
„In Grund und Boden solltest du dich schämen, du oller Weiberhecht“,
schimpfte die Muschel zurück, „die Mädels so zu erschrecken“.
„Was ist hier los?“, erkundigte sich Liesel Liebel, die Libelle,
welche es sich gerade auf einem Seerosenblatt bequem machen wollte.
„Wer erschreckt hier hilflose Goldfischmädels?“
„Fred Hechtig bildet sich ein, der Größte seiner Sorte zu sein und
will den Goldfischchen an die Schuppen“, verteidigte Konrad der
Wasserfloh die hübschen Fische.
„Wie edel von dir Konrad und das obwohl wir dich schon so lange auf
den Kieker haben“, meinte Susi eines der Goldigsten. „Demnächst
Kinder, essen wir nur noch das Futter von Frau Rosenrübli“,
bestimmte sie und selbstverständlich stimmten alle anderen zu.
Für Fred Hechtig war die Zeit des Umschwänzelns somit versiegt. Es
blieb ihm nichts anderes übrig, als friedlich in Erinnerungen an
seiner Verflossenen in der Aquariumszeit im Zooladen zu leben.
Damals, als er noch herumjagte wie ein wilder Hecht, hätte ihn kein
Wässerchen trüben können - aber da bekam er auch nicht täglich was
auf die Kiemen.
Charlotte, das Zwiebelchen
von Grygierek, Hildegard
Es war einmal eine kleine Zwiebel, welche mit ihren Eltern die
Zwiebelkiste im Keller einer wohlhabenden Familie bewohnte.
Natürlich als Untermieter, denn umgänglich wie Zwiebeln sind,
bringen sie gern in Cliquen Menschen zum Weinen. Als überaus
interessiertes Zwiebelkind galt es für Charlotte, regelmäßig die
Kellerräume zu durchforschen. Wenn Mama und Papa sich besonders
hübsch herausgepellt hatten, um sich beispielsweise bei einer
Lagerapfel-Party im Weinkeller zu amüsieren, kullerte „Lotte“, wie
Papa sie manchmal auch nannte, zum Vorratskeller. Natürlich erst
nachdem die Eltern gegangen waren. Papa sah es nämlich nicht so gern
wenn sie überall ihren Duft verströmte und machte sich immer große
Sorgen. Es könnte ja mal vorkommen, dass jemand aus der
herrschaftlichen Familie des Abends noch Bratkartoffeln mit Zwiebeln
essen wollte und versehentlich dabei nach Charlotte griff.
Wie Kinder nun mal sind, wissbegierig und voller Abenteuerlust,
kullerte sich die Kleine leise durch sämtliche Kellerräume und
machte vor dem Vorratskeller halt. Sooo viele schöne bunte
Einmachgläser hatte sie noch nie gesehen, was da wohl drin war?
Lotte versuchte am Sauerkrautfass hochzuklettern und wäre um
Himmelswillen....... beinahe fast hingefallen. Also, den säuerlichen
Geruch mochte sie nun gar nicht, aber irgendwie kam er ihr bekannt
vor. Ja, da fiel es ihr wieder ein. Ihr Onkel, eigentlich eine
Salatzwiebel, musste gleich nach Weihnachten wegen einem
Sauerkohleintopf aus der Pelle und in den Topf. Charlotte schüttelte
sich bei dem Gedanken, dann war ihr ein siedendheißes Ölbad schon
lieber, für eine leckere Sosse oder als Beilage. Als Lotte neugierig
die Blicke übers vollgepackte Regal schweifen lies, traute sie den
Augen kaum. Viele kleine ihrer Artgenossen hockten dicht
aneinandergepresst in eines von vielen Gläsern fest unter
Verschluss. Eine Kakellake welche vorwitzig aus einem Reissack
schaute meinte, dass sie noch nicht so lange in Gefangenschaft
wären, und unreif für ein Festmahl sind. Nun aber mal langsam, was
heißt hier überhaupt „Gefangenschaft“ und „Festmahl“, wollte
Charlotte wissen. Die vollgefressenen Kakellake zeigte nur wenig
Verständnis für derart komische Fragen und unterstellte der Kleinen
Schalenfreude, außerdem nur Stunk verbreiten zu wollen. Beleidigt
zog sie ab, auf die Ameisenstraße Richtung Kartoffelkeller.
Hoffentlich fällt ihr eine dicke Pellkartoffel auf die Rübe, dachte
das Zwiebelkind und schickte noch eine Extra- Dunstwolke hinterher.
Asseln sind ja da ganz anders. Freundlich bot „Selma“, die fetteste
aber auch netteste ihrer Rasse, Hilfe an. Anschauungsunterricht war
schon immer ihre Stärke und der hübschesten aller kleinen Zwiebeln
die sie je gesehen hatte, eine Unterrichtsstunde wert. Liebenswürdig
führte Sie Charlotte durch das Labyrinth von Einweckgläser, wobei
sie mit gefälligen Erklärungen zum Besten gab. Von Rote Beete über
Erbsen mit Möhren, Stangenbohnen und Saure Gurken wusste sie zu
berichten und natürlich wie sie dort hineingekommen waren. Selma
kannte sogar jeden einzelnen Lebenslauf, vom Keimling bis zur
Vollendung. So einer schlauen Assel war Lotte noch nie über die Füße
gelaufen. Als Selma begann übereifrig von Silberzwiebeln in
süß-saurer Lake vorzubabbeln, war Charlottes Begeisterung über ihr
Wissen wie verduftet. Speiübel wurde es ihr bei dem Gedanken
eingequetscht unter ihren Leidensgenossen zu versauern. In
Windeseile machte sie sich aus dem Kellerstaub, rollte in einem Zug
an sämtliche Kellertüren vorbei um direkt vor ihrer gewohnten
Umgebung unter Vollbremsung zu stoppen. Mit gleichem Schwung hüpfte
sie in die Kiste, kuschelte sich fest an die Schale Ihrer Cousine
und träumte davon, als Steckzwiebel wieder in das Gartenbeet zu
dürfen.
Albatros
von Dusselmann
Es wendet sich getrost zu Wort der Spielgefährte Albatros: "Was
wundert's mich, du bist schon längst gegoren, gefesselt in des
Meisters Stube, ja ganz unverfroren
dem Gesetze überlassen. Die Natur ist deines Meisters Schmied und
lässt dich's schnell bereuen, hast du einmal Mist gebaut. Drum
lausche meinem Wort und handle mit Bedacht. Denn du bist schneller
schon bestraft, als du je gedacht."
"Aber Albatros, ja Albatros, mein liebster Spielgefährt', was kränkt
dich so, was macht' ich denn verkehrt?"
"Nun, siehst du nicht die Blätter welken, siehst du nicht wie alles
was einst je geschaffen zu Grunde geht und bricht? Hast
deinesgleichen nie geliebt, nie geehrt, Mensch! Und nun, so dass
sich deine Zeit dem Ende neigt fragst gar du ganz unbesonnen nach
dem Sinn der Greueltat, welcher die Schande schon gen Himmel
schreit?"
"Aber Albatros, ja Albatros, magst du denn nicht die Sonne sehen,
den Mond verschmähen, solange es noch Tag? Muss ich schon weichen,
alsbald der Friede scheint gebrochen?"
"Du bist aller Laster Quelle, der Ursprung allen Leidens. Bist nie
zufrieden, nie ist jemals dir was recht. Zerstörst und machst nach
gutem Dünken, gehst an die Grenzen der Natur. Das ist nicht der
rechte Weg! Werd dir doch endlich mal bewusst, dass die Natur auch
ohne dich, doch du nicht ohne sie dein heil'ges Leben leben kannst.
Drum geb ich dir noch einmal Zeit, in Ruh' darüber nachzudenken.
Doch denke nicht, die Zeit ist lang; sie meint's nicht gut mit dir!
Dein Leben wird dir nur deine eigne Einsicht schenken.
Die Schönheit der Iris
von Blauwal
Sie gingen durch den Park und verweilten, das Ge-spräch
unterbrechend, an einem Beet, auf dem hun-derte von Iris die beiden
einluden, sich an der Schönheit ihrer rotblau-violettgelben Blüten
zu er-freuen. M. tauchte seinen Blick in diesen Farben-schein, der
diese Ecke des Parks ganz einnahm und ihm ein besonderes Licht
verlieh. Sein Begleiter be-obachtete ihn still. Er freute sich, daß
die er-hoffte Wirkung der Blumen eingetreten war. Vielleicht war es
die große Zahl der Blüten, die M. so faszi-nierte, es konnte auch
die Lage dieses Stückchen Landes gewesen sein, leicht ansteigend, so
daß sie, am Fuß des Hanges stehend, die ganze Fläche mit einem Blick
erfassen konnten. Die Sonne hatte sich hinter eine Wolke
zu-rückgezogen und es schien, als strahlten die Farben der Blüten
noch intensiver, als gäben sie das ihnen geschenkte Licht doppelt
und dreifach zurück. M. bückte sich und umfaßte die Blüte der ihm am
nächsten stehen-den Pflanze, roch daran und betrachtete sie, als
hätte er sie noch nie gese-hen. Hatte er sie bisher immer als schöne
Blume erlebt, die einfach da war und nach einiger Zeit ver-welkte,
so hatte er jetzt den Wunsch, mehr von ihr zu sehen und zu wissen.
Andere Blüten wie die der Tulpe, des Buschwind-röschens oder die
eines Kirschbaumes öffnen sich dem Betrachter, sind klar und
verständlich. Die Iris wirkt geheimnisvoll in ihrer farbigen
Verschlossenheit. Was mag sie dem Be-trachter vorenthalten? M.
fragte seinen Begleiter, ob er sich eine Blume neh-men dürfe. Es
müsse doch möglich sein, hinter das Geheimnis ihrer Schönheit zu
kommen, wenn die Blüte geöffnet würde, wenn erkennbar würde, wie
sich ihr Inneres dem Äußeren mitteilt. Erst der Blick in das Innere
offen-bart das Ganze und der Betrachter weiß erst dann, was die
Schönheit dieser Blüte ausmacht. Sein Be-gleiter, der diese Wünsche
geahnt hatte, gab ihm Schere, Skalpell und Lupe und setzte sich auf
einen Baumstumpf und wartete. M. begann behutsam die Kronblätter zu
öffnen, dann schnitt er sie der Länge nach auf, schließ-lich quer,
er schnitt in den Blütengrund, er zählte die Staubblätter und roch
im-mer wieder an den Blü-tenteilen; einmal leckte er auch am Innern
der Blüte.
Nachdem M. alles unter-sucht hatte, sagte sein Begleiter:
"Du hast nun alles gese-hen, gerochen, ge-schmeckt und gefühlt, hast
zerschnitten und bist bis ins kleinste Detail der Blüte
vorgedrungen. Be-schreibe mir nun die Schönheit dieser Blüte."
M. blickte auf die überall herumliegenden zerstückelten Blütenteile
und wünschte sich die unbe-rührte Blüte zurück.
"Ich habe die Blüte zerstört um der Erkenntnis willen", sagte M.,
"aber ich weiß nicht mehr über ihre Schönheit als vorher,
viel-leicht sogar weniger. Ich bin traurig, denn ich kann der
zerschnittenen Blüte ihre Schönheit nicht wie-dergeben."
Sein Begleiter blickte ihn freundlich an, legte einen Arm um M.'s
Schultern und ging mit ihm weiter.
"Es ist wohl ein Gesetz des Lebens. Siehst du die Schönheit, so hast
du das Leben. Folgst du aber dei-nem Wunsch zu wissen, so kostet das
seinen Preis
Freunde für immer
von Haugk, Claudia
Es war einmal...
ein liebes Mädchen, dass hieß Svenja und ein netter Junge, der hieß
Jens. Die beiden waren die allerbesten Freunde und Streit hatte es
auch noch nie gegeben. Jeden Tag haben sie zusammen gespielt. Sie
haben im Sandkasten Sandburgen gebaut, oder sie haben im
Planschbecken im Wasser geplanscht. Und ganz oft sind sie auch
zusammen mit dem Fahrrad herum gefahren. Auch mochten beide am
liebsten Eis essen. Außerdem wollten alle beide sehr gerne ein
Haustier haben. Tiere konnten sie nämlich gut leiden. Und am
allerliebsten mochten sie Katzen. Aber Svenja durfte leider keine
Katze haben. Svenjas Mutter hat das nämlich nicht erlaubt. Immer
wieder hatte Svenja ihre Mutter gefragt: "Mutti, warum darf ich denn
keine Katze haben? Katzen sind doch so schön weich und mit ihnen
kann man so schön schmusen." Und die Mutter hat ihr dann immer
geantwortet: "Liebe Svenja, ich kann leider keine Katze im Haus
vertragen. Von Katzen und Katzenhaaren werde ich krank. Und dann
brennen mir meine Augen immer ganz doll."
Eines Tages hatte Jens Geburtstag und wurde schon fünf Jahre alt. Da
gab es dann auch eine ganz tolle Geburtstagsfeier. Viele Kinder
waren eingeladen und Svenja natürlich auch. Auf der Feier gab es
einen Geburtstagskuchen mit fünf Kerzen und dazu noch Kakao. Die
Kerzen hat Jens alle auf einmal ausgepustet. Wenn man das schafft,
dann darf man sich nämlich etwas wünschen und manchmal geht der
Wunsch auch in Erfüllung. Nur darf man den Wunsch keinem verraten,
sonst kann es passieren, dass er doch nicht in Erfüllung geht. Und
was denkst Du hat Jens sich heimlich gewünscht? Ja genau, eine
Katze. Und was darf auf gar keinen Fall an einem Geburtstag fehlen?
Richtig, die Geschenke. Die gab es hier natürlich auch und Jens hat
sie gleich alle ausgepackt. Er bekam ein Malbuch geschenkt und bunte
Stifte, ein Feuerwehrauto und einen Teddybär, ein lustiges Spiel und
einen blauen Roller. Als dann alle Geschenke ausgepackt waren, wurde
der Kuchen gegessen und der Kakao getrunken. Danach sind dann alle
Kinder in den Garten gegangen und haben Verstecken gespielt.
Allerdings hat noch jemand auf der Geburtstagsfeier gefehlt. Die Oma
und der Opa von Jens waren nämlich noch nicht da. Die sind dann aber
auch noch gekommen und haben natürlich auch ein Geschenk
mitgebracht.
Das war sogar ein wunderschönes Geschenk. Es war nämlich eine süße
kleine Katze.
Da hat sich Jens dann auch ganz doll gefreut und hat der Katze
auch gleich einen Namen gegeben. Die Katze hieß ab sofort Rocky.
Jens hat die Katze auf den Arm genommen und ganz viel mit ihr
geschmust. Svenja hat dabei zugesehen. Sie hat sich gar nicht
gefreut, dass Jens jetzt eine Katze hatte. Svenja wollte doch auch
so gerne eine Katze haben, aber sie durfte ja nicht. Das fand Svenja
ganz schön gemein. Deshalb wollte sie auch nicht, dass Jens eine
Katze hat, wo sie doch keine haben durfte. Svenja hatte jetzt auch
keine Lust mehr den Geburtstag zu feiern. Deshalb ist sie dann auch
einfach nach Hause gegangen.
Zuhause hat Svenja ihrer Mutter die Geschichte mit der Katze
erzählt. Sie hat dann wieder ihre Mutter gefragt, ob sie nicht auch
eine Katze haben darf. Aber die Mutter hat es nicht erlaubt. Das
fand Svenja gemein.
Am nächsten Tag kam Jens mit seiner Katze zu Svenja und wollte mir
ihr und dem Rocky spielen. Aber Svenja war böse, weil Jens ein so
liebes Tier haben durfte und sie nicht. Darum hat sie zu Jens auch
gesagt, dass sie nie wieder mit ihm spielen will und, dass er auch
nicht mehr ihr Freund ist. Da war Jens sehr traurig und ist mit dem
Rocky wieder nach Hause gegangen.
Svenja ist in ihr Kinderzimmer gegangen und hörte sich eine
Geschichte von der Kassette aus dem Kassettenrekorder an. Dabei
malte sie dann ein bisschen in ihrem Malbuch. Als sie keine Lust
mehr zum Malen hatte, spielte sie mit ihrer Puppe. Aber bald hatte
sie auch dazu keine Lust mehr und ihr wurde ganz schön langweilig.
Deshalb ging sie raus und fuhr ein wenig mit dem Fahrrad herum. Doch
dabei wurde ihr auch bald langweilig. Sie fuhr dann zu dem Garten
von Jens. Da hörte sie dann, wie Jens ganz viel lachte. Sie blieb
stehen und schaute in den Garten. Dort sah sie, wie Jens mit seiner
Katze spielte. Richtig viel Spaß hatte Jens dabei. Ihm war gar nicht
langweilig.
Das machte Svenja nun traurig. So gerne hätte sie jetzt auch mit
Jens und der Katze gespielt. Wie dumm es doch war, dass sie nicht
mehr mit Jens befreundet sein wollte. Svenja musste weinen, so
traurig war sie. Das hörte Jens. Deshalb ging zu Svenja und fragte
sie, warum sie denn weine. Da Svenja ihm gesagt, dass sie so gerne
mitspielen würde und dass sie auch so gerne eine Katze zum Schmusen
haben würde. Das tat Jens jetzt aber leid, dass Svenja keine Katze
haben durfte und dass sie weinte. Deshalb sagte er zu Svenja, dass
sie immer mit seiner Katze schmusen darf, wenn sie nur wieder
Freunde sein könnten. Wie nett Jens doch ist, dachte sich Svenja und
deshalb sagte sie ihm auch, dass sie gerne wieder seine Freundin
sein würde. Da lachte Jens und gab Svenja die Hand. Von nun an waren
sie wieder Freunde. Sie gingen zusammen in den Garten und spielten
mit dem Rocky. Und immer dann, wenn Svenja mit der Katze schmusen
oder spielen wollte, brauchte sie nur ihren allerbesten Freund Jens
zu besuchen.
Svenja wusste jetzt auch, dass es dumm gewesen war, ihrem Freund
Jens die Katze nicht zu gönnen. Und das es auch dumm gewesen war,
ihm die Freundschaft zu kündigen. Denn wenn Jens nie mehr ihr Freund
gewesen wäre und er keine Katze gehabt hätte, dann hätte Svenja nie
mit einer Katze schmusen und spielen können.
Und auch, wenn die beiden heute schon groß sind, so sind sie doch
immer noch Freunde und sie haben sich nie wieder gestritten.
Das Monster im alten Haus
von Schreibehexe
In einem alten Haus lebte ein einsames Monster. Es machte den
lieben langen Tag nichts anderes als sich zu langweilen. Es hatte
keinen Freund, keinen Spielkameraden, es immer nur ganz alleine.
Alle hatten Angst vor ihm, obwohl er keinem etwas tat, er war en
ganz lieber Kerl, aber das hatte ja noch nie jemand ausprobiert,
denn sie liefen ja immer alle vor fort.
Eines Tages hörte das Monster lautes Motorengeheul und eine dicke
Staubwolke vor seinem Haus. Als die Staubwolke sich verflüchtigt
hatte, sah das Monster viele große Bagger und LKW´s vor seinem Haus
aufgereiht stehen. "Was soll denn das jetzt?" dachte das Monster so
bei sich. Was wollen die denn alle hier?"
Bevor das Monster seinen letzten Gedanken überhaupt zu Ende gedacht
hatte, hörte er wie ein Mann mit einer ganz dunklen Stimme zu einem
anderen Mann sagte:" Wir stellen die Abrißbirne genau dort hin und
fangen an das Haus von der Seite aus abzureißen."
Da durchfuhr das Monster ein Großer Schreck, man wollte ihm sein zu
Hause nehmen, das mußte er versuchen zu verhindern. Er überlegte
sich einen Plan wie er es anstellen konnte, das er sein zu Hause
behalten konnte. Er setzte sich auf seinen Sessel und dachte nach.
Es verging eine lange Zeit bis ihm etwas eingefallen war. Er stand
auf und stellte sich ans Fenster, das in die Richtung zeigte wo die
Bagger und Baugeräte standen. Er öffnete das Fenster und rief:"
Hallo Ihr da unten, was wollt Ihr bei meinem Haus. Geht weg, ich
wohne hier."
Die Bauarbeiter gucken zu dem Fenster hoch und liefen schreiend
davon.
"Prima!" dachte das Monster. "die sind jetzt erst einmal weg und ich
kann mir wieder etwas neues ausdenken, wenn die wieder kommen. Die
Baumaschinen standen noch vor seinem Haus, aber es waren keine
Arbeiter mehr zu sehen. Das Monster atmete auf und dachte bei sich:"
Hoffentlich kommen die so schnell nicht wieder. Aber ich denke mir
noch einiges aus, wie ich sie immer wieder vertreiben kann."
Die Arbeiter waren in der Zwischenzeit bei ihrem Vorarbeiter an
gekommen und riefen schon von weitem:" Hilfe! Hilfe! Da in dem alten
Haus haust ein Monster, das hat uns angegriffen und uns zermalmen.
Es hat riesige Hände, ist bestimmt 3 m hoch und hat auch rot
glühende Augen. Einen Mund so groß das er unseren Bagger darin
verstecken könnte."
Der Vorarbeiter kratzte sich am Kopf und sagte Dann:" Seit ihr denn
von allen guten Geistern verlassen und brüllt hier so durch Die
Gegend. Habt Ihr gestern Abend mal wieder zu lange gefeiert oder was
ist in Euch gefahren. Was ist denn eigentlich genau los? Was höre
ich denn da von Monstern und so einen Blödsinn. Ihr benehmt Euch ja
wie kleine Kinder, die Abends Angst haben vor der Dunkelheit und
lieber bei Licht schlafen. Nehmt euch bitte zusammen und geht wieder
an Eure Arbeit. Das Haus muß heute noch dem Erdboden gleichgemacht
werden, denn über morgen wollen wir mit den Ausschachten für das
neue Haus beginnen. Also los, Hop, Hop, macht das ihr wegkommt."
Die Arbeiter gingen unter großem Protest wieder zu dem alten Haus.
Das Monster hörte die Arbeiter in Richtung Haus kommen und stellte
sich wieder an das Fenster und öffnete es. Er rief den Arbeitern zu:
"Habe ich Euch nicht vorhin schon gesagt, das Ihr Euch verstreichen
sollt? Warum kommt Ihr immer wieder zu meinem Haus? Ihr bekommt das
Haus nicht, es gehört mir. Ich wohne hier schon seiten vielen
hundert Jahren und ich werde auch noch viele hunderte von Jahren
hier wohnen. Habt ihr das verstanden, Also verschwindet jetzt, aber
schnell1"
Die Arbeiter guckten wieder zu dem Fenster und erschraken, denn das
Monster sah noch größer und wuchtiger aus. Die Arbeiter sprachen
miteinander. Da meinte einer der Arbeiter:" Paß auf Karl, DU gehst
jetzt den Vorarbeiter holen, damit er das Monster mit eigenen Augen
sehen kann und wir halten das Monster in Schach. Klar, lauf los!"
Karl rannte so schnell er konnte und rief:" Vorarbeiter,
Vorarbeiter, Sie müssen sofort mitkommen und dann können Sie sich
selbst überzeugen, wie groß das Monster wirklich ist. Bitte kommen
sie mit und überzeugen sie sich mit eigenen Augen."
Der Vorarbeiter glaubte Karl zwar nicht das es dort ein Monster
gibt, aber er ging widerwillig
mit. Als die anderen Arbeiter den Vorarbeiter kommen sahen, liefen
sie ganz aufgeregt ihm entgegen und riefen:" Gut das sie gekommen
sind, jetzt werden wir ihnen das Monster zeigen. Es hat uns gesagt
das schon viele hundert Jahre hier wohnt und auch noch viele hundert
Jahre hier wohnen bleiben möchte."
"Das werden wir ja sehen!" sagte der Vorarbeiter und ging mit
entschlossenem Schritt auf das Haus zu.
Als er dort angekommen war, traute er seinen Augen nicht. Vor dem
Haus stand das Monster und rief ihm entgegen: "Was wollen sie denn
hier? Sie bekommen mein Haus nicht. Suchen Sie sich ein anderes Haus
welches sie abreißen lassen, mein Haus bekommen sie auf gar keinen
Fall. Also hauen sie endlich hier ab und nehmen sie ihre
Baumaschinen mit."
Der Vorarbeiter fiel rückwärts auf seinen Hosenboden und zitterte am
ganzen Körper, so etwas hatte auch er noch nie gesehen. Er dachte,
er würde träumen. Er rieb sich die Augen und guckte noch einmal zu
dem Monster, dann sprang er auf und lief laut schreien von dannen
und versteckte sich in der äußersten Ecke der Baracke. Er erholte
sich nur sehr schwer von diesem Schock.
Die Arbeiter standen immer noch wie angewurztelt vor dem Haus und
wußten jetzt nicht was sie machen sollten. Da stand dieses
übermächtige Monster auf der einen Seite und auf der anderen Seiten
standen sie mit ihren Baumaschinen.
Karl fand als erste wieder seine Stimme:" Ich glaube wir ziehen hier
ab und überlassen dem Monster das alte Haus und sagen dem
Auftraggeber, das das Haus unter Denkmalschutz stehen würde und
deshalb nicht abgerissen werden kann."
Der Vorarbeiter hat sich von seinem Schrecken erholt und hat sich
auf den Weg gemacht zu seinen Arbeitern und rief ihnen schon von
weitem zu:" Kommt weg da und bringt euch in Sicherheit, wir lassen
das Haus stehen um keinen Krach mit dem Monster zu bekommen, denn
ich würde mir auch nicht das Haus über meinem Kopf abreißen. Ich
kann ihn eigentlich verstehen und deshalb ziehen wir uns zurück, wer
weiß warum dieses Haus schon so alt geworden ist."
Die Arbeiter zogen sich also zurück und das Monster jubelte vor
lauter Freude und wohnte noch viele hunderte Jahre in seinem Haus.
Und die Moral von der Geschichte Hartnäckigkeit zahlt sich aus.
Der Umzug der kleinen Gundula
von Leoni
Ein Grundbuchmärchen
Der Umzug der kleinen Gundula
Es war einmal eine junge, fröhliche kleine Grunddienstbarkeit namens
Gundula, die sich seit ihrer ersten Eintragung in ein Grundbuch von
Wald sehr wohl fühlte.
Es war nämlich sehr schön hier in ihrem Grundbuch-Zuhause, weil dort
mit ihr noch ganz viele andere junge Grunddienstbarkeiten
eingetragen waren. Richtig
lustig und sehr fröhlich ging es hier in ihrem Grundbuch manchmal
zu. Alle verstanden sich wirklich prima, spielten viel miteinander,
tollten herum und
waren einfach ein richtig lustiger Haufen von Eintragungen.
Das Grundbuch, in dem Gundula lebte, war sehr groß, denn es gab sehr
viele Grundstücke hier.
Mit dem Grundstück, zu dem unsere kleine Gundula gehörte, verstand
sie sich sehr gut. Es war schon etwas älter, aber auch sehr weise,
ausgesprochen herzlich und ganz besonders lieb zu unserer kleinen
Gundula. Dieses nette Grundstück namens Granny mochte die kleine
Gundula auch sehr gerne. Deshalb hatte sie sich auch ihrer
angenommen. Bei Granny fühlte sich Gundula immer sehr geborgen und
darum liebte sie ihre Granny auch so sehr.
Eines schönen Tages jedoch wurde der Verkauf von Granny geplant. Es
wurde sogar ein netter Käufer gefunden, der bereit war, das weise
alte Grundstück zusammen mit der kleinen Gundula zu übernehmen.
Allerdings mussten sie hierfür in ein neues Grundbuch-Zuhause
übertragen werden. Gundula war sehr aufgeregt als sie davon hörte.
War sie doch in ihrem jungen Leben noch nie übertragen worden. Auch
hatte sie ein bisschen Angst vor dem, was sie denn da wohl erwarten
würde. Aber solange Granny bei ihr sein würde, würde bestimmt alles
gut gehen.
Am Tage der Übertragung brach dann das reinste Chaos aus. Auch ein
paar andere Grundstücke hatten nämlich einen Käufer gefunden und
auch sie sollten
heute in ihr neues Grundbuch-Heim übertragen werden.
Granny machte sich zuerst auf den Weg. Sie wollte schon einmal
vorgehen und sich das neue Grundbuch-Heim anschauen. In ihrem langen
Leben hatte Granny schon viele Übertragungen erlebt. Da aber diesmal
mehrere Grundstücke auf einmal übertragen werden sollten, standen
ihnen auch viele neue Grundbücher zur Verfügung. Jedes Grundstück
durfte sich deshalb ein neues Heim aussuchen. Granny fand auch ein
wunderschönes Grundbuch, dass ihr neues Zuhause werden sollte.
Sie ließ sich dann auch sofort dort eintragen. Und dann fing Granny
auch schon an erstmal alles richtig sauber zumachen. Auch das Zimmer
der kleinen Grunddienstbarkeit in der II.- Abteilung wurde blitze
blank geputzt. Danach kochte Granny erstmal einen Kakao und backte
einen Kuchen. Das würde der kleinen Gundula bestimmt gut schmecken,
wenn sie nachher kommen würde. Die Übertragung der II. -Abteilung
sollte nämlich ein bisschen später erfolgen. Granny wartete. Nach
dem sie allerdings davon gehört hatte, das auch schon die übrigen
Grundstücke in ihr neues Grundbuch eingetragen worden waren, wurde
sie dann doch etwas unruhig. Wo blieb denn nur die kleine Gudula?
Sie hätte doch schon längst hier sein müssen.
Dann kam Granny ein schlimmer Verdacht. Konnte es etwa möglich sein,
dass die kleine Gundula verloren gegangen war bei all dieser
Aufregung und diesem
Chaos?
Die gute alte Granny wusste nämlich aufgrund ihrer langen
Erfahrungen, dass einmal einem anderen Grundstück seine
Grunddienstbarkeit bei einer
Übertragung verloren gegangen war. Niemand hat sie je wieder
gesehen.
Granny machte sich nun wirklich große Sorgen und außerdem hatte sie
ein Problem. Es war ihr nämlich nicht möglich noch einmal in ihr
altes Grundbuch
zurück zukehren um dort nach der kleinen Gundula zu suchen.
Dann hatte Granny eine Idee. Sie beauftragte die Privatdetektivin
Leoni Haugsen damit, sich einmal in dem alten Grundbuch nach Gundula
umzusehen. Leoni machte sich dann auch sofort auf den Weg zu dem
alten Grundbuch von Granny und Gundula. Denn schon bald sollte es
abend werden, und für die kleine Gundula war es nun wirklich zu
gefährlich, um Nachts alleine durch die Gemarkung von Wald herum
zuziehen.
Leoni wusste auch ganz genau wo sie suchen musste, als sie das alte
Grundbuch endlich erreicht hatte. Denn bekanntlicherweise leben
kleine Grunddienstbarkeiten immer in der II. -Abteilung. Da Gundula
noch so jung war, dachte sich Leoni, dass die Kleine bestimmt nicht
alleine losgezogen war.
Leoni sollte recht behalten. Ganz verängstlicht saß unsere kleine
Gundula in der II. -Abteilung und weinte leise vor sich hin. Immer
wieder hatte sie nach ihrer Granny gerufen, aber nie eine Antwort
bekommen.
Leoni hatte große Mühe damit, die kleine Gundula wieder zu
beruhigen. Sie versprach ihr, dass sie nur mit ihr kommen müsse, um
sicher zu ihrer lieben
Granny zu gelangen. Gundula nahm ihren ganzen kleinen Mut zusammen
und ließ sich dann von Leoni in das neue Grundbuch-Heim übertragen.
War das eine Freude als Granny endlich ihre liebe kleine Gundula
wieder in die Arme nehmen konnte. Gundula trank dann auch erstmal
eine schöne warme
Tasse Kakao und aß dazu ein Stück Pflaumenkuchen mit Mohn, den nur
die liebe Granny so hervorragend backen konnte.
Danach brachte Granny dann ihre kleine, total erschöpfte
Grunddienstbarkeit in das Zimmer in der II. -Abteilung und legte sie
dort ins Bett.
Granny blieb auch noch so lange bei der immer noch völlig
aufgelösten Gundula, bis diese dann doch irgendwann einmal
eingeschlafen war.
Bevor Granny jedoch die Tür schloss, schaute sie sich die kleine,
jetzt süß träumende Gundula noch einmal genau an. Wie sehr war ihr
doch diese kleine
Grunddienstbarkeit ans Herz gewachsen. So richtig wurde ihr das erst
jetzt bewusst.
Nie wieder würde sie bei einer Übertragung, so etwas kam hier
nämlich leider öfter mal vor, alleine vorweg gehen.
Ab sofort würde sie ihre kleine süße Gundula lieber direkt
mitnehmen.
Und wenn sie nicht im Dschungel des digitalen Grundbuchs Solum Star
auf dem gefährlichen und abenteuerlichen Wege der Archivierung
verloren gegangen
sind, dann stehen sie noch heute in einem der Grundbücher von Wald.
Und die Moral von der Geschicht:
vergesst die Abteilung II und III bei Übertragungen nicht.
Stotterkopf
von Leberwurst
Es geschah an einem etwas nebligen , nass-kalten novembermorgen
als in der schokoladefabrek von kandisberg plötzlich die maschine
zur herstellung der schokokusse zu stottern begann. Sie spuckte und
rauchte , erinnerte in ihrem gebärden an ein märchenhaftes
fabelwesen. Die angestellten und machaniker
kammen herbeigelaufen um sich den schaden zu besehen . er war nicht
schwerwiegend und konnte innert einer viertelstunde behoben werden .
doch eine triftige folge hatte erdoch . nämlich genau in der zeit ,
in welcher die maschine ihremucken gehabt hatte war ein mohrenkopf
entstanden dem die panne arg zu leibe gerückt war . sein
biscuitboden war oval und schief , der schokoladenguss von dellen
und beulen verunstaltet . als jedoch die kisten in welchen sich
hunderte von schokoküssen befanden abgepackt wurden , beachtete
niemand den schrumppeligen mohren kopf und er wurde zusammae mit
vielen anderen an eine konditorei geliefert . beim auspacken der
frisch eingetroffenen ware fiehl dem konditormeister der unförmige
mohrenkopf auf .“OB ICH DEN WIRKLICH ZUM VERKAUF AUSSTELLEN SOLL ? „
;fragte er sich und entschied sich schlussendlich doch dafür . „du
siehst aberkomisch aus .“ , meinte ein dick mit caramelcreme
gefüllter , puderzucker bestreuter schmalzkringel , welcher neben
dem mohrenkopf in der schauvitrine lag , „vielleicht ist er vom band
gefallen oder sein bäcker war blind „, mischte sich eine
vierstöckige sahnetorte in das gespräch ein . „die maschine in der
fabrik hat gestottert als ich zur welt kamm „ meinte der mohrenkopf
schüchtern . „demnach bist du also kein mohrenkopf , sondern ein
stotterkopf .“ , lachten nun sämtliche butterplätzchen um ihn her „
dichwird bestimmt nie jemand kaufen .“ und dies schien sich zu
bewahrheiten . die sahnetorte wurde von einer dicken , älteren frau
für ihren kaffeeklatsch erworben , eine mutter kaufte sämtliche
butterplätzchen für einen kindergeburtstag und den schmalzkringel
kaufte ein hektischer bankangestellter , welcher gerade seine
fünfminütige zigarettenpause für einen schnellimbiss nutzte . immer
neue süssigkeiten kammen und gingen wieder , nur der kleine
mohrenkopf wurde nicht gekauft , sondern nur fortwährend verspottet
und ausgelacht . langsam begann seine schokolade schon ihren glanz
zu verlieren , doch er gab nicht auf . „irgendwann werde ich noch
auf euch alle herab sehen und ihr werdet vor staunen und neid aus
eurem zuckerguss fahren . „ , dachte erjeweils heimlich bei sich
bevor er am abend einschlief . nun trug es sich zu , dass die
bäckerslehrlinge , welche sich dem ende ihres dritten jahres
näherten als abschlussprüfung ein kunstgebilde in schokolade
gestallten sollten . einer unter ihnen hatte sich vorgenommen sein
kunstwerk dem gruselschloss des grafen dracula nach zu empfinden .
als er in der schauvitrine den kuriosen mohrenkopf entdeckte ,
lachte er entzückt auf „ genau das nach dem ich gesucht habe .“
tagelang künstlerte er mitschokoglasur und spritzbeutel und setzte
zuletzt den kleinen mohrenkopf auf die höchste zinne des schlosses .
als dann die kreationen der lehrlinge dem meister zur kühr
vorgeführt wurden blieb dieser begeistert vor der
vampirbehausung stehen und rief aus : „fantastisch , so gelungen ,
realistisch und vor allem dieser mohrenkopf auf der höchsten zinne .
er ist so zu sagen das tüpfchen auf dem i . „ und so erhielt der
bäckerlehrling für seine abschlussarbeit den ersten preis und der
kleine mohrenkopf wurde im schaufenster ausgestellt . jedes Mal wenn
dann leute an der konditorei vorbeigingen liessen sie bewundernde
blicke schweifen und fragten sich , wie wohl dieser
aussergewöndliche mohrenkopf zustande gakommen war und wenn das
gruselschloss nicht noch immer dort im schaufenster steht , wird der
mohrenkopf nun wohl in irgend einem magen ruhen und für immer
glücklich sein .
Geschichten von Toni Lauerer
Der Schuhschrank
Bei uns daheim ist das so: Die ganzen Schuhe stehen in der Diele
umher. Von der ganzen Familie. Ich persönlich hab' aber gar nicht so
viele, weil mehr wie 2 auf einmal kann man ja nicht brauchen. Aber
meine Frau und meine Kinder, die haben so viele, daß man echt meinen
könnte, jeder von ihnen hat 10 Haxen.
Das sieht nicht gut aus, die ganze Diele voll Schuhe.
Und es ist auch wegen dem Duft. Manchmal dampft es schon gewaltig!!!
Und für mich ist die Diele die Visitenkarte eines Hauses. Wenn da
Besuch kommt und sieht den Verhau in der Diele, der denkt sich:" Das
muß ein Saustall sein, wenn es in der Diele schon so aussieht!"
"So geht es nicht weiter", hab'ich mir gedacht, "wir brauchen einen
Schuhschrank!"
Ich hab' dann einen gekauft. Einen guten. Echt Spanplatten mit
original Kunststoff furniert. Zum Selberzusammenbauen, weil das
jeder Depp kann. Also muß ich's auch können.
Ich hab' die riesen Schachtel heimgetragen, bleischwer war sie, dann
hab' ich alles ausgepackt. Ein Haufen Zeug war da drin: Bretter,
Schrauben, Dübel, Nägel und ganz unten eine Gebrauchsanleitung.
Die ist für's Zusammenbauen unentbehrlich. Oben ist drübergestanden
"Made in Korea". O mei, ein koreanischer Schuhschrank! Ja mi hast
g'haut. Mit sowas hab' ich jetzt nicht gerechnet. Aber jetzt ist es
sowieso schon wurst, gekauft ist gekauft. Schauen wir eben mal.
Die Gebrauchsanweisung war koreanisch. Lauter Striche und Punkterln,
überhaupt kein normaler Buchstabe. Aber Gott sei Dank war es
mehrsprachig und als 6. Sprache habe ich dann Deutsch gefunden.
Angegangen ist es so:" Du gekaufen Schranken Schuh, wir kradulieren
Dich dazu!"
Na ja, zwar nicht fehlerfrei, aber immerhin deutsch. Daß die gleich
per du mit mir sind? Ich kenn' in Korea keinen Menschen. Ist doch
wurst. Zuerst einmal muß ich schauen, ob auch alles da ist. Denn
wenn etwas fehlt, hast du beim Zusammenbauen keine Chance.
"Zwei Bretten für jeden Seiten". Das sind praktisch die
Seitenbretter. "Eine Ruckenwand mit Loch geboren". Das ist die
Rückwand mit einem vorgebohrten Loch. Zu "gebohrt" sagen die
"geboren". Wahnsinn. Mei, wie sollen sie es auch wissen in Korea.
Dann sind noch 5 Einlagebretter dringewesen, die haben in der
Beschreibung geheißen: "5 Bretten zum parken Schuhen". Eigentlich
logisch. Da parkt man praktisch seine Schuhe. Mensch, apropos:
Hoffentlich passen meine Schuhe da hinein! Ich hab' Schuhgröße 44
und die Koreaner haben doch alle so kleine Füße. Das weiß ich vom
Fernsehen. Aber jetzt habe ich ihn schon, meinen Schranken Schuh,
jetzt hilft alles nichts mehr.
Also, weiter geht's: "10 mal Glied von Eisen ist Scharnierung", das
sind 10 Scharniere, "18 Dubels" sind 18 Dübel, "20 Schraubung" sind
20 Schrauben und "versieden Stiften Stahl" sind ein Haufen Nägel.
Zum Schluß stand noch dort "1 Wunt". Was das ist, weiß ich bis heute
nicht.
Also, das Material ist da. Jetzt geht's ans Zusammenbauen. Schauen
wir in die Montageanleitung. "Als erstes nehmen wir zur Hand,
Bretten für den Seitenwand". Das reimt sich. Und die 2 Seitenbretter
haben sogar einen Namen gehabt.: "Bretten A und Bretten B". Und was
muß ich mit den Bretteln machen? "Wir verbinden Bretten A und
Bretten B mit Fixierungsbretten!" Fixierungsbretten? Was für
Fixierungsbretten? Von einem Fixierungsbretten habe ich nichts
gelesen. Ich wollte schon meiner Frau schreien, daß sie mir hilft,
da habe ich Gott sei Dank weitergelesen. "Als Fixierungsbretten, wir
nehmen Bretten zum parken Schuhen". Aha! Ein Einlagenbrett muß ich
da hernehmen. Und wie fixier' ich das? "Mit Schraubung jeder Seiten
2". Genau, auf jeder Seite 2 Schrauben. Aber wie soll das gehen? Mit
der linken Hand muß ich Brett A halten, mit der rechten Bretten B.
Und mit was soll ich schrauben? Ich hab' doch bloß 2 Hände.
Vielleicht haben sie ja in Korea vier? Hilft nichts, ich brauche
meine Frau. "Hä du! Komm her, du mußt mir helfen!"
"Ich kann nicht, ich backe einen Kuchen!" schreit sie aus der Küche
raus. Das ist typisch! Ich zerbreche mir den Kopf, daß unsere
verhaute Diele schöner wird, und sie? Sie backt einen Kuchen.
Wahrscheinlich kommt wieder irgend eine Freundin zum Ratschen und
dann saufen sie einen Liter Kaffee und mampfen dazu ein Pfund
Kuchen. Typisch! "Du mußt kommen, ich schaff' es nicht alleine!" sag
ich. Dann ist sie heraus aus der Küche.
"Da schau her" hab' ich gesagt, "ich muß die 2 Bretter halten und du
mußt das Fixierungsbrett draufschrauben.!"
"Leg es hin, dann geht es, Blödel!" hat sie gesagt und ist wieder in
die Küche.
Es ärgert mich schon, wenn sie Blödel zu mir sagt, aber noch mehr
ärgert mich, daß sie recht hat. Da könnt' ich narrisch werden. Die
schaut einmal hin, dann weiß sie wie es geht. Ich kann zehnmal
hinschauen und weiß es noch nicht. Es ist zum Verzweifeln. Doch das
ist jetzt auch wurst, ich muß weiter zusammenbauen.
Ich leg die 2 Bretten Seiten hin und das Fixieren geht einwandfrei.
Bis ich schau, habe ich alle 5 Einlagenbretter drangeschraubt. Jetzt
sieht das Ganze schon ein bißchen aus wie ein Schranken Schuh. Was
kommt als nächstes?
"Wir fügen ein, die Ruckenwand in Schlitz, welcher vorgefräset.".
Aha, die Rückenwand in den Schlitz hinein! Die Rückwand ist da, aber
wo ist der Schlitz? Ich find' ums Verrecken keinen Schlitz. Was soll
ich jetzt tun? Ohne Schlitz? Das ist typisch. Da rennen in Korea
alle mit Schlitzaugen herum, doch wenn's darauf ankommt, vergessen
sie den Schlitz.
Obwohl, wenn ich so nachdenke: Eigentlich brauche ich gar keinen
Schlitz. Ich nagel die Rückwand einfach hinten dran, dann hält es
auch. Nägel sind noch ein Haufen da. Und außerdem sieht das kein
Mensch, ob das genagelt ist oder ob da ein Schlitz ist, weil die
Rückwand ist sowieso hinten.
Ich hab' dann die Rückwand angenagelt wie der Teufel, mit mindestens
25 Nägeln. Das hält ewig!
So jetzt habe ich noch ein Haufen Zeug. Zum Beispiel "10 mal Glied
von Eisen ist Scharnierung". Was tue ich mit den Scharnieren? Halt,
da steht's: "Es ist ein Loch geboren, du stecken Glied hinein ".
Wahnsinn! Wie sich das anhört. Direkt ordinär! Aber mei, wie will
der Koreaner, der das geschrieben hat wissen, daß sich das in
Deutschland so brutal anhört. Ich habe direkt lachen müssen.
Doch das Lachen ist mir dann gleich vergangen. Es war nämlich kein
Loch geboren. Nicht eines. Das gibt es doch nicht, wo sind die
Löcher? Ich hab' 10 Glieder und kein Loch. Da stehst du ganz schön
dumm da, so ganz ohne Loch.
Auf einmal sehe ich es: Die Löcher sind außen an die Bretten dran.
Ja, was soll jetzt das? Ich kann doch die Scharniere nicht außen
dran machen. Da helfen sie nichts.
Das ist typisch Korea. Die Löcher außen. Und da gibt's Leute, die
kaufen sich koreanische Autos. Da ist dann wahrscheinlich das
Lenkrad im Kofferraum drin!
"Hä, Frau, komm her! Das mußt du unbedingt sehen!" habe ich
geschrien. Sie ist mit den Händen voll Teig aus der Küche raus.
"Da schau her," habe ich gesagt, "was die für ein Gelumpe
herstellen. Die Löcher für die Scharniere sind außen!"
"Drehe die Bretter um, dann sind sie innen, Blödel!" hat sie gesagt
und hat mich stehen gelassen wie einen Narren. Dieses Weib macht
mich noch narrisch. Die hat nämlich schon wieder recht. Die schaut
hin und sieht es. Ich wenn hinschaue, ich sehe nichts. Ich habe
tatsächlich die Bretten Seiten verkehrt herumgedreht, darum sind die
Löcher außen. Was soll ich jetzt machen? Ich habe doch praktisch
alles schon fixiert. Und wie! Ich bringe die Rückwand nicht mehr
herunter, also habe ich sie drangenagelt. Und bloß, weil ich keinen
Schlitz gefunden habe.
Apropos Schlitz: Der ist schon da. Aber nicht oben, sondern unten,
weil ich die Bretter verdreht hatte.
Wißt ihr, was ich getan habe? Zusammengehauen habe ich das ganze
Gelumpe. Dann haben wir eben keinen Schranken Schuh. Ist bisher auch
ohne gegangen. Nicht einmal gescheit gebrannt hat er.
Und überhaupt: Wem unsere Diele nicht gefällt, der soll draußen
bleiben!
So bin ich
Für alle Leut' auf dieser Welt
zählt bloß eins und das ist Geld.
Jede Frau will einen reichen Mo
und umgekehrt, da ist es gerade so.
Die ganze Gesellschaft ist versaut
weil jeder bloß auf den Euro schaut.
Gut, daß ich da anders bin,
das Reichwerden hab' ich nicht im Sinn,
mir reicht ein Haus und ein Mercedes,
ein Brillen-Etui, ein krokoledernes,
pro Jahr vier Wochen auf Hawaii
in Knossos schau ich auch vorbei.
Von meinen Kindern kriegt jedes was es will,
für'n Nachwuchs ist mir nichts zu viel.
Der Leberkäs' schmeckt oft recht leer,
darum muß gleich Kaviar her.
Und weil das Fischzeug schwimmen mou
gibt's Champagner auch dazu.
Daß du nicht muffelst wie verreckt
brauchst du ein Wasserl, das gut schmeckt (riecht)
mein 5-Milliliter-Duftflacon
kostet mehr, wie zwei Maß Pitralon.
Die Autos kauf' ich meist auf Pump
unter 40 000 Euro sind sie sowieso ein Gelump'.
Weil ich arm bin, wie die meisten
kann ich mir 'ne Yacht nicht leisten.
So, jetzt wißt ihr wie ich bin:
Schlicht und einfach aber trotzdem zufried'n.
Aber wir bescheidenen Leut'
sind leider in der Minderheit.
Wirtshausgespräch
Paul: Jetzt reicht es mir aber. Mein Lieber, jetzt reichts!
Sepp: Was ist denn los, Paule. Wo fehlt's denn?
P: Mein Konrad hat einen neuen Lehrer bekommen. Ein glatter Depp!
S: Dein Konrad? Ein glatter Depp?
P: Nicht mein Konrad, der Lehrer! Der kann meinem Buben einfach
nichts beibringen.
S: Nichts?
P: Nichts! Jetzt hat der Konrad schon drei Proben geschrieben. Und
was hat er? Drei Fünfer! Ich werde noch verrückt mit dem Lehrer.
S: Drei Fünfer? Mensch, muß das ein blöder Lehrer sein, wenn der
deinem Konrad nichts lernen kann.
P: Das kannst du aber laut sagen. Da studieren sie Jahrzehnte lang,
die Herren Schullehrer und was kommt dabei heraus? Drei Fünfer für
meinen Konrad. Das kommt raus!
S: Da fragt man sich schon. Studiert Jahrzehnte lang und kann dem
Buben nichts lernen. Drei Fünfer! Nicht zum glauben.
P: Ich bilde mir ein, daß der Lehrer ein Linker ist. Die ganze Zeit
demonstrieren und nicht da. Denn, normal darf ein Lehrer nicht so
blöd sein, daß ein Kind drei Fünfer schreibt. Normal nicht.
S: Hmmm... weißt du was, Paule, jetzt fällt mir etwas ein. Verstehe
es nicht falsch, aber wenn am Ende dein Konrad blöd ist?
P: Jetzt darfst du aber aufhören, Sepp. Mein Konrad blöd? Daß ich
nicht lache. Von wem soll er denn das haben? Von mir vielleicht?
S: Um Gottes Willen, von dir doch nicht! Von dir kann er das nicht
haben.
P: Genau! Von mir kann er's nicht haben.
S: Und von deiner Frau? Eventuell, verstehst du?
P: Von ihr, meinst du? Das wäre eine Möglichkeit. Da habe ich
eigentlich noch gar nicht darüber nachgedacht. Daß er's da her hat?
Hmmm... möglich wäre es. Wenn, dann hat er es von ihr.
S: Ich mein doch bloß. Verstehe mich nicht falsch. Nichts gegen
deine Frau Paule, aber es könnte ja sein. Eventuell.
P: Sein könnte es schon. Dann könnte ja praktisch der Lehrer gar
nichts dafür. Dann würde ich ihm ja Unrecht tun.
S: Eben. Dann würdest du ihm Unrecht tun. Im Prinzip ist ein Lehrer
auch nur ein Mensch. Ich mein, gesetzt im Fall, dein Konrad wär'
blöd.
P: Weißt du was Sepp? Das will ich jetzt genau wissen. Ich rufe
jetzt sofort meine Frau an und frage sie, ob der Bub die Blödheit
von ihr hat. Das will ich jetzt wissen!
S: Frag sie! Das würde mich auch interessieren.
(Paul geht hinter die Theke zum Telefonieren. Nach kurzer Zeit kommt
er zurück).
S: Und?
P: Alles klar!
S: Und? Wo hat dein Konrad seine Blödheit her?
P: Von ihr. Sie hat es jetzt am Telefon im Prinzip selber zugegeben.
S: Ach geh! Hat sie es zugegeben?
P: Jawohl! Sie hat gesagt, von mir kann der Bub die Blödheit nicht
haben, da ich die meine noch habe!
Der Preiß ( Der Preuße )
Einmal in der Nacht um halb zehne
sitzen mit einem frohen Sinn
der Müllner Sepp und sein Freund Bene
in einem Bauernwirtshaus drin.
"Sepp", sagt der Bene voller Freud'
"es gibt nichts besseres als ein Bier,
in der heutigen kranken Zeit
ist das wie ein Lebenselexier!"
Der Sepp sagt darauf "da hast du recht!"
und bestellt die dritte Halbe Weiß,
dem Bene schmeckt es heut auch nicht schlecht,
in der Ecke sitzt scheinbar alleine ein Preiß.
Der Sepp, der will ihn herhol'n,
er schreit: "Komm her da, guter Mann"
Zum Bene sagt er ganz verstohl'n:
"Dem hängen wir jetzt einen gescheiten an!"
"Jetzt zahlen wir dir eine Maß,
daß dir dein Urlaub nicht so viel kost'!"
Der Wirt bringt 3 Liter frisch vom Faß
und schon trinken's alle drei Prost.
Bald drauf kommt schon das nächste Maßl,
der Preiß trinkt immer fleißig mit,
er heißt Klaus und kommt aus Kassel,
beruflich ist er Kupferschmied.
Grad lustig ist's und das Bier, das rinnt,
man trifft sich ab und zu am Klo,
der Sepp ist schon um eine Maß hint'
den Klaus aus Kassel dürst' immer no.
Und kurz vor eins, da sieht man 'n Bene
schnell zu der Haustür hinauslaffa,
er hat mit seinem Magen Probleme,
die sechste Maß, die kommt ihm affa.
Der Sepp schreit auf einmal: "Wirt, zahl'n,
ich kann, hicks, leider nicht mehr bleim!"
Dann sieht man ihn über'n Stuhl runterfall'n
und draußen hört man den Bene speim.
"Das war heut ein Riesenspaß,"
sagt der Klaus, "ihr seid echt stark
vielen Dank für die acht Maß!"
Der Sepp zahlt 118 Mark.
Am nächsten Tag um halber zehne
ist der Sepp noch nicht ganz g'sund.
Einen Kamillentee trinkt der Bene
und sagt: "Der Preiß, das war ein Hund!"
Der Klaus, der sitzt inzwischen daheim
und zwar in Cham und nicht in Kassel,
er freut sich über die zwei Narren
und sagt: "Wenn du Hochdeutsch kannst, das ist ein Massl!"
Geschichten von Toni Lauerer
Ende
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